„Sehen nicht alle Fälle“

Von „nahezu null“ auf 4,8: Neue Corona-Varianten breiten sich in Niedersachsen aus

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In Niedersachsen steigt die Zahlen der Corona-Infektionen wieder an. Vermehrt wurden dabei KP.1, KP.2 und KP.3, sogenannte „Flirt-Varianten“ nachgewiesen.

Hannover – Covid ist nie ganz verschwunden, und in Niedersachsen verzeichnen Gesundheitsbehörden nun wieder einen deutlichen Anstieg der Corona-Infektionen. Die Labore des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) mit Hauptsitz in Hannover weisen vermehrt positive Covid-19-Fälle nach. Darunter auch neue Varianten der Omikron-Variante, bekannt als KP.1, KP.2 und KP.3. Diese sogenannten FLiRT-Varianten setzen sich gerade in ganz Norddeutschland durch.

In Niedersachsen steigt die Zahlen der Corona-Infektionen wieder an. Vermehrt wurden dabei KP.1, KP.2 und KP.3, sogenannte „Flirt-Varianten“ nachgewiesen. (Archivbild)

Corona-Infektionen in Niedersachsen: steigende Inzidenzen und hohe Dunkelziffer

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Niedersachsen in den vergangenen Wochen von „nahezu null“ auf 4,8 angestiegen. Diese Zahl gibt an, wie viele Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen gemeldet wurden. „Die tatsächliche Inzidenz dürfte jedoch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht getestet, erkannt und erfasst werden wie im Pandemiegeschehen“, erklärte Fabian Feil am Dienstag, 16. Juli, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA, „denn natürlich sehen wir viele Fälle nicht“.

Dennoch seien die aktuellen Zahlen „nicht vergleichbar mit denen in der Hochphase der Pandemie“. Auch einen regionalen Hotspot für das Infektionsgeschehen in Niedersachsen könne man derzeit nicht ausmachen, so Feil.

Die zehn häufigsten Krankheiten in Deutschland

Eine kranke Frau schnäuzt sich die Nase
Atmungssystem Seit der Corona-Pandemie ein verstärkter Faktor: Erkrankungen der Atemwege, dazu zählen auch Erkältungen, Grippe aber auch chronische Atemwegserkrankungen machen laut einer Studie der DAK von 2022 32,6 % der Krankheitsfälle der Versicherten aus. Insgesamt waren Atemwegserkrankungen für 19,9 % der Fehltage verantwortlich.  © Svetlana Karner/Imago
Person mit Beinmuskelschmerzen
Muskel-Skelett-System Zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems gehören Erkrankungen der Wirbelsäule wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder Muskel- und Sehnen-Leiden. An Erkrankungen dieser Art leiden jährlich etwa 11,6 % aller Erwerbstätigen. Muskel-Skelett-Leiden waren für 17,7% der Krankheitstage der DAK-Versicherten verantwortlich.  © Isai Hernandez/Imago
Junge Frau, der es nicht gut geht
Äußere Ursachen und Faktoren 2022 blieben 10,8 % der Erwerbstätigen wegen „äußeren Ursachen und Faktoren“ zu Hause. Dazu gehören alle äußeren Umstände, die arbeitsunfähig machen können, laut Apotheken.de etwa Allergien, chemische Reaktionen oder ähnliches. Sie stehen im Gegensatz zu inneren Faktoren, wie etwa genetischen Erkrankungen. Die Gruppe war für 10,8 % der Krankheitstage verantwortlich.  © Josep Suria/Imago
Kranke Frau im Bett
Infektionen Zu Infektionen gehören Virus-Infekte, laut Zdf.de aber auch Darmerkrankungen oder sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV oder Chlamydien. Diese Leiden machen 10,0 % der Erkrankungen aus, sorgen aber nur für 5,2 % der Arbeitsunfähigkeitstage.  © Marina Beilina/Imago
Mann putzt sich die Nase im Bett neben Freund
Unspezifische Symptome Krankmelden, weil es einem „nicht gut geht“. Auch das ist in Ordnung und wurde 2022 in 8,3 % der Fälle als Grund für eine Krankschreibung genutzt. 5,1 % der AU-Tage wurden so begründet.  © Cristina Villar Martin/Imago
Frau hält sich den Magen
Verdauungssystem Zu den Erkrankungen des Verdauungssystems gehören sowohl Magen- oder Darm-Leiden als auch Erkrankungen im Mund. Auch Karies wird hier mit eingerechnet. Diese Leiden sind für 6,2 % der Krankschreibungen von DAK-Versicherten verantwortlich, die damit 3,6 % der Fehltage ausmachen.  © Imago
Junges Mädchen mit verbundenem Arm
Verletzungen und Vergiftungen 5,5 % der Krankheitsfälle 2022 waren auf Verletzungen oder Vergiftungen zurückzuführen. Dazu gehören Verletzungen an den Gelenken, Kopf, Armen und Beinen sowie Verbrennungen und Vergiftungen, etwa durch Drogen oder Lebensmittel. 9,6 % der Krankheitstage waren mit solchen Leiden begründet.  © Imago
Frau mit Depressionen im Düsteren
Psychische Erkrankungen Psychische Erkrankungen sind zwar nur für 4,6 % der Krankheitsfälle verantwortlich, allerdings fallen Betroffene in solchen Fällen oft länger aus. Der Anteil der Fehltage aufgrund von diesen Erkrankungen, zu denen auch Depressionen, Burnout, Essstörungen und Alzheimer gehören, lag 2022 bei 15,1 Prozent.  © Imago
Frau hält sich das schmerzende Ohr
Nervensystem, Augen, Ohren Erkrankungen des Nervensystems, der Ohren und der Augen machen zusammen einen Anteil von 4,1 % der Krankschreibungen aus. Insgesamt fielen Erwerbstätige an 3,6 % der AU-Tage wegen einer solchen Erkrankung aus.  © Imago
Haut Untersuchung Muttermal
Neubildungen Unter den Punkt „Neubildungen“ fasst die DAK 0,9 Prozent der Krankheitsfälle, die 2022 für 3,2 % der Fehltage verantwortlich waren. Dazu gehören laut Gesund.bund.de zum Beispiel Hautneubildungen und andere Erkrankungen, die auf Krebs hindeuten können.  © Anastasiia Yanishevska/Imago
Krankschreibungen für sonstige Erkrankungen
Sonstige 5,3 % der Krankheitsfälle fasst die Krankenkasse in ihrer Studie als „sonstiges“ zusammen. Diese unspezifischen Erkrankungen machten 6,7 % der Fehltage aus.  © Imago

RKI: Inzidenzen steigen seit Juni wieder an – KP.3 vorherrschende Variante

Nach den Daten des es Robert Koch-Instituts (RKI) steigen die Inzidenzen in ganz Deutschland bereits seit Juni 2024 wieder an, seien derzeit jedoch „relativ stabil“. Im Abwassermonitoring hingegen zeigt die Viruslast weiter einen steigenden Trend. Laut RKI wurden bundesweit aktuell 944 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert, das entspricht einer Sieben-Tage-Inzidenz von 4,9.

Deutschlandweiter Spitzenreiter ist dabei Schleswig-Holstein mit Inzidenz von 7,3. Auch in Hamburg ist die Inzidenz mit aktuell 6,4 verhältnismäßig hoch. Die Zahl der Todesfälle stieg um fünf auf insgesamt 183.446. Vorherrschend ist danach weiter die JN.1-Unter-Variante KP.3 , auch als „FLuQE“ bekannt– mit einem Anteil von 51 Prozent.

Neue Corona-Welle in Niedersachsen: FLiRT-Varianten auf dem Vormarsch

Ob die neuen FLiRT-Varianten neue Symptome mit sich bringen, ist bisher nicht bekannt. Denkbar sind Omikron-typische Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schnupfen sowie Husten in Verbindung mit Atembeschwerden.

Diese Symptome können zwei bis 14 Tage nach einer Covid-Infektion auftreten:

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Halsschmerzen
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Atemprobleme
  • Geruchsverlust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall

Die Symptome der neuen Varianten dürften also den bereits bekannten Anzeichen von Covid-19, wie Erkältungssymptomen, Gliederschmerzen und Husten entsprechen.

Insgesamt „hohes Niveau“ der Atemwegserkrankungen – auch andere Erreger im Umlauf

Neben Corona-Infektionen werden derzeit jedoch auch vermehrt andere Erreger, wie Rhino- oder Enteroviren, nachgewiesen, die unter anderem die sogenannte Sommergrippe verursachen. Die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen „liegt insgesamt auf einem vergleichsweise hohen Niveau für diese Jahreszeit“, heißt es im Wochenbericht der RKI.

Niedersachsen: Starke Zunahme der akuten Atemwegserkrankungen bei kleinen Kindern

Auf Bevölkerungsebene zeige sich ein „erneuter Anstieg akuter Atemwegserkrankungen“, in Niedersachsen gibt es dabei eine auffällige Zunahme der Arztbesuche aufgrund von akuten Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern bis zum Alter von vier Jahren, zeigen die Zahlen des RKI.

In den vergangenen vier Wochen nahm insgesamt die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen sowie in Zusammenhang mit einer COVID-19 Erkrankung zu, wie auch das Infektionsradar des Bundesministeriums für Gesundheit zeigt.

Empfehlung der Gesundheitsbehörden: Rücksichtnahme, um andere zu schützen

NLGA-Experte Feil rät Personen mit Erkältungssymptomen, sich „auf die in Pandemiezeiten gelernte Rücksichtnahme zu besinnen“ – vor allem, um ältere Personen und geschwächte Menschen zu schützen. Große Veranstaltungen, bei denen viele Menschen eng zusammenkommen, sollten gemieden werden und im Zweifel besser eine Maske getragen werden.

Auch regelmäßiges Händewaschen sei eine wichtige Präventionsmaßnahme. Schnelltests aus der Apotheke oder Drogeriemärkten schlügen auch auf die neue Corona-Variante KP.3 an. „Es gibt bisher keine Hinweise, dass die Tests bei den neuen Varianten nicht funktionieren“, berichtet Feil.

Rubriklistenbild: © Imago/Panthermedia

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