„Gefährlicher Kurs“: Energie-Wirrwarr – so könnten neue Gaskraftwerke Niedersachsen schaden
VonUlrike Hagen
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Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer kritisiert den von Energieministerin Reiche geplanten Ausbau von fossilen Gaskraftwerken, die vor allem im Süden entstehen sollen.
Hannover – Bereits in ihrer Antrittsrede gab die neue Ministerin für Wirtschaft und Energie, Katharina Reiche, es bekannt: Das Ausbauziel für zusätzliche, rein fossile Gaskraftwerke bis 2030 soll von 10 auf 20 Gigawatt verdoppelt werden. Nun schlägt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer Alarm: Der „gefährliche Kurs“ von Energieministerin Reiche sei ein Rückschlag für Bundesländer wie Niedersachsen, die seit den 2000er Jahren ihre Energieversorgung von fossil auf erneuerbar erfolgreich umgestellt haben – und könne diese teuer zu stehen kommen.
Niedersachsens Energieminister Christian Meyer kritisiert den von Wirtschaftsministerin Reiche geplanten Ausbau von fossilen Gaskraftwerken, die vor allem im Süden entstehen sollen.
Niedersachsen Umweltminister kritisiert Milliardensubventionen für Gaskraftwerke im Süden
Friedrich Merz‘ Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gibt Gas beim Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland. Der niedersächsische Umweltminister kritisiert dies gegenüber IPPEN.MEDIA scharf: „Neue Gaskraftwerke sind klimaschädlich, ineffizient, extrem teuer, unwirtschaftlich und müssen hochsubventioniert werden.“
Es kann nicht sein, dass wir Milliarden fossile Subventionen für neue Gaskraftwerke wegen der Versäumnisse beim Ausbau Erneuerbarer Energien und der Netze im Süden zahlen.
Bei einem Termin in Bayern hatte Katharina Reiche eine Südquote bei der Ausschreibung zugesagt, mindestens zwei Drittel der neuen Gaskraftwerke sollen demnach im Süden gebaut werden. Grünen-Politiker Meyer erläutert: „Es kann nicht sein, dass wir Milliarden fossile Subventionen für neue Gaskraftwerke wegen der Versäumnisse beim Ausbau Erneuerbarer Energien und der Netze im Süden zahlen.“
Frisst die Milliardenförderung von fossiler Gaskraft die Strompreissenkung?
Während ursprünglich 15,6 Milliarden Euro für die Förderung neuer Gaskraftwerke veranschlagt wurden, belaufen sich die Kosten für die von Reiche geplanten, nicht wasserstofffähigen Anlagen nach Analysen des FÖS auf 22,2 bis 32,4 Milliarden Euro. Werden die Kosten auf die Strompreise umgelegt, könnte die Umlage bis zu 1,6 ct/kWh betragen. Damit wäre die Senkung der Stromsteuer von 2 Cent/kwH fast aufgebraucht.
Die Daten zeigen den rasanten Ausbau Erneuerbarer Energien in Niedersachsen: 2025 gingen bisher bereits 80 Windräder ans Netz. Doppelt so viele wie im Jahr 2023.
Niedersachsen kritisiert Reiche-Pläne für Gaskraftwerke: „Ist teuer und schadet der Energiewende“
Niedersachsen ist Spitzenreiter in Sachen Erneuerbare Energien – die Kommunen des Bundeslandes rechnen darum mit Millionen Mehreinnahmen. Meyer fürchtet jedoch durch die Subventionen für fossile Gaskraftwerke im Süden und Osten der Bundesrepublik, dass bei den Ausbauzielen für Erneuerbare Energien wie etwa der Windenergie sowie beim Ausbau des Wasserstoffkernnetzes drastisch gekürzt wird. „Vor allem, wenn die neuen Gaskraftwerke nicht auf Wasserstoff umrüstbar sein sollen, widerspricht das nicht nur der Ernsthaftigkeit der Klimaziele, sondern bremst auch den Wasserstoffhochlauf und die Versorgung für die Transformation der Industrie.“
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„Gefahr hoher volkswirtschaftlicher Kosten “: Energieexpertin warnt vor fossilen Überkapazitäten
Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), sagte der kreiszeitung.de: „Die Erneuerbaren-Branche hat bereits vor mehr als einem Jahr ihre Pläne für eine erweiterte Kraftwerksstrategie vorgelegt, die vor allem die Potenziale von Erneuerbaren Energien und Speichern als günstige, saubere und systemdienliche Alternative zu fossilen Kraftwerken aufzeigt.“
Peter weiter: „Sollten die Vorhaben von Frau Reiche wie geplant umgesetzt werden, drohen neue Überkapazitäten an fossilen Gaskraftwerken sowie ein fossiler Lock-In – mit der Gefahr hoher volkswirtschaftlicher Kosten“. Angesichts steigender CO₂-Preise fehlten rein fossilen Gaskraftwerken die verlässliche betriebswirtschaftliche Rentabilität.
Umweltminister kritisiert: Niedersachsen wird bestraft –„fossile Milliardensubventionen in den Süden“
„Nach den Plänen der Merz-Regierung sollen jetzt die Regionen Deutschlands mit Gaskraftwerken auf Kosten der Gesellschaft mit einer planwirtschaftlichen ‚Südquote‘ belohnt werden, obwohl die CSU-Regierung in Bayern sowohl den Ausbau der Windenergie als auch den Netzausbau über Jahrzehnte verhindert hat“, kritisiert auch der niedersächsische Umweltminister. Gewinner sei die fossile Gaslobby, als Verlierer gingen dagegen die engagierten Bundesländer aus, die jahrelang die Energiewende, sprich: „den Ausbau von Solaranlagen, Windkraftanlagen und Biogas unterstützt haben“.
Der gefährliche Kurs von Energieministerin Reiche ist ein Rückschlag gegen all die Bundesländer wie Niedersachsen, die seit den 2000er Jahren ihre Energieversorgung von fossil auf erneuerbar erfolgreich umgestellt haben.
„Gefährdete Klimaziele“: Niedersachsen als Vorreiter in Sachen Erneuerbare Energien
Niedersachsen habe bereits 2023 mehr erneuerbaren Strom erzeugt als verbraucht. 2024 waren es 102,4 Prozent. Schon im Jahr 2040 wolle man klimaneutral sein: „Im Norden brauchen wir keine fossilen Reservekapazitäten. Wir haben ein Überangebot von erneuerbarem Strom und viele Batteriespeicher und Biogasanlagen, die flexibel gefahren werden können, wenn die Stromausbeute geringer ist“. Nur weil die Bayern bei der Windenergie und Netzausbau so langsam seien, pumpe man jetzt fossile Milliardensubventionen in den Süden, „die die Klimaziele gefährden.“
Mit der Abkehr von wasserstofffähigen Kraftwerken drohe laut Meyer der Einstieg in eine innovative und grüne Wasserstoffwirtschaft in Deutschland verhindert zu werden: „Die neue Bundesregierung wäre daher gut beraten beim Vorschlag der Vorgängerregierung zu bleiben und die neuen Kraftwerke deutlich kleiner und gleich wasserstoffready zu bauen.“
„Falsches Signal“: BDEW fordert Nachbesserung für der nationalen Wasserstoff-Strategie
Auch Kerstin Andeae, Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), erklärte am Dienstag (24. Juni) zum verabschiedeten Bundeshaushalt 2025, er „springe zu kurz“ und vernachlässige „dringend notwendigen Investitionen in ein zukunftsfähiges und resilientes Energiesystem“. Insbesondere im Hinblick auf die Förderung des Wasserstoffhochlaufs, die auf ein Drittel reduziert werde, sende der Haushaltsentwurf „ein völlig falsches Signal“.