Hochwasser

Dümmer: Nach der „Panik“ sinken die Pegel – noch keine Entwarnung

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Schirme stehen im Wasser, Sandsäcke schützen die Terrasse der „Bar Dü Mar“ in Hüde vor der Überflutung. Martin Stybalkowski hatte am 2. Weihnachtstag noch Panik, mittlerweile herrscht ein bisschen Entspannung.
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Der Dümmer ist randvoll. Bis zum eigentlichen maximalen Wasserstand fehlten zwischenzeitlich nur wenige Zentimeter. An der „Bar dü Mar“ zitterte Betreiber Martin Stybalkowski vor einem weiteren Anstieg des Wassers. Doch nun stehen die Zeichen auf Entspannung. Jedenfalls vorerst.

Hüde/Lembruch – Der Blick raus auf den Dümmer treibt ihm immer noch die Sorgenfalten auf die Stirn. Was kommt da noch?, fragt sich Martin Stybalkowski, einer der Betreiber der direkt am Wasser stehenden „Bar dü Mar“ in Hüde. „Gestern“, sagt er und meint den 2. Weihnachtstag, „hatten wir hier richtig Panik.“ Zu schnell stieg das Wasser, als dass er entspannt unter dem Weihnachtsbaum hätte sitzen können. Eiligst wurden Sandsäcke herangeschafft und eine Wasserbarriere aufgebaut. Doch zum Schlimmsten ist es für Stybalkowski und die anderen Strandbars entlang des Dümmerufers nicht gekommen. Seit Mittwoch entspannt sich die Hochwasserlage sogar etwas.

Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage

Verden von oben fotografiert. Die Aller ist bis in die Altstadt über die Ufer getreten.
In Verden ist die Aller über ihre Ufer getreten. Die Südbrücke in die Altstadt wurde am Freitag wegen des Hochwassers gesperrt. © dpa
Hochwasser und Überschwemmungen der Aller in der Region Heidekreis nach tagelangen starken Regenfällen.
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern. © Ulrich Stamm/IMAGO
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase.
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase. © Dorn
Feuerwehrleute stehen in der Nacht am Deich und reichen Sandsäcke.
Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen. © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann
Hochwasser in Niedersachsen: Eine vom Wasser überspülte und abgesperrte Straße.
Die L330 zwischen Hoya und Hassel ist seit Donnerstagnachmittag wegen des Hochwassers unpassierbar. © Moritz Frankenberg/dpa
Einsatzkräfte bauen eine Sandsacke-Sperre gegen Hochwasser.
Auch am Serengeti-Park in Hodenhagen sind viele Helfer im Einsatz gegen das Hochwasser. © Philipp Schulze/dpa
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal Wörpe Wümme
Ein Gartenhaus steht hinter einem durchweichten Deichabschnitt an der Wörpe in Lilienthal. Durch das Hochwasser des Flusses sowie der nahegelegenen Wümme gab es in der Nacht einen Deichriss. © Focke Strangmann/dpa
Der Serengeti Park Hodenhagen von oben fotografiert. Mehrere Flächen sind überflutet.
Der Serengeti-Park in Hodenhagen steht teilweise unter Wasser. Viele Tiere müssen evakuiert werden. © Philipp Schulze/dpa
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laufen auf einer Straße.
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der aktuen Hochwasser-Lage. © Klaus Müller
Heidschnucken-Rettung der DLRG ist im vollen Gange.
Mehrere Heidschnucken wurden am Mittwoch von der DLRG in der Nähe von Hannover vor dem Hochwasser gerettet. © Karsten Hölscher/dpa/DRLG Wedemark
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover Hochwasser und Überschwemmungen der Leine
Hochwasser und Überschwemmungen bei Hannover © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover  © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Hochwasser und Überschwemmungen der Leine. © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover. © Ulrich Stamm/Imago
Hochwasser in Niedersachsen, Hagen-Grinden
Ein Wohnhaus am Deich auf der Weserinsel Hagen-Grinden. Das Hochwasser ist auch hier angekommen. © Christof Dathe/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Weser
Eine Schild „Parkplatz für Busse“ schaut aus dem Hochwasser. Der Wasserstand der Weser ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Angesichts anhaltender Regenfälle und gesättigter Böden bleibt die Hochwassergefahr in Teilen von Deutschland hoch. © Friso Gentsch/dpa
Hochwasser in Bremen-Borgfeld: Anwohner transportiert Nachbarn per Kanu
Ein Mann in Bremen-Borgfeld half per Kanu. Er brachte Anwohner zu ihren Häusern und transportierte Pumpen für die Feuerwehr. © Nord-West-Media TV
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße.
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße. © Archiv: Feuerwehr
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten.
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten. © Sigi Schritt
Hochwasser in Niedersachsen – Oker
Die hochwasserführende Oker überflutet in Oker teilweise die Promenade. Für die Flussgebiete der Oker und der Innerste warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. © Thomas Schulz/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Sarstedt
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht am Fluss Innerste im Landkreis Hildesheim. Weil machte sich an verschiedenen Orten ein Bild der angespannten Hochwassersituation in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte/dpa
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten.
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten. © Rainer Jysch
Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser am Weserwehr im Landkreis Verden (Aufnahme mit Drohne). Zufahrt und Durchfahrt sind seit Weihnachten gesperrt. Laut der Behörden in Niedersachsen bleibt die Hochwasser-Lage in den nächsten Tagen weiter angespannt. © Christof Dathe/dpa
Stadtspeicher Hochwasser
Mit „Big Packs“ wird die Mauer am Rotenburger Stadtspeicher gestützt. © Michael Krüger
Hochwasser Samtgemeinde Hoya
Hochwasser Samtgemeinde Hoya © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Okertalsperre
Die Hochwasserentlastungsanlage lässt Wasser aus der komplett gefüllten Okertalsperre im Harz. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Ortschaft zu sichern, nachdem das Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda, über die Deiche trat. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Feuerwehr
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen mit Sandsäcken das Wasser in Schach zu halten. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Schloss Marienburg
Das Schloss Marienburg in der Region Hannover steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Ruthe im Landkreis Hildesheim
Hochwasser in Niedersachsen: Der Fluss Innerste mündet an der Ortschaft Ruthe im Landkreis Hildesheim in den Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa

Oder besser gesagt: Sie hat sich nicht weiter verschärft. Was für Stybalkowski schon mal eine gute Nachricht ist. Etwa 15 Meter, so schätzt er es, hat sich das Wasser herangepirscht an die Bar, etwa zwei Meter sind noch geblieben zwischen Haus- und Wasserkante. Glück gehabt!

Pegel des Dümmers sinkt: trotzdem noch keine Entwarnung

„So voll habe ich den Dümmer noch nicht gesehen“, sagt Stybalkowski. Und was er meint, zeigt sich auch anderen Stellen. In den Häfen der Segelclubs fehlen nur wenige Zentimeter, um die Stege zu überfluten. Bänke, die zur Erholung und zum entspannten Blick aufs Wasser gedacht sind, sind trockenen Fußes nicht mehr zu erreichen. Das alles sieht bedenklich aus, doch es gibt Grund zum Optimismus, dass das Hochwasser am Dümmer keinen größeren Schaden anrichten wird. Denn die Pegel sinken seit gestern.

Sperrungen, Warnungen, Mahnungen und noch mehr Sandsäcke

Der Dümmer ist nicht nur Lebensraum für viele Tiere und Freizeitparadies, sondern auch ein gigantisches Regenrückhaltebecken und ein Instrument zum Hochwasserschutz. Dass er in Phasen starker Niederschläge vollläuft, ist gewollt. Jens-Hermann Kleine vom Hunte-Wasserverband erklärt: „Der Dümmer hat aktuell einen sehr hohen Füllstand und wird seiner Funktion jetzt gerecht.“ Allerdings können damit Begleiterscheinungen verbunden sein, die den Spaß am See einschränken. So ist ab heute und bis auf Weiteres das Betreten und Überqueren der den Deich zerschneidenden Wehre verboten. Sie werden gesperrt. Dort fließt aktuell das Wasser mit Wucht aus dem Dümmer heraus, fiele jemand vom Wehr ins Wasser, „ist das lebensgefährlich“, warnt Jens-Hermann Kleine.

Die Freiwillige Feuerwehr weist zudem darauf hin, dass die Straßensperrungen rund um den Dümmer – speziell im Ochsenmoor – unbedingt beachtet werden sollten. Im Laufe des 2. Weihnachtstages mussten laut Mitteilung einige Passanten und Autofahrer von der Polizei aus dem abgesperrten Bereich verwiesen werden. Auch der Dümmerdeich sollte aktuell nicht betreten oder befahren werden. Die Zuwegungen sind für Einsatzfahrzeuge freizuhalten.

Nach wie vor stehen Sandsäcke kostenlos für alle Bürger beim Gemeindebrandmeister Friedhelm Dannhus, Helmesweg 3 in Lembruch, sowie am Hüder Feuerwehrgerätehaus Tag und Nacht zur Abholung bereit.

Der für den Dümmer wichtigste Wert wird am Schäferhof gemessen – also kurz bevor die Hunte in den See fließt. Je höher dort die Marke ist, desto mehr Wasser muss der Dümmer aufnehmen. Dienstagabend sei der Pegel zunächst stabil geblieben, „dann ging er deutlich runter“, erklärt Jens-Hermann Kleine, Verbandsvorsteher des Hunte-Wasserverbandes und Erster Kreisrat des Landkreises Diepholz. Als Entwarnung dürfe das zwar „noch nicht“ verstanden werden, „aber die gute Nachricht ist, dass der Zufluss in den Dümmer seinen Scheitelpunkt überschritten hat und ganz eindeutig an Intensität verliert“. Vorerst jedenfalls. Neue Regenfälle können die Lage jederzeit verändern.

Dümmer ist randvoll: Wasser musste abgelassen werden

Am besten lässt sich die Situation wohl in Zahlen ausdrücken. Der Dümmer selbst ist mit seinen 18 Kilometer langem Deichen – offiziell Verwallung genannt – für einen Pegelstand von 38 Metern über Normalnull (NN) ausgelegt. Am Mittwoch waren in Eickhöpen 37,71 Meter erreicht und am Olgahafen 37,74 Meter. Randvoll kann man dazu sagen. Der Hunte-Pegel am Schäferhof hatte indes seinen Höchststand am Abend des 2. Weihnachtstages mit 38,36 Metern erreicht, 18 Stunden später waren es schon 17 Zentimeter weniger.

Der Hunte-Wasserverband, der für das Wassermanagement in der Hunte von Hunteburg bis Wildeshausen sowie im Dümmer zuständig ist, hat auf den enormen Zulauf der vergangenen Tage reagiert und Wasser aus Norddeutschlands zweitgrößtem Binnensee abgelassen. Ins dafür vorgesehene Ochsenmoor, wo schon vorher Land unter herrschte, sowie über andere Wehre. Die bei Diepholz in die Hunte mündenden Nebenflüsse Lohne und Grawiede tragen das Wasser aus dem Dümmer heraus, der Randkanal am Olga-Hafen in Dümmerlohausen dient als weiterer Puffer. Alle Wehre seien vollständig geöffnet, so Jens-Hermann Kleine. Einzig der direkte Ablauf in die Alte Hunte wird gedrosselt. Aus gutem Grund.

Ein paar Kilometer weiter hätte die mit weiterem Wasser aus dem Dümmer gespeiste Hunte in Barnstorf die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft. Zumal nahe Barnstorf auch die Wagenfelder Aue in die Hunte mündet und noch mehr Wasser bringt. Irgendwann kommt das Dümmer-Wasser auch in Wildeshauen und Oldenburg an, wo bereits Meldestufe 3 herrscht. Also wurde der hohe Pegelstand im Dümmer riskiert. Jens-Hermann Kleine erklärt: „Es ist vertretbar gewesen, nicht alles zu öffnen.“

Nun sei in Barnstorf aber ein wenig Entspannung eingetreten (siehe Bericht an anderer Stelle), und es werde „darüber nachgedacht, wieder mehr Wasser über die Hunte abzulassen“, so Kleine.

Martin Stybalkowski würde es freuen. Weniger Wasser bedeutet für ihn weniger Sorgenfalten.

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