Schirme stehen im Wasser, Sandsäcke schützen die Terrasse der „Bar Dü Mar“ in Hüde vor der Überflutung. Martin Stybalkowski hatte am 2. Weihnachtstag noch Panik, mittlerweile herrscht ein bisschen Entspannung.
Der Dümmer ist randvoll. Bis zum eigentlichen maximalen Wasserstand fehlten zwischenzeitlich nur wenige Zentimeter. An der „Bar dü Mar“ zitterte Betreiber Martin Stybalkowski vor einem weiteren Anstieg des Wassers. Doch nun stehen die Zeichen auf Entspannung. Jedenfalls vorerst.
Hüde/Lembruch – Der Blick raus auf den Dümmer treibt ihm immer noch die Sorgenfalten auf die Stirn. Was kommt da noch?, fragt sich Martin Stybalkowski, einer der Betreiber der direkt am Wasser stehenden „Bar dü Mar“ in Hüde. „Gestern“, sagt er und meint den 2. Weihnachtstag, „hatten wir hier richtig Panik.“ Zu schnell stieg das Wasser, als dass er entspannt unter dem Weihnachtsbaum hätte sitzen können. Eiligst wurden Sandsäcke herangeschafft und eine Wasserbarriere aufgebaut. Doch zum Schlimmsten ist es für Stybalkowski und die anderen Strandbars entlang des Dümmerufers nicht gekommen. Seit Mittwoch entspannt sich die Hochwasserlage sogar etwas.
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Oder besser gesagt: Sie hat sich nicht weiter verschärft. Was für Stybalkowski schon mal eine gute Nachricht ist. Etwa 15 Meter, so schätzt er es, hat sich das Wasser herangepirscht an die Bar, etwa zwei Meter sind noch geblieben zwischen Haus- und Wasserkante. Glück gehabt!
Pegel des Dümmers sinkt: trotzdem noch keine Entwarnung
„So voll habe ich den Dümmer noch nicht gesehen“, sagt Stybalkowski. Und was er meint, zeigt sich auch anderen Stellen. In den Häfen der Segelclubs fehlen nur wenige Zentimeter, um die Stege zu überfluten. Bänke, die zur Erholung und zum entspannten Blick aufs Wasser gedacht sind, sind trockenen Fußes nicht mehr zu erreichen. Das alles sieht bedenklich aus, doch es gibt Grund zum Optimismus, dass das Hochwasser am Dümmer keinen größeren Schaden anrichten wird. Denn die Pegel sinken seit gestern.
Sperrungen, Warnungen, Mahnungen und noch mehr Sandsäcke
Der Dümmer ist nicht nur Lebensraum für viele Tiere und Freizeitparadies, sondern auch ein gigantisches Regenrückhaltebecken und ein Instrument zum Hochwasserschutz. Dass er in Phasen starker Niederschläge vollläuft, ist gewollt. Jens-Hermann Kleine vom Hunte-Wasserverband erklärt: „Der Dümmer hat aktuell einen sehr hohen Füllstand und wird seiner Funktion jetzt gerecht.“ Allerdings können damit Begleiterscheinungen verbunden sein, die den Spaß am See einschränken. So ist ab heute und bis auf Weiteres das Betreten und Überqueren der den Deich zerschneidenden Wehre verboten. Sie werden gesperrt. Dort fließt aktuell das Wasser mit Wucht aus dem Dümmer heraus, fiele jemand vom Wehr ins Wasser, „ist das lebensgefährlich“, warnt Jens-Hermann Kleine.
Die Freiwillige Feuerwehr weist zudem darauf hin, dass die Straßensperrungen rund um den Dümmer – speziell im Ochsenmoor – unbedingt beachtet werden sollten. Im Laufe des 2. Weihnachtstages mussten laut Mitteilung einige Passanten und Autofahrer von der Polizei aus dem abgesperrten Bereich verwiesen werden. Auch der Dümmerdeich sollte aktuell nicht betreten oder befahren werden. Die Zuwegungen sind für Einsatzfahrzeuge freizuhalten.
Nach wie vor stehen Sandsäcke kostenlos für alle Bürger beim Gemeindebrandmeister Friedhelm Dannhus, Helmesweg 3 in Lembruch, sowie am Hüder Feuerwehrgerätehaus Tag und Nacht zur Abholung bereit.
Der für den Dümmer wichtigste Wert wird am Schäferhof gemessen – also kurz bevor die Hunte in den See fließt. Je höher dort die Marke ist, desto mehr Wasser muss der Dümmer aufnehmen. Dienstagabend sei der Pegel zunächst stabil geblieben, „dann ging er deutlich runter“, erklärt Jens-Hermann Kleine, Verbandsvorsteher des Hunte-Wasserverbandes und Erster Kreisrat des Landkreises Diepholz. Als Entwarnung dürfe das zwar „noch nicht“ verstanden werden, „aber die gute Nachricht ist, dass der Zufluss in den Dümmer seinen Scheitelpunkt überschritten hat und ganz eindeutig an Intensität verliert“. Vorerst jedenfalls. Neue Regenfälle können die Lage jederzeit verändern.
Dümmer ist randvoll: Wasser musste abgelassen werden
Am besten lässt sich die Situation wohl in Zahlen ausdrücken. Der Dümmer selbst ist mit seinen 18 Kilometer langem Deichen – offiziell Verwallung genannt – für einen Pegelstand von 38 Metern über Normalnull (NN) ausgelegt. Am Mittwoch waren in Eickhöpen 37,71 Meter erreicht und am Olgahafen 37,74 Meter. Randvoll kann man dazu sagen. Der Hunte-Pegel am Schäferhof hatte indes seinen Höchststand am Abend des 2. Weihnachtstages mit 38,36 Metern erreicht, 18 Stunden später waren es schon 17 Zentimeter weniger.
Der Hunte-Wasserverband, der für das Wassermanagement in der Hunte von Hunteburg bis Wildeshausen sowie im Dümmer zuständig ist, hat auf den enormen Zulauf der vergangenen Tage reagiert und Wasser aus Norddeutschlands zweitgrößtem Binnensee abgelassen. Ins dafür vorgesehene Ochsenmoor, wo schon vorher Land unter herrschte, sowie über andere Wehre. Die bei Diepholz in die Hunte mündenden Nebenflüsse Lohne und Grawiede tragen das Wasser aus dem Dümmer heraus, der Randkanal am Olga-Hafen in Dümmerlohausen dient als weiterer Puffer. Alle Wehre seien vollständig geöffnet, so Jens-Hermann Kleine. Einzig der direkte Ablauf in die Alte Hunte wird gedrosselt. Aus gutem Grund.
Ein paar Kilometer weiter hätte die mit weiterem Wasser aus dem Dümmer gespeiste Hunte in Barnstorf die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft. Zumal nahe Barnstorf auch die Wagenfelder Aue in die Hunte mündet und noch mehr Wasser bringt. Irgendwann kommt das Dümmer-Wasser auch in Wildeshauen und Oldenburg an, wo bereits Meldestufe 3 herrscht. Also wurde der hohe Pegelstand im Dümmer riskiert. Jens-Hermann Kleine erklärt: „Es ist vertretbar gewesen, nicht alles zu öffnen.“
Nun sei in Barnstorf aber ein wenig Entspannung eingetreten (siehe Bericht an anderer Stelle), und es werde „darüber nachgedacht, wieder mehr Wasser über die Hunte abzulassen“, so Kleine.
Martin Stybalkowski würde es freuen. Weniger Wasser bedeutet für ihn weniger Sorgenfalten.