Hochwassergipfel in Hannover

„Masterplan Wasser“: So bereitet sich Niedersachsen auf kommende Hochwasser vor

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Niedersachsen rüstet sich für Extremwetterereignisse. Beim Hochwassergipfel wurden Lehren aus den dramatischen Überflutungen des vergangenen Winters gezogen.

Hannover – Angesichts der wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel mit sich häufenden Extremwetterereignissen rüstet sich Niedersachsen mit einem umfassenden „Masterplan Wasser“ für die Zukunft. Auf einem Hochwassergipfel, zu dem Umweltminister Christian Meyer (Grüne) am Donnerstag (14. November) geladen hatte, diskutierten Vertreter aus Kommunen, Verbänden und Behörden die Lehren aus dem verheerenden Winter-Hochwasser zum Jahreswechsel 2023/2024.

Die Gemeinde Lilienthal nahe Bremen durch das Hochwasser zum Jahreswechsel stark von Überflutungen betroffen. Zum Hochwassergipfel wird der Bürgermeister der Gemeinde erwartet.

Weihnachts-Hochwasser: Niedersachsen bereitet sich auf Extremwetter vor

„Die Klimakrise findet statt, jeden Tag vor unserer Haustür, Extremwettereignisse nehmen zu. Wir müssen uns auf vermehrte Hochwasser einstellen, ob wir es wollen oder nicht“, erklärte Meyer. „Die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre zeigen uns auf, wie dringlich es ist, jetzt zu handeln. Der Klimaschutz bleibt der beste Schutz“.

Die durchschnittliche Temperatur im Bundesland ist zum Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 bereits um 1,8 Grad Celsius gestiegen. Extremwetterlagen wie Dürreperioden im Sommer und Starkregen mit Hochwassern im Winter werden in Niedersachsen künftig häufiger auftreten. Niedersachsen investiere daher massiv in die Energie- und Wärmewende. „Doch wir brauchen beides: den Klimaschutz und die Klimaanpassung mit dem Hochwasserschutz.“

Fast ein Jahr nach dem verheerenden Weihnachts-Hochwasser beriet sich der Umweltminister mit drei Dutzend Vertreterinnen und Vertretern von Deichverbänden, Umweltverbänden, Kommunen und Behörden, um gemeinsam Bilanz zum Hochwasserschutz in Niedersachsen und Bremen zu ziehen und weitere Schritte zu diskutieren.

Hochwassergipfel in Hannover: Lernen aus der Winter-Katastrophenlage in vergangenen Jahr

Mit dabei waren auch Vertreter der im vergangenen Winter besonders von Überflutungen betroffenen Gemeinden wie Kim Fürwentsches, Bürgermeister von Lilienthal bei Bremen, der die Auswirkungen der über die Ufer getretenen Flüsse Wörpe und Wümme hautnah erlebt hat.

„Neben aller aktuellen Fokussierung auf das Thema dürfen wir nicht wie in der Vergangenheit in eine gewisse Hochwasser-Demenz verfallen“, erklärte Fürwentsches. Mancherorts müsse man schlichtweg schneller werden in der Umsetzung der Maßnahmen, an anderen Orten müsse das „System Wasser“ besser verstanden werden, man müsse als „Gemeinschaft in Hochwasserpartnerschaften Verantwortung zum Schutz gegen Hochwasser“ übernehmen.

Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage

Verden von oben fotografiert. Die Aller ist bis in die Altstadt über die Ufer getreten.
In Verden ist die Aller über ihre Ufer getreten. Die Südbrücke in die Altstadt wurde am Freitag wegen des Hochwassers gesperrt. © dpa
Hochwasser und Überschwemmungen der Aller in der Region Heidekreis nach tagelangen starken Regenfällen.
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern. © Ulrich Stamm/IMAGO
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase.
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase. © Dorn
Feuerwehrleute stehen in der Nacht am Deich und reichen Sandsäcke.
Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen. © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann
Hochwasser in Niedersachsen: Eine vom Wasser überspülte und abgesperrte Straße.
Die L330 zwischen Hoya und Hassel ist seit Donnerstagnachmittag wegen des Hochwassers unpassierbar. © Moritz Frankenberg/dpa
Einsatzkräfte bauen eine Sandsacke-Sperre gegen Hochwasser.
Auch am Serengeti-Park in Hodenhagen sind viele Helfer im Einsatz gegen das Hochwasser. © Philipp Schulze/dpa
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal Wörpe Wümme
Ein Gartenhaus steht hinter einem durchweichten Deichabschnitt an der Wörpe in Lilienthal. Durch das Hochwasser des Flusses sowie der nahegelegenen Wümme gab es in der Nacht einen Deichriss. © Focke Strangmann/dpa
Der Serengeti Park Hodenhagen von oben fotografiert. Mehrere Flächen sind überflutet.
Der Serengeti-Park in Hodenhagen steht teilweise unter Wasser. Viele Tiere müssen evakuiert werden. © Philipp Schulze/dpa
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laufen auf einer Straße.
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der aktuen Hochwasser-Lage. © Klaus Müller
Heidschnucken-Rettung der DLRG ist im vollen Gange.
Mehrere Heidschnucken wurden am Mittwoch von der DLRG in der Nähe von Hannover vor dem Hochwasser gerettet. © Karsten Hölscher/dpa/DRLG Wedemark
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover Hochwasser und Überschwemmungen der Leine
Hochwasser und Überschwemmungen bei Hannover © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover  © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Hochwasser und Überschwemmungen der Leine. © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover. © Ulrich Stamm/Imago
Hochwasser in Niedersachsen, Hagen-Grinden
Ein Wohnhaus am Deich auf der Weserinsel Hagen-Grinden. Das Hochwasser ist auch hier angekommen. © Christof Dathe/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Weser
Eine Schild „Parkplatz für Busse“ schaut aus dem Hochwasser. Der Wasserstand der Weser ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Angesichts anhaltender Regenfälle und gesättigter Böden bleibt die Hochwassergefahr in Teilen von Deutschland hoch. © Friso Gentsch/dpa
Hochwasser in Bremen-Borgfeld: Anwohner transportiert Nachbarn per Kanu
Ein Mann in Bremen-Borgfeld half per Kanu. Er brachte Anwohner zu ihren Häusern und transportierte Pumpen für die Feuerwehr. © Nord-West-Media TV
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße.
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße. © Archiv: Feuerwehr
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten.
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten. © Sigi Schritt
Hochwasser in Niedersachsen – Oker
Die hochwasserführende Oker überflutet in Oker teilweise die Promenade. Für die Flussgebiete der Oker und der Innerste warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. © Thomas Schulz/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Sarstedt
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht am Fluss Innerste im Landkreis Hildesheim. Weil machte sich an verschiedenen Orten ein Bild der angespannten Hochwassersituation in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte/dpa
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten.
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten. © Rainer Jysch
Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser am Weserwehr im Landkreis Verden (Aufnahme mit Drohne). Zufahrt und Durchfahrt sind seit Weihnachten gesperrt. Laut der Behörden in Niedersachsen bleibt die Hochwasser-Lage in den nächsten Tagen weiter angespannt. © Christof Dathe/dpa
Stadtspeicher Hochwasser
Mit „Big Packs“ wird die Mauer am Rotenburger Stadtspeicher gestützt. © Michael Krüger
Hochwasser Samtgemeinde Hoya
Hochwasser Samtgemeinde Hoya © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Okertalsperre
Die Hochwasserentlastungsanlage lässt Wasser aus der komplett gefüllten Okertalsperre im Harz. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Ortschaft zu sichern, nachdem das Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda, über die Deiche trat. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Feuerwehr
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen mit Sandsäcken das Wasser in Schach zu halten. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Schloss Marienburg
Das Schloss Marienburg in der Region Hannover steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Ruthe im Landkreis Hildesheim
Hochwasser in Niedersachsen: Der Fluss Innerste mündet an der Ortschaft Ruthe im Landkreis Hildesheim in den Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa

Niedersachsens Umweltministerium berät über Lehren aus Weihnachts-Hochwasser

Das vergangene Jahr habe gezeigt, wie wichtig der technische Hochwasserschutz sei. Der natürliche Hochwasserschutz könne diesen sehr gut ergänzen, indem der Wasserrückhalt in der Fläche verbessert werde. Meyer: „Zukünftig gilt das Motto: statt Entwässerung mehr Rückhalt in der Fläche. Dadurch werden nicht nur Hochwasserspitzen abgesenkt, sondern es wird gleichzeitig durch mehr Versickerung auch mehr Grundwasser neu gebildet“.

Das käme auch der Biodiversität in Fließgewässern und Auen zugute. „Dazu wird das Land verstärkt Bundesmittel für natürlichen Klimaschutz nutzen und stellt jährlich 10,6 Mio. Euro dauerhaft zusätzlich über das Sondervermögen Hochwasserschutz bereit.“

Rekordsumme für den Hochwasserschutz: Eine Viertelmilliarde Euro und mehr Personal für Niedersachsen

Insgesamt werde Niedersachsen in den kommenden Jahren eine Rekordsumme investieren: Der vorliegende Haushaltsplanentwurf 2025 der Landesregierung sehe bis 2048 eine Viertelmilliarde Euro (254 Mio. Euro) zusätzlich für den investiven Hochwasserschutz vor. Darüber hinaus werde der Hochwasserschutz personell gestärkt: Rund 200 Stellen von Beschäftigten des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden entfristet, weitere 30 Stellen sollen im nächsten Jahr geschaffen werden.

Zudem sei die Hochwasser-Vorhersagezentrale erweitert worden. Bislang deckte die Prognose nur Flüsse wie die Aller, Leine, Oker, Hase, Hunte, Vechte, Ilmenau, Große Aue und Wümme ab. Jetzt wurden auch Vorhersagen für die Ober- und Mittelweser integriert, die Ems soll ab 2025 aufgenommen werden. Alle Prognosen sind in Warn-Apps wie NINA und KatWarn eingebunden.

„Gebot der Stunde“: Niedersachsen stärkt Hochwasserschutz zur Anpassung an Extremwetter

„Hochwasserschutz und Klimaanpassung sind das Gebot der Stunde, gerade für uns in Niedersachsen“, erklärte der Umweltminister. „Für mich hat die Stärkung des vorsorgenden Hochwasserschutzes Priorität. Wir schützen damit Menschenleben und Millionenwerte vor möglichen Katastrophen“, schloss Meyer.

Die Erkenntnisse aus dem Hochwassergipfel sollen nun in den „Masterplan Wasser“ des Umweltministeriums einfließen. Dieser umfasst auch Hochwasserschutzprojekte wie neue Rückhaltebecken und modernisierte Entwässerungsanlagen. Derzeit sind etwa 100 Baumaßnahmen im Gange, darunter die Instandsetzung von Schöpfwerken und die Umstrukturierung von Entwässerungssystemen. „In Georgsmarienhütte bei Osnabrück und Ostrhauderfehn in Ostfriesland haben wir bereits erste wichtige Projekte abgeschlossen, die Kommunen besser gegen Überschwemmungen schützen sollen,“ so der Minister.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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