Teurer Spaß

„Wir haben uns keinen gegönnt“ – Nordsee-Touristen „echt geschockt“ über Aperol-Preise bei Gosch

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Aperol Spritz ist eines der beliebtesten Mix-Getränke. Aber auch dieses bleibt von dem Preis-Boom nicht verschont. Nordsee-Touristen geht das gehörig gegen den Strich.

Niedersachsen – Sonne im Gesicht, Wind im Haar und ein Aperol Spritz in der Hand – so stellte sich vermutlich eine Touristin ihren Nordsee-Urlaub in Cuxhaven vor. Dann sorgten aber die hohen Preise des Mix-Getränks für Empörung. „Leute, ich bin ja echt geschockt“, schreibt sie in einer Cuxhavener Facebook-Gruppe. Bei dem Gastronomie-Unternehmen „Gosch Sylt“, das vor allem Fischbrötchen bekannt ist, gab es Aperol im Angebot.

Regulär 9,30 Euro – Nordsee-Touristen „echt geschockt“ über Aperol-Preise bei Gosch

„Schnäppchenpreis für Aperol bei Gosch: 8,80 Euro“, schreibt die Nordsee-Touristin. Regulär koste das Getränk 9,30 Euro. Sie rechne Euro-Preise immer noch in Deutsche Mark (DM) um. Dabei würde der Normalpreis des Getränks umgerechnet 19,36 DM kosten. „Wir haben uns keinen gegönnt“, meint sie. Mit ihrem Frust über hohe Preise in Cuxhaven ist sie nicht alleine.

Hier zahlen Touristen seit diesem Jahr unter anderem mehr

Fährtickets: Die Preise für Überfahrten von und zu den Ostfriesischen Inseln wurden von einigen Reedereien zu Jahresbeginn angehoben. Die Reederei Norden-Frisia etwa, die den Fährverkehr nach Norderney und Juist betreibt, teilte mit, die Fahrpreise um etwa 5 Prozent zu erhöhen. Die Reederei AG Ems erhöhte die Ticketpreise für Fähren von und zur Insel Borkum für Gäste und Fahrzeuge zum Jahresbeginn um rund 11 Prozent. Auch die Gemeinde Langeoog, die den Fährverkehr zur Insel betreibt, hob die Tarife an, um etwa 10 Prozent.

Unterkünfte: Bei den Preisen für Ferienwohnungen, Hotelzimmern und Pensionen ist die Lage unterschiedlich: Teils hatten einige Beherbergungsbetriebe an der Küste ihre Preise vor dem Jahreswechsel angepasst, da die Jahreskataloge bereits gedruckt wurden, sagte eine Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Andere haben das erst noch vor. Betroffen waren unter anderem die Insel Juist und Borkum.

Gästebeiträge: Gästebeiträge, auch Kurtaxe genannt, stiegen zum Jahreswechsel vereinzelt an. In Norden-Norddeich wurden die Beiträge erstmals seit zehn Jahren angepasst, wie die Kurverwaltung mitteilte. Auf Wangerooge müssen Inselgäste ab Mitte März mehr zahlen. Auf Langeoog werden in der Hauptsaison zwischen Mitte März bis Anfang November für Gäste ab 16 Jahren 4,20 Euro Gästebeitrag fällig – zuvor lag dieser bei 3,95 Euro.

„Ich denke, man muss seine Grenzen kennen und dann ist eben mal Schluss mit lustig“, schreibt eine andere Dame unter dem Frust-Post der Touristin. Eine weitere schildert, sie habe sich die Speisekarte angesehen und gedacht: „Danke, ohne mich!“ Schon im Sommer standen die hohen Preise für Currywurst und Pommes im Fokus des Urlauber-Ärgers. Das Problem besteht allerdings nicht nur in Cuxhaven. Es erstreckt sich über Tourismusgebiete der gesamten Nordseeküste. Wegen aus seiner Sicht horrender Preise kehrte ein Urlauber kürzlich der Insel Borkum den Rücken zu.

Gastronomie-Betrieb:Gosch Sylt Cuxhaven
Öffnungszeiten:täglich von 11 Uhr bis Feierabend geöffnet
Adresse & Kontakt: Duhner Strandstraße 2 27476 Cuxhaven; Tel.: 04721 - 699 63 36 cuxhaven@gosch.de

Dabei war ein Preisanstieg in diesem Jahr bei Fährtickets, Unterkünften oder Gastbeiträgen bereits angekündigt. Schon im November 2022 zeigte eine Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK), dass insgesamt 96,6 Prozent der Betriebe der Hotellerie, Gastronomie sowie Campingwirtschaft ihre Preise anheben müssen. Grund hierfür seien gestiegene Kosten bei Personal, Energie und Lebensmitteln. Unsere Redaktion berichtete.

Ärger der Nordsee-Touristen unbegründet? Aperol-Preise bei Gosch zentral gesteuert

„Wir haben jetzt ein Sommer-Angebot, das ist vollkommen richtig“, bestätigt ein Betriebsleiter des Unternehmens Gosch Sylt gegenüber kreiszeitung.de. Auch die von der Nordsee-Urlauberin wiedergegebenen Preise seien alle richtig. Doch haben die einzelnen Standorte keinerlei Einfluss auf die Preise. „Das ist so vorgegeben“, so der Betriebsleiter. Es handele sich bei Gosh Sylt um ein Franchiseunternehmen.

Das heißt: In allen 18 Filialen sind dieselben Preise zu finden. Das Preis-Segment resultiere aus der gehobenen Imbiss-Küche, die die Gastronomie-Betriebe an der Nordsee anbieten. Diese richte sich auch an eine gewisse Klientel. Auch die Karten selbst werden zentral gesteuert. „Wir bekommen jedes halbe Jahr eine neue Karte.“ Auch hier haben die einzelnen Filialen keinen Einfluss.

Die Preise für ein Aperol Spritz sorgten an der Nordsee kürzlich für Ärger bei den Touristen. (Symbolbild)

Dass im Zusammenhang mit der Inflation auch Aperol-Spritz-Preise steigen, ist kein Geheimnis: Der Hersteller, Campari Deutschland, sagte bereits vor zwei Jahren einen deutlichen Preisanstieg voraus. Diverse Medien berichteten den lokalen Preisanzug des Mix-Getränks. Eine umfangreiche Bild.de-Recherche von Mai dieses Jahres zeigt, dass der Cuxhavener Preis im Preis-Verhältnis zu anderen Orten im oberen Mittelfeld liegt. Faktisch zahlen Gäste zwischen 6 und 10 Euro für einen Aperol-Spritz.

Nicht jeder kann in den Urlaub fahren: Steigende Preise streichen Urlaub für Touristen

Natürlich schmälert das nicht die Emotionen, die Urlauber empfinden, wenn sie diese Preise auf der Speisekarte ihres Lieblingsrestaurants entdecken. Schließlich sind vor allem Menschen mit wenig Budget von den steigenden Preisen schwer betroffen. Nur jeder fünfte Deutsche kann es sich nicht leisten, in den Urlaub zu fahren. Das belegen Daten des Statistikamtes der Europäischen Union (Eurostat).

Rubriklistenbild: © dpa/Sebastian Gollnow

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