Teurer Urlaub

„Nächstes Jahr wird's wohl ein anderes Ziel werden“: Nordsee-Tourist kehrt Insel den Rücken zu

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Bei einem Nordsee-Touristen kamen die hohen Preise für Getränke, Speisen und Unterkünfte nicht besonders gut an. Deshalb kehrt er der Insel nun den Rücken zu.

Borkum – So hatte sich ein Tourist aus Nordrhein-Westfalen seinen Urlaub an der Nordseeküste nicht vorgestellt: „Preise für Getränke und Speisen sowie Unterkünfte sind ganz schön nach oben geschossen.“ Verärgert teilt ein Mann die Erfahrung seines Borkum-Urlaubs in einem Beitrag auf Facebook. Seit zwei Jahren war er das erste Mal wieder für 14 Tage auf der Insel. Seiner Meinung nach haben sich die Preise vor Ort jener der Insel Norderney angeglichen. Wiederkommen möchte er somit nicht. „Nächstes Jahr wirds wohl ein anderes Ziel werden.“ Zum Beispiel eine Pauschalreise mit all-inclusive.

Nordsee-Tourist kehrt Insel den Rücken zu – Hohe Preise schockieren nicht nur ihn

Der Mann ist nicht der einzige, der seinen Frust über gestiegene Preise in Urlaubsorten in sozialen Medien kund tut. Auch in Cuxhaven gerieten unter anderem hohe Preise für Currywurst und Eis in die Kritik hiesiger Urlauber. In Dorum-Neufeld an der Nordsee waren Touristen regelrecht schockiert über Eintrittspreise zum Strandbad. Dabei galt die Region Nordsee lange Zeit als Urlaubsziel für Deutsche mit kleinem Geldbeutel. Das Blatt hat sich gewendet. Ein Grund sind neben Inflation auch Nachwehen der Corona-Pandemie.

Kürzlich verbrachte er zwei Wochen auf der Insel Borkum. Verärgert teilt er seinen Frust über hohe Preise auf Facebook. (Symbolbild)

Eine Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) kündigte einen Anstieg der Preise bereits im Herbst 2022 an. Unter 89 Betrieben der Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft in der Nordsee-Region gaben viele an, wegen gestiegener Kosten bei Personal, Energie und Lebensmittel sorgenvoll in die Zukunft zu blicken. 96,6 Prozent der Befragten kündigten bereits im November 2022 an, Preise erhöhen zu wollen.

Preise angehoben: Hier müssen Urlauber seit Jahresbeginn mehr zahlen

Fährtickets: Die Preise für Überfahrten von und zu den Ostfriesischen Inseln wurden von einigen Reedereien zu Jahresbeginn angehoben. Die Reederei Norden-Frisia etwa, die den Fährverkehr nach Norderney und Juist betreibt, teilte mit, die Fahrpreise um etwa 5 Prozent zu erhöhen. Die Reederei AG Ems erhöhte die Ticketpreise für Fähren von und zur Insel Borkum für Gäste und Fahrzeuge zum Jahresbeginn um rund 11 Prozent. Auch die Gemeinde Langeoog, die den Fährverkehr zur Insel betreibt, hob die Tarife an, um etwa 10 Prozent.

Unterkünfte: Bei den Preisen für Ferienwohnungen, Hotelzimmern und Pensionen ist die Lage unterschiedlich: Teils hatten einige Beherbergungsbetriebe an der Küste ihre Preise vor dem Jahreswechsel angepasst, da die Jahreskataloge bereits gedruckt wurden, sagte eine Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Andere haben das erst noch vor. Betroffen waren unter anderem die Insel Juist und Borkum.

Gästebeiträge: Gästebeiträge, auch Kurtaxe genannt, stiegen zum Jahreswechsel vereinzelt an. In Norden-Norddeich wurden die Beiträge erstmals seit zehn Jahren angepasst, wie die Kurverwaltung mitteilte. Auf Wangerooge müssen Inselgäste ab Mitte März mehr zahlen. Auf Langeoog werden in der Hauptsaison zwischen Mitte März bis Anfang November für Gäste ab 16 Jahren 4,20 Euro Gästebeitrag fällig – zuvor lag dieser bei 3,95 Euro.

Zudem bestätigte jedes zweite Unternehmen, dass Aufträge durch Kunden aufgrund der Pandemie storniert würden. 43,6 Prozent berichteten von einer verminderten Nachfrage. Pandemiebedingt seien zudem mehr als 40 Prozent der Mitarbeiter abgewandert. Verwunderlich erscheint es angesichts dieser Faktenlage also nicht, dass der Preis-Boomerang nun mit voller Wucht zurückfliegt – und vor allem die Urlauber an der Nordsee, aber auch in anderen Teilen des Landes mit geringem Budget erwischt.

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Juist Strand Niedersachsen Ostfriesische Inseln
Weißer, feiner Sand und Dünengras zeichnen den Strand der Ostfriesischen Insel Juist aus. Auch dieser Strand ist mit Regionalbahnen und somit durch das Deutschlandticket einfach erreichbar. Ähnlich wie bei der Insel Norderney ist die Endhaltestelle der Züge der Bahnhof Norddeich (Mole). Regionalzüge aus Bremen über Oldenburg steuern diesen Bahnhof an. © IMAGO / Wirestock
Norderney Strand Sonnenuntergang
Die Ostfriesische Insel Norderney ist wohl ein Strand-Klassiker. Ausgezeichnet durch feinen Sand, erstreckt sich der Strand ganze 15 Kilometer. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Deutschlandticket ist die Insel gut zu erreichen. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation. Der RE 1 klappert auf dem Weg dorthin direkt mehrere Orte ab, in denen Urlauber zusteigen können – unter anderem Emden, Oldenburg, Delmenhorst oder Bremen Hauptbahnhof.  © Imago/JanisMEYER/Priller&MAUG
Strand in Cuxhaven Duhnen Döse
Mit dem Wattwagen nach Neuwerk, zum Wattwandern oder in der Nordsee baden – wer aus Bremen oder Hamburg kommt und einen Kurzurlaub an der Küste plant, bekommt in Cuxhaven sogar mehr als nur Sandstrand geboten. Von Hamburg aus fährt der RE5 direkt bis nach Cuxhaven. Wer aus Bremen mit dem Deutschlandticket anreist, wählt die NWB RS2 und steigt in Bremerhaven in den Zug EVB RB33. © IMAGO/Torsten Krüger
Sandstrand Neuharlingersiel
Es mutet an, wie der Strand einer Ostfriesischen Insel, ist aber Neuharlingersiel. Bei 10 Hektar Fläche ist genug Platz am Strand, um zu entspannen und dem Meer zu lauschen. Wer von Oldenburg aus mit dem Deutschlandticket anreist, steigt in den RE1 Richtung Norden und hat dann nur noch eine kurze Busreise vor sich. Alle, die am Bremer Hauptbahnhof ankommen, steigen in den Bus F20. Dieser fährt bis zum Anleger, Neuharlingersiel. Von dort aus ist es zu Fuß nicht mehr weit. Die Buslinie K1 fährt aber auch in zwei Minuten direkt zum Strand. © IMAGO / Panthermedia
Strand Küste Ostfriesland Schillig
Ebenfalls ein echter Geheimtipp ist der zweieinhalb Kilometer lange Sandstrand von Schillig. Nördlich von Wilhelmshaven gelegen, ist er gut vom Oldenburger Hauptbahnhof aus mit dem Deutschlandticket zu erreichen. Die NWB RE18 bringt Urlauber nach Wilhelmshaven Hauptbahnhof. Von dort aus fährt die Buslinie 121 direkt in den kleinen Ort an der Nordsee. © IMAGO / imagebroker
Strandabschnitt zwischen Wenningstedt und Kampen auf Sylt
Ob Westerland, List oder Kampen, Sylt lockt jährlich bis zu 4,8 Millionen Übernachtungsgäste auf die Insel. Doch keine Sorge, Platz ist genug: Ungefähr 40 Kilometer lang misst der weiße Sandstrand. Der RE6 fährt direkt von Hamburg Altona durch, ohne Umstieg. Aber auch von kleiner Orten aus Schleswig-Holstein wie Bredstedt und Niebüll fahren Regionalzüge, in denen das Deutschlandticket gültig ist, zur Insel. © IMAGO/Chris Emil Janssen
Strand Pellworm
Es muss nicht immer Sandstrand sein, um ein maritimes Urlaubsgefühl zu bekommen, oder? Die Insel Pellworm ist zwar beliebt, aber längst nicht so populär wie ihre „großen Schwestern“ Sylt und Föhr. Dabei ist Pellworm genauso leicht mit dem Deutschlandticket zu erreichen: Wie bei der Anreise nach Föhr, müssen Urlauber von Hamburg aus lediglich einmal in Niebüll umsteigen.  © IMAGO / Panthermedia
Steg bei Sonnenuntergang auf der Insel Föhr
Wyk auf der Nordfriesischen Insel Föhr verfügt nicht nur über einen malerischen Sandstrand, sondern auch über eine gute Zuganbindung. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation Dagebüll Mole. Zwar steuern diesen vorwiegend Intercity Züge als Direktverbindung an, mit dem RE 60 und einem Umstieg in Niebüll können Hamburger aber ebenfalls per Deutschlandticket den Fähranleger erreichen. © IMAGO / imagebroker
Strandkorb in Sankt Peter Ording
Lange Stege, die vom Ortskern über die Dünen zum Strand führen sowie die Pfahlbauten, sind das Markenzeichen von St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein. Wer hier in der Sonne auf dem Handtuch liegen oder im Strandkorb sitzen möchte, kommt entspannt von Kiel, Hamburg oder Westerland (Sylt), mit einem Umstieg in Husum in die RB 64, per Deutschlandticket zum Urlaubsglück. © CHROMORANGE / Karl-Heinz Spremberg

Dennoch erscheinen Frust, Ärger und Schock der Nordsee-Touristen bei näherer Betrachtung plausibel. Schließlich steigen auch die Kosten in ihrem Alltag, von dem sie sich eine Auszeit können wollen. „Nahrungsmittel sind zwischen August 2022 und August 2023 um 9 Prozent teurer geworden“, teilt die Verbraucherzentrale auf ihrer Website mit. Weiter heißt es: „Für Menschen mit geringem Einkommen oder ohne eigenes Einkommen sind die Preissteigerungen ein großes Problem.“

Einen Urlaub, ob an der Nordseeküste oder woanders, kann sich folglich dieser Entwicklungen jeder fünfte Deutsche nicht mehr leisten. Das geht aus Daten des Statistikamtes der Europäischen Union hervor. Wie sich der Markt weiterentwickelt, bleibt zunächst ungewiss. Die Probleme könnten sich im schlimmsten Fall potenzieren: Weniger Urlauber, könnten höhere Preise bedeuten. Höhere Preise, würden dann im Umkehrschluss weniger Urlauber verursachen.

Rubriklistenbild: © dpa/Sina Schuldt

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