Rotenburg braucht mehr Unterkünfte für Migranten und Obdachlose

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Viele freie Plätze gibt es in den städtischen Gemeinschaftsunterkünften nicht mehr.
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Die freien Plätze in den Rotenburger Gemeinschaftsunterkünften und in eigenen oder angemieteten Wohnungen der Stadt werden rar. Um die wieder deutlich gestiegene Zuweisungsquote an Migranten des Landes erfüllen zu können, überlegt die Stadtverwaltung, das Containerdorf am Glummweg zu vergrößern. Auch für Obdachlose wird nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Rotenburg – Rotenburg braucht mehr städtische Unterkünfte. Die Gemeinschaftseinrichtungen auf dem Campus in Unterstedt und im Containerdorf am Glummweg sind wohl bald wieder komplett belegt, städtischer oder angemieteter Wohnraum ist knapp – und die Zuweisungszahlen an Flüchtlingen steigen gegenüber bisherigen Annahmen deutlich an. Zudem muss sich die Stadt verstärkt um Notunterkünfte für Obdachlose kümmern. Beide Themen, sagt Bürgermeister Torsten Oestmann, vermischen sich aktuell. Und daraus resultiere die Erkenntnis: „Es wird eng.“

78 Flüchtlinge, so hieß es bis zum Wochenende, muss Rotenburg nach der Zuweisungsquote des Landes bis Ende des Jahres noch aufnehmen. Bei rund 50 noch freien Plätzen in den städtischen Gemeinschaftsunterkünften wäre das zwar schon schwierig geworden, aber durch mögliche Um- oder Wegzüge und frei werdende Plätze in festen Wohnungen machbar gewesen. Doch am Montag hat die Stadtverwaltung eine neue Zahl erreicht: 182 Flüchtlinge muss die Kreisstadt noch unterbringen. Wie das? „Wir wissen es noch nicht genau“, sagt der Bürgermeister. Ordnungsamt, Bauamt und Verwaltungsspitze treten an diesem Donnerstag zu einem „Krisengipfel“ zusammen, um Lösungen auszuloten.

Es wird eng.

Rotenburgs Bürgermeister Torsten Oestmann

Klar ist für Oestmann, dass Rotenburg wie bislang seit Beginn der größeren Flüchtlingsströme 2015 darauf verzichten will, Turnhallen als Unterkünfte herzurichten. Diese müssten unbedingt für Schulen und Vereine freigehalten werden, um das sportlich-soziale Leben der Stadt aufrecht erhalten zu können. Da auch eigene Wohnungen kaum vorhanden seien und der Markt mehr oder weniger leer gefegt ist, rücken laut Oestmann zwei Varianten in den Fokus: Entweder wird das Containerdorf am Glummweg vergrößert, oder man schaue sich nach anderen frei stehenden Liegenschaften um. Gegebenenfalls kommen da auch andere Akteure wie die Diakonie mit dem Campus ins Spiel.

Das Containerdorf am Glummweg soll womöglich vergrößert werden.

Zur Herausforderung, Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, kommt in diesen Tagen vermehrt das Problem Obdachlosigkeit hinzu. „Es beginnt, sich als Thema zu vermischen“, sagt Oestmann. Das liege unter anderem daran, dass zum Beispiel Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in einem anderen Rechtskreis behandelt werden als zugewiesene Migranten. Die Abrechnung und Betreuung durch die Kommune werde so immens beschwert. Nach dem jüngsten Ammoniak-„Vorfall“ in der Obdachlosenunterkunft Kesselhofskamp suche man auch für diesen Standort nach einer Lösung.

Vergleichsweise hohe Zahl an Obdachlosen

Anders als für die anderen Kreiskommunen sei das Thema Obdachlosigkeit für Rotenburg ein größeres. „Immer um die 30“ Personen gebe es hier, die betroffen seien oder selbst gewählt so lebten, sagt Oestmann. Das könne auch mit Fällen zu tun haben aus dem Krankenhaus – Menschen, die zum Beispiel nach einer psychiatrischen Behandlung nicht wüssten oder keine Lösung fänden, wo und wie es mit ihnen weiter gehe. Zudem sei Rotenburg eben sehr verkehrsgünstig gelegen an der Bahnlinie und als Mittelzentrum doch eher Anziehungspunkt als die Dörfer. 28 Obdachlose leben derzeit in vier städtischen Unterkünften. Im Planungsausschuss wurden vergangene Woche Erweiterungsmöglichkeiten für den Bereich Kesselhofskamp erläutert. Dort leben laut Oestmann aber nur Menschen, die „auffällig“ und für Gemeinschaftsunterkünfte nicht geeignet seien. Zuletzt waren das drei. Für vier wäre Platz, mit einer baulichen Erweiterung, die noch möglich wäre, oder zusätzlichen Containern solle die Zahl dort aber „im einstelligen Bereich“ bleiben. Es sei übrigens ganz und gar nicht so, dass die dort lebenden Menschen lieber zentraler untergebracht wären, betont der Verwaltungschef. Nach dem Ammoniak-„Vorfall“ dort wollten die Bewohner eigentlich direkt bleiben. Für die Reinigungsarbeiten und Reparaturen ist das Gebäude aber gesperrt worden.

Auch Rotenburg in „Krisenzeiten“

„Wir haben die Aufgaben, die Menschen unterzubringen, und das werden wir auch tun“, untermauert Bürgermeister Oestmann optimistisch, was die Lösungsfindung betrifft. Andere langfristige Ideen wie eine Einrichtung speziell für obdachlose Frauen müssten wegen der derzeitigen Bedürftigkeit hintenan gestellt werden. Oestmann: „Wir befinden uns in akuten Krisenzeiten, das haben leider noch nicht alle mitbekommen.“

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