Schmutzwasserkanal überlastet: Kläranlage in Diepholz erreicht Kapazitätsgrenze
VonJannick Ripking
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Die Kläranlage in Diepholz hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Der Schmutzwasserkanal ist überlastet. Bürgermeister Florian Marré appeliert: „Leiten Sie kein Grundwasser mehr in den Schmutzwasserkanal.“
Diepholz – Die Stadt Diepholz bekommt die Nachwirkungen der jüngsten Hochwasserlage zu spüren: Ihre Kläranlage kämpft momentan gegen massive Wassermengen an. Aktuell führt das Schmutzwasserkanalnetz die bis zu vierfache Menge als gewöhnlich. „Wir haben unsere Kapazitätsgrenze erreicht“, sagt Bürgermeister Florian Marré. Sein Appell an die Diepholzer Bürger: „Leiten Sie kein Grundwasser mehr in den Schmutzwasserkanal.“
Bürgermeister Marré: Grundwasser gehört nicht in Schmutzwasserkanal
In diesem Zuge macht Marré auch deutlich, dass Grundwasser ohnehin nicht in die Schmutzwasserleitungen gehört. Dafür sei das Regenwasserkanalnetz vorgesehen. Ein gewisser Fremdwasseranteil durch Fehlanschlüsse oder defekte Leitungen sei zwar grundsätzlich üblich, Werte wie die aktuellen seien allerdings nur durch die Auswirkungen der Hochwasserlage zu erklären, so der Bürgermeister.
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Dadurch sei das Schmutzwasserkanalnetz in Diepholz „stark überlastet“, sagt Marré. „Statt der circa 2 800 Kubikmeter pro Tag landen derzeit mehr als 11 000 Kubikmeter Abwasser im Zulauf der Kläranlage“, berichtet er, Der Hauptgrund dafür sind aus Sicht der Stadtverwaltung angeschlossene Pumpen und Drainagen von Grundstückseigentümern, „die überschüssiges Grundwasser fälschlicherweise in den Schmutzwasserkanal statt in den Regenwasserkanal leiten“.
Bei weiteren Regenfällen droht Abwasser aus Schächten auszutreten
Das sei laut Florian Marré zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch kein Grund zur Panik, denn „wir haben eine große Kläranlage und ein gutes Kanalnetz“. Sollten allerdings in naher Zukunft noch einmal stärkere Regenfälle in Diepholz auftreten, drohen Probleme. Florian Marré erläutert: „Schmutzwasser könnte aus den Schächten der Straße austreten.“ Zudem könnte es sein, dass das Abwasser weit in die Hausanschlussleitungen zurückdrückt, so der Bürgermeister. Im schlimmsten Fall droht, „dass das Wasser dann aus der Toilette herauskommt“.
Appell der Stadt Diepholz: Grundwasser korret ableiten
Damit genau das nicht passiert, ist die Stadt Diepholz auf Unterstützung und Weitsicht der Bürger angewiesen. Wer überschüssiges Grundwasser – zum Beispiel aus dem Keller oder vom Grundstück – ableiten will oder gegebenenfalls sogar muss, solle dringend darauf achten, dass es in den Regenwasserkanal fließt. „Wenn Sie Wasser in einen Kanal pumpen, um Ihr Grundstück zu entlasten, sorgen Sie dafür, dass Sie es nicht in den Schmutzwasserkanal leiten“, wendet sich der Bürgermeister direkt an die Diepholzer.