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Nordsee-Urlauber machten in den vergangenen Wochen wiederholt erschreckende Funde: unzählige tote Vögel am Strand. Experten erkläre, warum die Tiere sterben mussten.
Niedersachsen – Überall an der Küste machen Urlauber derzeit erschreckende Entdeckungen: Sie finden unzählige tote Vögel am Strand. Aufgebracht und traurig teilen sie ihr Erlebnis in den Facebook-Gruppen der Ostfriesische Inseln. „Mir sind noch nie so viele tote Vögel aufgefallen“, schreibt zum Beispiel Regine M. in einer Borkum-Gruppe. Auch Ellen B. möchte wissen: „Warum liegen so viele Vögel am Strand?“
Erschreckender Fund an der Nordsee: Urlauber entdecken unzählige tote Vögel am Strand
In den Kommentaren gibt es wilde Theorien: Eine Vogelerkältung mit Todesfolge soll zum Beispiel Ursache für das Sterben der Tiere sein. Andere meinen, dass es die Vogelgrippe sei. Auch denken andere, dass der Sturm Ursache sein könnte. Die Vögel seien wegen des starken Windes gestürzt und ertrunken. Auch heißt es, dass die vermeintlich erkrankten Tiere auch für Hunde, Katzen und Menschen ansteckend sein könnten. Alexandra Schnurr, Pressesprecherin vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, ordnet die Theorien der Kommentarspalten ein.
„Tatsächlich wurden in den vergangenen Wochen in der Nordseeregion gehäuft tote Seevögel, vor allem Trottellummen und Tordalken, gefunden“, bestätigt sie gegenüber kreiszeitung.de. Die Proben auf Vogelgrippen waren bisher allerdings allesamt negativ. Im Januar und Februar 2022 gab es bereits ein ähnliches Lummensterben. „Damals wurde schlechtes Wetter und schlechte Nahrungsverfügbarkeit als Grund für die hohe Sterblichkeit vermutet.“
Ursache für unzählige tote Vögel am Nordsee-Strand noch nicht klar – „Können wir nicht sagen.“
In Niedersachsen trifft es besonders Trottellummen und Tordalk. „Das sind auf jeden Fall mehrere Hundert alleine im niedersächsischen Wattenmeer“, bestätigt Florian Packmor, Experte für Brutvögel. Es scheint sich nicht um ein lokales Phänomen zu handeln. Auf allen Inseln können ähnlich hohe Zahlen verzeichnet werden. Auch in den Niederlanden sterben unzählige Vögel, so Packmor. Die Vermutung besteht, dass die Ursache eine witterungsbedingte Wassertrübung sein könnte. Die Vögel finden dadurch keine Nahrung mehr. „Genaueres können wir auch noch nicht sagen.“
Nicht nur Niedersachsens Nordsee-Strand betroffen – 250 Totfunde alleine an der Küste Schleswig-Holsteins
Auch in Schleswig-Holstein werden unzählige tote Vögel gefunden, bestätigt die Pressesprecherin Alexandra Schnurr. „Seit Anfang Oktober wurden etwa 250 Totfunde an der Küste Schleswig-Holstein gemeldet, 2/3 Dithmarschen, 1/3 Nordfriesland (Fundzahlen von Amrum und Sylt liegen noch nicht vor).“ Aber was sollten Urlauber tun, die einen oder mehrere tote Vögel an der Nordsee finden? Für alle, die draußen in der Landschaft unterwegs sind und tote oder mutmaßlich kranke Vögel entdecken, gelten folgende Regeln, heißt es auf der Nationalpark-Wattenmeer-Website.
Verhaltenstipps – Wenn Urlauber tote Vögel am Nordsee-Strand finden
- Fassen Sie die Tiere auf keinen Fall an. Menschen können zu Virenträgern werden und die Geflügelpest in andere Teile des Landes verschleppen.
- Halten Sie Abstand, belassen Sie das Tier an Ort und Stelle und lassen Sie die Vögel ggf. in Ruhe sterben (erkrankten Tieren kann tierärztlich NICHT geholfen werden!).
- Halten Sie auch Ihren Hund auf Abstand und beachten Sie die Regeln zur Leinenpflicht in den Wattenmeer-Nationalparken.
- Melden Sie Beobachtungen und aktuelle Zahlen bei Auffälligkeiten den Veterinärbehörden der jeweils betroffenen Kreise.
- Dort wird über ggf. hieraus abzuleitende Maßnahmen entschieden (z.B. eventuelle Beprobungen etc.).
Schon 2022 weist auch der Nationalpark Wattenmeer Niedersachsen auf seiner Website auf diese Verhaltensregeln hin. Damals ging die Vogelgrippe um und forderte bis Juni 2022 bereits 900 Totfunde. Die Dunkelziffer wurde auf ein Vielfaches höher geschätzt.
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