Hochwasser im Verdener Fischerviertel: „Damit haben wir nicht gerechnet“
VonWiebke Bruns
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Reike Raczkowski
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Die Einsatzkräfte der Feuerwehren und anderer Hilfsorganisationen im Landkreis kommen kaum zur Ruhe. Alarme rufen die Ehrenamtlichen nahezu pausenlos zur Hilfe.
Verden – Auch wenn die Auswirkungen der Hochwasserlage sich bislang in Grenzen halten, stellen sich mittlerweile zunehmend auch schwerwiegendere Folgen ein. In der Nacht zum Donnerstag rückten 200 Einsatzkräfte in Verdens Ortschaft Hutbergen mit Sandsäcken am Deich an, um seinen Durchbruch zu verhindern. Die Lage verschärfte sich vielerorts und so entschied sich der Landkreis ein „außergewöhnliches Ereignis“ festzustellen.
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Die Hauseingänge sind von den Verdener Ortsfeuerwehren wegen des Hochwassers mit Sandsäcken gesichert worden, die Bewohner in Gummistiefeln unterwegs – und einer hat auch schon ein Schlauchboot vor der Tür platziert. Die Bewohner der Verdener Altstadt sind seit der Nacht zu Donnerstag in Alarmbereitschaft, während in den vergangenen Tagen die Lage noch sehr entspannt war. Einzelne Gebäude mussten sicherheitshalber sogar geräumt werden.
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„Wir haben die Lage genau beobachtet“, sagte ein Anwohner. „Haben auch die Pegelstände im Internet verfolgt und waren total tiefenentspannt. Und heute Morgen dann Blaulicht und das hier“, sagte er und zeigte auf das Wasser. „30 bis 40 Zentimeter muss das seit gestern Abend angestiegen sein, damit haben wir nicht gerechnet.“
Die Kleine Fischerstraße steht seit den frühen Morgenstunden des Donnerstags unter Wasser. „Die Feuerwehr war sofort hier“, berichtete eine Anwohnerin in Gummistiefeln. „Die haben Sandsäcke verteilt und sich um die Gullys gekümmert.“ Seitdem waren die Einsatzkräfte in der Altstadt vor allem damit beschäftigt, Keller auszupumpen. Die Polizei war mit ihrer Drohne vor Ort, um einen Überblick über die Lage zu bekommen.
Drei Paletten voll Sandsäcken legten Mitglieder der Feuerwehr am Sockel eines 200 Jahre alten Gebäudes am Bollwerk ab. Das Haus droht abzusacken und musste daher geräumt werden.
„Ach, das ist noch gar nichts“, sagte ein älterer Herr mit Hund. „Wir hatten hier schon Hochwasser, da stand das Wasser bis hoch zur Lahusenstraße, nun mal keine Panik.“ In Huthbergen droht derweil, ein Deich zu brechen.
Ein 200 Jahre altes Wohnhaus am Bollwerk ist infolge des Hochwassers vorerst unbewohnbar. „Wir wissen nicht, ob das Gebäude absacken könnte“, sagte Torben Voigt, Sprecher der Verdener Feuerwehr. Seit der Nacht war unter anderem die Ortswehr aus Scharnhorst dort nach einer Unterspülung im Einsatz. „Ich weiß nicht, ob ich noch einmal rein darf“, sorgte sich Eigentümerin Iris von Brill. Zunächst wurde das Gebäude von außen gesichert. Ein an die Fassade angrenzendes Loch wurde, so die Feuerwehr, mit drei Paletten Sandsäcken verfüllt. Ein ehemaliger Wächterturm im hinteren Bereich, laut der Eigentümerin über 500 Jahre alt, sei ausgepumpt worden.
Später auch der Keller, der anschließend mit Sandsäcken aufgefüllt wurde. „Um Stabilität reinzubringen. Das hat der Baufachberater des THW empfohlen“, erklärte Voigt. Betreten durften die Bewohner das Haus nur noch einmal, um das Notwendigste rauszuholen.