Hochwasser im Verdener Fischerviertel: „Damit haben wir nicht gerechnet“

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Die Einsatzkräfte der Feuerwehren und anderer Hilfsorganisationen im Landkreis kommen kaum zur Ruhe. Alarme rufen die Ehrenamtlichen nahezu pausenlos zur Hilfe.

Verden – Auch wenn die Auswirkungen der Hochwasserlage sich bislang in Grenzen halten, stellen sich mittlerweile zunehmend auch schwerwiegendere Folgen ein. In der Nacht zum Donnerstag rückten 200 Einsatzkräfte in Verdens Ortschaft Hutbergen mit Sandsäcken am Deich an, um seinen Durchbruch zu verhindern. Die Lage verschärfte sich vielerorts und so entschied sich der Landkreis ein „außergewöhnliches Ereignis“ festzustellen.

Verden überflutet: Situation bleibt weiterhin kritisch

Die Hauseingänge sind von den Verdener Ortsfeuerwehren wegen des Hochwassers mit Sandsäcken gesichert worden, die Bewohner in Gummistiefeln unterwegs – und einer hat auch schon ein Schlauchboot vor der Tür platziert. Die Bewohner der Verdener Altstadt sind seit der Nacht zu Donnerstag in Alarmbereitschaft, während in den vergangenen Tagen die Lage noch sehr entspannt war. Einzelne Gebäude mussten sicherheitshalber sogar geräumt werden.

Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage

Verden von oben fotografiert. Die Aller ist bis in die Altstadt über die Ufer getreten.
In Verden ist die Aller über ihre Ufer getreten. Die Südbrücke in die Altstadt wurde am Freitag wegen des Hochwassers gesperrt. © dpa
Hochwasser und Überschwemmungen der Aller in der Region Heidekreis nach tagelangen starken Regenfällen.
Auch der Heidekreis in Niedersachsen ist nicht vor Überschwemmungen gefeit. Bis zum Jahreswechsel könnten Regen und Sturm die Lage weiter verschlechtern. © Ulrich Stamm/IMAGO
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase.
Umgeben von Wasser ist dieser Feldhase. © Dorn
Feuerwehrleute stehen in der Nacht am Deich und reichen Sandsäcke.
Mit Sandsäcken bauten die Einsatzkräfte Quellkaden auf, um die Schadstellen einzugrenzen. © Kreisfeuerwehr Verden/Oestmann
Hochwasser in Niedersachsen: Eine vom Wasser überspülte und abgesperrte Straße.
Die L330 zwischen Hoya und Hassel ist seit Donnerstagnachmittag wegen des Hochwassers unpassierbar. © Moritz Frankenberg/dpa
Einsatzkräfte bauen eine Sandsacke-Sperre gegen Hochwasser.
Auch am Serengeti-Park in Hodenhagen sind viele Helfer im Einsatz gegen das Hochwasser. © Philipp Schulze/dpa
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag
Hochwasser in Hoya: Impressionen von Donnerstag © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal Wörpe Wümme
Ein Gartenhaus steht hinter einem durchweichten Deichabschnitt an der Wörpe in Lilienthal. Durch das Hochwasser des Flusses sowie der nahegelegenen Wümme gab es in der Nacht einen Deichriss. © Focke Strangmann/dpa
Der Serengeti Park Hodenhagen von oben fotografiert. Mehrere Flächen sind überflutet.
Der Serengeti-Park in Hodenhagen steht teilweise unter Wasser. Viele Tiere müssen evakuiert werden. © Philipp Schulze/dpa
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) laufen auf einer Straße.
Serengeti-Park-Leiter Fabrizio Sepe begleitet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der aktuen Hochwasser-Lage. © Klaus Müller
Heidschnucken-Rettung der DLRG ist im vollen Gange.
Mehrere Heidschnucken wurden am Mittwoch von der DLRG in der Nähe von Hannover vor dem Hochwasser gerettet. © Karsten Hölscher/dpa/DRLG Wedemark
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover Hochwasser und Überschwemmungen der Leine
Hochwasser und Überschwemmungen bei Hannover © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover  © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Hochwasser und Überschwemmungen der Leine. © Ulrich Stamm/Imago
Niedersachsen, Überschwemmungen in der Region Hannover
Überschwemmungen in der Region Hannover. © Ulrich Stamm/Imago
Hochwasser in Niedersachsen, Hagen-Grinden
Ein Wohnhaus am Deich auf der Weserinsel Hagen-Grinden. Das Hochwasser ist auch hier angekommen. © Christof Dathe/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Weser
Eine Schild „Parkplatz für Busse“ schaut aus dem Hochwasser. Der Wasserstand der Weser ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Angesichts anhaltender Regenfälle und gesättigter Böden bleibt die Hochwassergefahr in Teilen von Deutschland hoch. © Friso Gentsch/dpa
Hochwasser in Bremen-Borgfeld: Anwohner transportiert Nachbarn per Kanu
Ein Mann in Bremen-Borgfeld half per Kanu. Er brachte Anwohner zu ihren Häusern und transportierte Pumpen für die Feuerwehr. © Nord-West-Media TV
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße.
Die Feuerwehr deponierte Sandsäcke an der Astruper Straße. © Archiv: Feuerwehr
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten.
Ein Trecker zieht einen Wohnwagen vom Wieltsee weg. Die Weser ist in Dreye über die Ufer getreten. © Sigi Schritt
Hochwasser in Niedersachsen – Oker
Die hochwasserführende Oker überflutet in Oker teilweise die Promenade. Für die Flussgebiete der Oker und der Innerste warnte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vor einer weiteren Verschärfung der Hochwasserlage. © Thomas Schulz/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Sarstedt
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht am Fluss Innerste im Landkreis Hildesheim. Weil machte sich an verschiedenen Orten ein Bild der angespannten Hochwassersituation in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte/dpa
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten.
Der Lauf des Klosterbachs in Stuhr ist mittig noch zu erkennen. Das Wasser ist an Weihnachten jedoch weit über das Ufer getreten. © Rainer Jysch
Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser am Weserwehr im Landkreis Verden (Aufnahme mit Drohne). Zufahrt und Durchfahrt sind seit Weihnachten gesperrt. Laut der Behörden in Niedersachsen bleibt die Hochwasser-Lage in den nächsten Tagen weiter angespannt. © Christof Dathe/dpa
Stadtspeicher Hochwasser
Mit „Big Packs“ wird die Mauer am Rotenburger Stadtspeicher gestützt. © Michael Krüger
Hochwasser Samtgemeinde Hoya
Hochwasser Samtgemeinde Hoya © Oliver Siedenberg
Hochwasser in Niedersachsen - Okertalsperre
Die Hochwasserentlastungsanlage lässt Wasser aus der komplett gefüllten Okertalsperre im Harz. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Leda
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen die Ortschaft zu sichern, nachdem das Hochwasser vom Burlage-Langholter Tief, einem Nebenfluss der Leda, über die Deiche trat. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen – Feuerwehr
Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen mit Sandsäcken das Wasser in Schach zu halten. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Schloss Marienburg
Das Schloss Marienburg in der Region Hannover steht vor überfluteten Feldern am Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Ruthe im Landkreis Hildesheim
Hochwasser in Niedersachsen: Der Fluss Innerste mündet an der Ortschaft Ruthe im Landkreis Hildesheim in den Fluss Leine. © Julian Stratenschulte/dpa

„Wir haben die Lage genau beobachtet“, sagte ein Anwohner. „Haben auch die Pegelstände im Internet verfolgt und waren total tiefenentspannt. Und heute Morgen dann Blaulicht und das hier“, sagte er und zeigte auf das Wasser. „30 bis 40 Zentimeter muss das seit gestern Abend angestiegen sein, damit haben wir nicht gerechnet.“

Mit Sandsäcken, Brettern und Folien versuchen die Bewohner des Fischerviertels, ihre Eingänge zu sichern.

Die Kleine Fischerstraße steht seit den frühen Morgenstunden des Donnerstags unter Wasser. „Die Feuerwehr war sofort hier“, berichtete eine Anwohnerin in Gummistiefeln. „Die haben Sandsäcke verteilt und sich um die Gullys gekümmert.“ Seitdem waren die Einsatzkräfte in der Altstadt vor allem damit beschäftigt, Keller auszupumpen. Die Polizei war mit ihrer Drohne vor Ort, um einen Überblick über die Lage zu bekommen.

Drei Paletten voll Sandsäcken legten Mitglieder der Feuerwehr am Sockel eines 200 Jahre alten Gebäudes am Bollwerk ab. Das Haus droht abzusacken und musste daher geräumt werden.

„Ach, das ist noch gar nichts“, sagte ein älterer Herr mit Hund. „Wir hatten hier schon Hochwasser, da stand das Wasser bis hoch zur Lahusenstraße, nun mal keine Panik.“ In Huthbergen droht derweil, ein Deich zu brechen.

Ein 200 Jahre altes Wohnhaus am Bollwerk ist infolge des Hochwassers vorerst unbewohnbar. „Wir wissen nicht, ob das Gebäude absacken könnte“, sagte Torben Voigt, Sprecher der Verdener Feuerwehr. Seit der Nacht war unter anderem die Ortswehr aus Scharnhorst dort nach einer Unterspülung im Einsatz. „Ich weiß nicht, ob ich noch einmal rein darf“, sorgte sich Eigentümerin Iris von Brill. Zunächst wurde das Gebäude von außen gesichert. Ein an die Fassade angrenzendes Loch wurde, so die Feuerwehr, mit drei Paletten Sandsäcken verfüllt. Ein ehemaliger Wächterturm im hinteren Bereich, laut der Eigentümerin über 500 Jahre alt, sei ausgepumpt worden.

Unter Beobachtung: Die Anwohner sorgen sich darum, dass ihnen der Strom abgestellt werden könnte.

Später auch der Keller, der anschließend mit Sandsäcken aufgefüllt wurde. „Um Stabilität reinzubringen. Das hat der Baufachberater des THW empfohlen“, erklärte Voigt. Betreten durften die Bewohner das Haus nur noch einmal, um das Notwendigste rauszuholen.

Rubriklistenbild: © Feuerwehr

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