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Die Aller und Weser stehen Oberkante Unterlippe. Über das Ufer getreten ist das Wasser bislang noch nicht. Mit bisher 1040 Liter Niederschlag könnte das Jahr 2023 ein Rekordwert darstellen.
Verden/Achim – Weiße Weihnacht, okay, das haben sich die Menschen abgeschminkt. Wenn es denn wenigstens einigermaßen trocken wäre. Aber auch damit können die Wetterdienste nicht wirklich dienen. Kommt alles, wie es vorhergesagt ist, dann geht die Festtage als Wasser-Weihnachten in die Geschichte ein.
„Bis zu 150 Liter Niederschlag pro Quadratmeter sagen die Wetterdienste allein übers Wochenende im Raum Verden, im mittleren Niedersachsen voraus“, sagt Heiner Harting von der Verdener Geschäftsstelle des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Seine Behörde hat für die Region zu Weihnachten die zweithöchste Meldestufe 3 ausgerufen. Großes Hochwasser! Das heißt, ausladende Flächen können überschwemmt werden, auch eine Flut auf einzelne Grundstücke, Straßen und Keller ist möglich.
Sogar die Halse führt im Hochwasser-Chaos Wasser
Allerdings hat dieses Weihnachtswetter nicht nur seine grauen und nasskalten Seiten, es löst zumindest vorübergehend eines der Probleme im Raum Verden. Anders als im langjährigen Schnitt steigen die Grundwasserpegel. Harting greift als Beispiel das große Sorgenkind unter den Bächen und Flüssen der Region auf, die Halse. Über weite Strecken des Jahres, zuweilen sogar über mehrere Jahre in Folge ist sie trockengefallen. „Aber jetzt fließt sogar hier Wasser“, sagt der Behördenleiter.
Regenmenge 2023 vor Allzeit-Rekord
Und so dürfte das Jahr 2023 als eines der Rekordjahre in die Wettergeschichte eingehen, vielleicht sogar als das Rekordjahr. Vergangenen Dienstag gingen in Verden 21 Liter je Quadratmeter hernieder, Donnerstag noch einmal 13 Liter, und insgesamt summiert sich das Jahr auf bisher 985 Liter. Die Marke von 1000 ist nicht mehr fern, zumal dann nicht, wenn es auch nur ansatzweise zu den Regenmengen kommt, die für die Festtage prognostiziert sind. Bisher lag das Jahr 2002 in der seit 1881 geführten Wetterhistorie vorn, rund 1040 Liter prasselten herunter. In den vergangenen fünf Jahren fielen im Schnitt zwischen 500 und 700 Liter vom Himmel.
Hoch- bis Höchststände beim Grundwasser im Landkreis Verden
Die aktuellen Niederschläge, die auch die Menschen im Landkreis Rotenburg beschäftigen, füllen das Grundwasser flächendeckend auf. Die Messstellen im Landkreis signalisieren laut NLWKN Hoch- bis Höchststände. „Das aktuelle Jahr liegt bei der Neubildung von Grundwasser weit über dem Schnitt der vergangenen 30 Jahre“, sagt Harting. Allerdings seien die Böden inzwischen gesättigt, was jetzt noch an Regen herunterkomme, fließe ab. Und das vor allem über die Aller. „Mit einer Fließgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde ist sie einer der schnellsten Flüsse.“
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Und? Eine der Regenpausen genutzt, um einen Spaziergang zum Hochwasser zu unternehmen? Wer es tat, wird enttäuscht sein. Oberkante Unterlippe hieß es zumindest gestern noch für Aller und Weser. Lediglich die Wümme ist großflächiger über die Ufer getreten. Allerdings kann sich das Bild wandeln. An den Oberläufen der beiden großen Flüsse im Kreis Verden und an deren Zuläufen bilden sich sozusagen Wellen. In Bodenwerder legte die Weser gestern beispielsweise um 73 Zentimeter zu, in Gifhorn die Aller um 50 Zentimeter. Im Raum Verden/Achim herrscht indes noch die Ruhe vor dem Schwall. In Eitze stieg der Pegel um beschauliche 13 Zentimeter, in Intschede um 10 Zentimeter.
Regen führt zu Erholung der großen Grundwasserkörper
Gut möglich, dass sogar die mächtigen Grundwasserkörper profitieren, aus denen die Wasserwerke der Region schöpfen. Wie berichtet ist es in den Bereichen rund um Panzenberg, Langenberg aber auch dem Verdener Wasserwerk im Stadtwald zu Absenkungen gekommen. „Die Niederschläge des laufenden Jahres werden sich positiv auswirken“, sagt Silke Brünn von der Unteren Wasserschutzbehörde im Verdener Kreishaus. Teilweise hätten sich schon Pegel erholt. Um allerdings genauere Angaben zu machen, müssten die kommenden Messungen abgewartet werden.
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