Rotenburg ist wegen Sturm vorbereitet: „Kann sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen“

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Vor der Ausgabestelle der Rotenburger Tafel steht das Wasser schon einige Zentimeter hoch auf der Straße: Der Bereich gehört zu den Arealen im Stadtgebiet, die bei Hochwasser als erstes Schaden nehmen. Daher stapeln Feuerwehr und Bauhof dort Sandsäcke.
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Auf Überschwemmungen vorbereitet zu sein, ohne sie ernstlich zu erwarten: Das strebt die Stadt Rotenburg an. Sie bereitet sich auf die Einrichtung eines Stabs zur Gefahrenabwehr vor.

Rotenburg – „Wir hoffen, dass wir das nicht brauchen, dass wir die Vorbereitungen als Übung für den Ernstfall betrachten können“, sagt Bürgermeister Torsten Oestmann am Donnerstagabend. Die Stadt Rotenburg reagiert auf die Wassermassen, die Sturmtief „Zoltan“ in die Kommune gespült hat und rüstet sich für den Fall der Fälle, nämlich schwere Überschwemmungen. Sollte es über die Weihnachtsfeiertage zu diesen kommen, will die Stadtverwaltung nicht ohne Sandsäcke dastehen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht bei Hochwasser im Landkreis Rotenburg

„Wir wissen nicht, was passiert, aber wir machen uns bereit, dass wir einen Stab einrichten müssen“, teilt der Bürgermeister während der Ratssitzung am Donnerstagabend mit. Dass die Wümme ein wenig über die Ufer tritt und beispielsweise für schöne Fotos vom sich in der Wasseroberfläche spiegelnden Kreishaus sorgt, kennen die Rotenburger schon. Entsprechend beschwichtigend klingt das, was Bauamtsleiter Roman Lauchart den Worten des Bürgermeisters hinzufügt: Das Hochwasser an der Wümme sei „auch dieses Jahr eigentlich nichts Ungewöhnliches“.

Sturm und Hochwasser im Norden: Fotos zeigen drastisches Folgen von Tief Zoltan

Blick in eine Schankstube, vor deren Fenster Hochwasser steht.
Eine Gaststätte in Bremen-Vegesack ist von Wasser umspült – die für solche Situationen gebauten Fenster halten. © Nord-West-Media TV
Ein Haus teilweise unter Wasser. Das Wasser reicht bis über die Unterkante de Fenster im Erdgeschoss.
In Bremen-Vegesack stehen am Freitag Teile der Altstadt an der Weser unter Wasser.  © Nord-West-Media TV
Ein Polizeiwagen steht bei Hochwasser an einem überfluteten Parkplatz, auf dem ein Auto im Wasser parkt.
In Bremerhaven ist das Wasser bereits am Donnerstagabend über die Ufer getreten. Für Freitag werden noch höhere Pegelstände erwartet. © Kai Moorschlatt
Sturmtief Zoltan wirft Wellen gegen das Emssperrwerk.
Wellen schlagen gegen das Emssperrwerk, an dem am Abend und in der Nacht eine Sturmflut erwartet wird. © Lars Penning/dpa
Sturmtief Zoltan verursacht schwere Sturmflut in Hamburg, Fischmarkt unter Wasser
Schwere Sturmflut Hamburg Fischmarkt Elbe Sturmtief „Zoltan“ © Bodo Marks/dpa
Hamburger Fischmarkt
Der Fischmarkt in Hamburg ist überflutet worden. © Bodo Marks/dpa
Blick auf den Platz vor dem Fischmarkt in Hamburg.
Der Fischmarkt im Hamburg war am Freitagvormittag nicht mit ohne Gummistiefel trockenen Fußes zu erreichen. © Christian Charisius/dpa
Wolken und Sturmböen ziehen über die Region Hannover hinweg, sodass die Autos auf der Landstraße viel langsamer fahren müssen.
Wolken und Sturmböen ziehen über die Region Hannover hinweg, sodass die Autos auf der Landstraße viel langsamer fahren müssen. © dpa/ Julian Stratenschulte
Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern eine Deichschart mit Sandsäcken vor der schweren Sturmflut in Cuxhaven.
Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern eine Deichschart mit Sandsäcken vor der schweren Sturmflut in Cuxhaven. © dpa
Der Sturm lässt die Windräder im Landkreis Hildesheim viel rasanter drehen als üblich.
Der Sturm lässt die Windräder im Landkreis Hildesheim viel rasanter drehen als üblich. © dpa/ Julian Stratenschulte
Sturmtief "Zoltan" - Hannover
Ein Auto fährt bei Starkregen über eine überflutete Straße in Hannover. Sturmtief „Zoltan“ zieht mit Sturmböen über Deutschland hinweg. © Julian Stratenschulte/dpa
Zahlreiche Reisende warten auf einem vollem Bahnsteig am Hauptbahnhof auf ihren Zug. Sturmtief "Zoltan" sorgt am Donnerstag im Fernverkehr der Deutschen Bahn für Ausfälle und Verspätungen. Betroffen sind Eurocity-, Intercity- und ICE-Verbindungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wie die Bahn mitteilte.
Zahlreiche Reisende warten auf einem vollem Bahnsteig am Hauptbahnhof auf ihren Zug. Sturmtief «Zoltan» sorgt am Donnerstag im Fernverkehr der Deutschen Bahn für Ausfälle und Verspätungen. Betroffen sind Eurocity-, Intercity- und ICE-Verbindungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wie die Bahn mitteilte. © dpa/ Bodo Marks
Die Flächen vor Emssperrwerk sind komplett überflutet, das Wasser geht bis zum Deich.
Die Flächen vor Emssperrwerk sind komplett überflutet, das Wasser geht bis zum Deich. © dpa/ Lars Penning
Aufgrund des Sturms ist ein Baum auf ein Wohnhaus gefallen. Sturmtief „Zoltan“ verursachte zahlreiche umgestürzten Bäume.
Aufgrund des Sturms ist ein Baum auf ein Wohnhaus gefallen. Sturmtief „Zoltan“ verursachte zahlreiche umgestürzten Bäume. © dpa
Die Flächen vor Emssperrwerk sind komplett überflutet, das Wasser geht bis zum Deich.
Die Flächen vor Emssperrwerk sind komplett überflutet, das Wasser geht bis zum Deich.  © dpa/ Lars Penning
Wangerooge
Strandspaziergänger trotzen dem starken Wind auf der Insel Wangerooge. © Peter Kuchenbuch-Hanken/-/dpa

Etwas anders sei die Lage aber doch: Der andauernde Westwind halte das Wasser in der Weser, was wiederum dafür sorgt, dass die hochstehende Wümme und überflutete Wiesen nicht abfließen können. Gleichzeitig mehre sich das Wasser, etwa aus den Eingangssystemen aus Scheßeeler Richtung. In Mulmshorn gebe es bereits erhebliche Probleme mit den Massen. In der Nacht hatte Sturm Zoltan in ganz Niedersachsen, Bremen und Hamburg für viele Feuerwehr-Einsätze und Hochwasser-Palnungen gesorgt.

Regelmäßiger Blick auf den Hochwasser-Pegel

„Wir schauen uns stündlich die Pegelstände an, um zu sehen, wie es weitergeht. Es kann auch sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen. Muss es aber nicht“, fasst Lauchart die Lage an der Wümme zusammen. Sollte die Wümme tatsächlich weiter über die Wiesenbereiche hinaus anschwellen, dann trete sie als erstes in der Aalter Allee über die Ufer, weiß der Bauamtsleiter.

Es kann auch sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen. Muss es aber nicht.

Bauamtsleiter Roman Lauchart

Um für alle Fälle gewappnet zu sein, hat die Stadtverwaltung am Freitag die eventuelle Bildung eines Stabs vorbereitet. Ein Querschnitt der Verwaltung kümmert sich darum, dass die Stadt in der Gefahrenabwehrlage agieren kann. Auch Polizei und Feuerwehr waren bei der Sitzung am Vormittag dabei. „Außerdem bauen wir den Kontakt zum THW auf“, erklärt der Bürgermeister. Zwar rechne er nicht damit, dass die Stadt auf das nun eingerichtete System zurückgreifen muss – das betont er immer wieder –, „aber ohne in die Weihnachtsfeiertage zu gehen, wäre einfach fahrlässig“. Und gut vorbereitet lasse sich auch entspannter feiern.

5000 Sandsäcke für den Anfang sollen vor Hochwasser schützen

Die Einrichtung einer Rufbereitschaft gehört dazu, darüber hinaus befüllen seit Freitag Feuerwehr und Bauhof ohne Unterlass Sandsäcke. 5000 Stück sollen zur Sicherheit bereitstehen. Das Material dafür ist da, zusätzliches ist bestellt. Darüber hinaus sind Firmen wie Grewe und Behrens mit im Boot und können schweres Werkzeug im Bedarfsfall zur Verfügung stellen.

Die ersten Säcke kommen tatsächlich am Mittag zum Einsatz, denn Rotenburg verfügt über einige wenige Stellen, die bei Hochwasser schneller in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Gebäude der Rotenburger Tafel neben dem Stadtstreek etwa gehört dazu. „Wir versuchen, das hier schon einmal einzufrieren“, sagt Lars Holtermann. Der Brandmeister vom Dienst schichtet in Zusammenarbeit mit Bauhofmitarbeitern einen kleinen Damm in der Einfahrt auf.

Hochwasser-Lage wie zuletzt 2002 erscheint sehr unwahrscheinlich

Er und seine Feuerwehrkameraden seien bereits sensibilisiert dafür, dass es über die Feiertage vom Tannenbaum in den Einsatz mit eskalierender Lage gehen kann. „Sie kennen das schon. Für die Ehrenamtlichen ist das Tagesgeschäft“, weiß der Bürgermeister. Dass sich eine Lage wie bei der großen Überschwemmung von 2002 wiederholt, als gerade im Bereich Mühlenende das Wasser auf den Straßen hochstand, hält der Bürgermeister aktuell für unwahrscheinlich. Ohnehin habe es bauliche Veränderungen an den Wasserläufen gegeben, die das verhindern sollten.

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Eigentlich wollte Oestmann ein entspanntes Weihnachtsfest mit der Familie verbringen. Nun hat der Hauptverwaltungsbeamte Bereitschaftsdienst, genau wie ein großer Teil des Teams aus der Verwaltung. Aber die Hoffnung auf ein stilles, besinnliches Fest bleibt dennoch. So verabschiedet sich der Rathaus-Chef mit einem Lächeln und diesen Worten von den Angestellten: „Ich hoffe, wir sehen uns übers Fest nicht wieder“.

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