VonAndreas Schultzschließen
Auf Überschwemmungen vorbereitet zu sein, ohne sie ernstlich zu erwarten: Das strebt die Stadt Rotenburg an. Sie bereitet sich auf die Einrichtung eines Stabs zur Gefahrenabwehr vor.
Rotenburg – „Wir hoffen, dass wir das nicht brauchen, dass wir die Vorbereitungen als Übung für den Ernstfall betrachten können“, sagt Bürgermeister Torsten Oestmann am Donnerstagabend. Die Stadt Rotenburg reagiert auf die Wassermassen, die Sturmtief „Zoltan“ in die Kommune gespült hat und rüstet sich für den Fall der Fälle, nämlich schwere Überschwemmungen. Sollte es über die Weihnachtsfeiertage zu diesen kommen, will die Stadtverwaltung nicht ohne Sandsäcke dastehen.
Vorsicht ist besser als Nachsicht bei Hochwasser im Landkreis Rotenburg
„Wir wissen nicht, was passiert, aber wir machen uns bereit, dass wir einen Stab einrichten müssen“, teilt der Bürgermeister während der Ratssitzung am Donnerstagabend mit. Dass die Wümme ein wenig über die Ufer tritt und beispielsweise für schöne Fotos vom sich in der Wasseroberfläche spiegelnden Kreishaus sorgt, kennen die Rotenburger schon. Entsprechend beschwichtigend klingt das, was Bauamtsleiter Roman Lauchart den Worten des Bürgermeisters hinzufügt: Das Hochwasser an der Wümme sei „auch dieses Jahr eigentlich nichts Ungewöhnliches“.
Sturm und Hochwasser im Norden: Fotos zeigen drastisches Folgen von Tief Zoltan




Etwas anders sei die Lage aber doch: Der andauernde Westwind halte das Wasser in der Weser, was wiederum dafür sorgt, dass die hochstehende Wümme und überflutete Wiesen nicht abfließen können. Gleichzeitig mehre sich das Wasser, etwa aus den Eingangssystemen aus Scheßeeler Richtung. In Mulmshorn gebe es bereits erhebliche Probleme mit den Massen. In der Nacht hatte Sturm Zoltan in ganz Niedersachsen, Bremen und Hamburg für viele Feuerwehr-Einsätze und Hochwasser-Palnungen gesorgt.
Regelmäßiger Blick auf den Hochwasser-Pegel
„Wir schauen uns stündlich die Pegelstände an, um zu sehen, wie es weitergeht. Es kann auch sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen. Muss es aber nicht“, fasst Lauchart die Lage an der Wümme zusammen. Sollte die Wümme tatsächlich weiter über die Wiesenbereiche hinaus anschwellen, dann trete sie als erstes in der Aalter Allee über die Ufer, weiß der Bauamtsleiter.
Es kann auch sein, dass wir ein Jahrhunderthochwasser bekommen. Muss es aber nicht.
Um für alle Fälle gewappnet zu sein, hat die Stadtverwaltung am Freitag die eventuelle Bildung eines Stabs vorbereitet. Ein Querschnitt der Verwaltung kümmert sich darum, dass die Stadt in der Gefahrenabwehrlage agieren kann. Auch Polizei und Feuerwehr waren bei der Sitzung am Vormittag dabei. „Außerdem bauen wir den Kontakt zum THW auf“, erklärt der Bürgermeister. Zwar rechne er nicht damit, dass die Stadt auf das nun eingerichtete System zurückgreifen muss – das betont er immer wieder –, „aber ohne in die Weihnachtsfeiertage zu gehen, wäre einfach fahrlässig“. Und gut vorbereitet lasse sich auch entspannter feiern.
5000 Sandsäcke für den Anfang sollen vor Hochwasser schützen
Die Einrichtung einer Rufbereitschaft gehört dazu, darüber hinaus befüllen seit Freitag Feuerwehr und Bauhof ohne Unterlass Sandsäcke. 5000 Stück sollen zur Sicherheit bereitstehen. Das Material dafür ist da, zusätzliches ist bestellt. Darüber hinaus sind Firmen wie Grewe und Behrens mit im Boot und können schweres Werkzeug im Bedarfsfall zur Verfügung stellen.
Die ersten Säcke kommen tatsächlich am Mittag zum Einsatz, denn Rotenburg verfügt über einige wenige Stellen, die bei Hochwasser schneller in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Gebäude der Rotenburger Tafel neben dem Stadtstreek etwa gehört dazu. „Wir versuchen, das hier schon einmal einzufrieren“, sagt Lars Holtermann. Der Brandmeister vom Dienst schichtet in Zusammenarbeit mit Bauhofmitarbeitern einen kleinen Damm in der Einfahrt auf.
Hochwasser-Lage wie zuletzt 2002 erscheint sehr unwahrscheinlich
Er und seine Feuerwehrkameraden seien bereits sensibilisiert dafür, dass es über die Feiertage vom Tannenbaum in den Einsatz mit eskalierender Lage gehen kann. „Sie kennen das schon. Für die Ehrenamtlichen ist das Tagesgeschäft“, weiß der Bürgermeister. Dass sich eine Lage wie bei der großen Überschwemmung von 2002 wiederholt, als gerade im Bereich Mühlenende das Wasser auf den Straßen hochstand, hält der Bürgermeister aktuell für unwahrscheinlich. Ohnehin habe es bauliche Veränderungen an den Wasserläufen gegeben, die das verhindern sollten.
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Eigentlich wollte Oestmann ein entspanntes Weihnachtsfest mit der Familie verbringen. Nun hat der Hauptverwaltungsbeamte Bereitschaftsdienst, genau wie ein großer Teil des Teams aus der Verwaltung. Aber die Hoffnung auf ein stilles, besinnliches Fest bleibt dennoch. So verabschiedet sich der Rathaus-Chef mit einem Lächeln und diesen Worten von den Angestellten: „Ich hoffe, wir sehen uns übers Fest nicht wieder“.
