Debatte um Raubtier

„Wolf will, wie wir Menschen, saftiges Stück Fleisch“ – Auricher meckert wegen geplanter Wolf-Demo

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Kein Tier in Niedersachsen ist so umstritten wie der Wolf. Trotzdem findet ein Auricher es unnötig, gegen das Raubtier zu demonstrieren. (Symbolbild)
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Im Juli wollen die Ostfriesen gegen den Wolf auf die Straße gehen. Das stößt insbesondere einem Auricher negativ auf, der sich auf Facebook für das Raubtier ausspricht.

Aurich – Wolf: Ja oder nein? Das ist eine Frage, die unzählige Menschen an der Nordseeküste seit Langem beschäftigt, ob in Bremen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Einheimische Ostfriesen haben sich kürzlich zusammengeschlossen, um gegen die weitere Ausbreitung des Raubtiers am Sonnabend, 10. Juni, auf die Straße zu gehen. Alles unter Regie des hiesigen Verbands für Naturschutz.

Auslöser hierfür war unter anderem ein Wolf, der in der Nähe eines ostfriesischen Kindergartens gesichtet wurde. Weitere Hintergrund-Informationen zur Demonstration finden Sie hier. Aber nicht jeder unterstützt die Anti-Wolf-Demo.

„Der Wolf ist so verdammt wichtig für die Natur“ – Auricher meckert wegen geplanter Wolf-Demo

„Ich will hier mal was loswerden“, schreibt eine anonyme Person via „Verspotted: Landkreis Aurich“, eine Mecker-Seite auf Facebook. Die Person sei schockiert darüber, wie viele Menschen sich der anstehenden Demonstration gegen den Wolf im Juni anschließen wollen. „Der Wolf ist so verdammt wichtig für die Natur“, heißt es. Begründen tut die Person die Aussage nicht und doch ist es nicht alles, was er oder sie zu sagen hat.

Schafe oder Kühe und andere Tiere, die vom Wolf gerissen werden, seien von Menschen eingesperrt. „Sie werden so lange gefüttert, bis sie bei uns auf dem Teller landen.“ Dass die Menschen sich über Risse des Wolfs aufregen, ist laut dem Nutzer widersprüchlich: „Der Wolf will, wie wir Menschen, auch nur ein saftiges Stück Fleisch essen.“

Das Tier mache alles, wie es von der Natur und von Gott gewollt sei. Die gesamte Angelegenheit mache den Nutzer „verdammt wütend“. Mit „#fürdenwolf“ schließt die Person seinen Beitrag ab. Das sorgt für diverse Hass-Kommentare, zum Teil mit Fotos von gerissenen Tieren.

Anti-Wolf-Bürgerinitiative äußert sich zynisch gegenüber der Kritik an der Demo

Unter anderem antwortet die Bürgerinitiative „Wolffreies Ostfriesland“ zynisch: „Weil der Mensch gerne ein Steak isst, ist es natürlich völlig in Ordnung, dass der Wolf sich auch ein paar Tiere nimmt, sie lebendig anfrisst, ihnen die Gedärme, ungeborene Kitze und Lämmer rausreißt.“ Werde das geliebte Pony der Enkelin angefressen und ausgeweidet, hoffe die Initiative, dass der Verfasser des Beitrags es ebenso entspannt sieht.

Der Friesische Verband für Naturschutz hatte kürzlich mit diesem Flyer zur Demonstration gegen den Wolf aufgerufen.

Und genau das ist der Kern vieler Wolf-Kritiker in den Kommentaren. Dass der Wolf wichtig für die Natur geworden ist und eine sinnvolle Funktion erfüllt, lässt sich schwer bestreiten. Das belegt auch das Umweltministerium. Auf der Website heißt es: „Der Wolf hilft dabei, den Wildbestand in der Natur zu regulieren, indem er auch kranke und schwache Tiere erbeutet.“ Zu seiner Nahrung gehören Hirsche, Rehe und Wildschweine. Wölfe fressen aber auch andere Wildtiere.

Missverstandene Demo-Anhänger: Wolf soll nicht aus Deutschland verschwinden

Aber eben auch Nutztiere von Landwirten und geliebte Haustiere. Erst kürzlich wurde ein von Wölfen getötetes Pony im Landkreis Cuxhaven unmittelbar neben einem Wohnhaus gefunden. Zudem kommt es immer wieder zu Sichtungen, wie bei diesem Wolf, der vermutlich panisch durch einen Pferdestall ebenfalls im Landkreis Cuxhaven rennt. Die kritisierte Anti-Wolf-Demonstration soll allerdings gar nicht bewirken, dass Wölfe vollständig aus Deutschland verschwinden.

Naturschutz-Verband stellt klar: „Wolf gehört in ein Gehege, nicht der Mensch und seine Nutztiere“

Kreiszeitung.de sprach kürzlich mit dem Initiator der Anti-Wolf-Demo, Hansjörg Heeren, Vorstandssprecher des Friesischen Verbands für Naturschutz. „Unsere Einstellung ist, dass der Wolf in ein Gehege gehört, nicht der Mensch und seine Nutztiere“, sagte Heeren. Vorstellbar sei: Es könnten bestimmte Wolfsareale entstehen, in denen der Wolf friedlich leben kann, ohne die Menschen in Ängste und Sorge zu versetzen.

Letztgenannte Emotionen sind im Zusammenhang mit dem Raubtier allseits bekannt: Kaum ein Tier ist in Norddeutschland so umstritten wie der Wolf, was auch Umfragen von kreiszeitung.de zeigen. Hierbei handelt es sich zwar nicht um eine Erhebung nach wissenschaftlichen Standards, dennoch spricht das Meinungsbild für sich: 6.455 der 7101 Befragten finden es nicht richtig, dass der Wolf wieder in Deutschland lebt.

Ein weiteres, differenzierteres Meinungsbild unserer Redaktion aus einer laufenden Umfrage, zeigt bereits jetzt: 36 Prozent der bisherigen Abstimmenden befürworten, dass der Wolf frei lebt, allerdings nur, wenn die Bestände reguliert werden. 28 Prozent möchte nicht, dass der Wolf in Deutschland lebt. 17 Prozent zeigten dem Raubtier gegenüber offen, wenn Wölfe in Gehegen leben und nur 16 Prozent befürworten den aktuellen Status Quo. Mehr als 1500 Menschen stimmten bislang ab.

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