VonMarkus Hannekenschließen
Viele zehntausend Mal werden Raser in Hamm jährlich geblitzt. Das ist mitunter ganz schön teuer und folgenreich, für die Stadt aber stets ertragreich. Die Topzahlen des Jahres 2023.
Hamm – Genau 130.548 Mal lösten die verschiedenen Blitzgeräte der Stadt Hamm 2023 aus. Im Jahr zuvor lag diese Zahl um knapp 5800 höher. Gleichzeitig flossen diesmal mit 7 Millionen Euro aber fast 200.000 Euro mehr Bußgelder in die Stadtkasse als 2022, wie Stadtsprecher Tom Herberg mitteilte. Am verschärften Strafkatalog kann das kaum liegen, denn der gilt schon seit Ende 2021. Also waren viele der Verstöße offenbar gravierender.
Beispielhaft für diese These stehen die Top 5 der 2023 überführten Temposünder: So blitzte es am 26. Februar um 9.26 Uhr auf der Barsener Straße bei 162 km/h (erlaubt 80), am 30. April um 19.11 auf der Fritz-Husemann-Straße bei 96 km/h (erlaubt 30), am 7. Juni um 19.26 Uhr auf der Werler Straße bei 146 km/h (erlaubt 70), am 30. September um 0.33 Uhr auf der Oststraße bei 94 km/h (erlaubt 30) und am 6. Dezember um 10.55 Uhr auf der Oberonstraße in Höhe der Kita Flohkiste bei 97 km/h (erlaubt 30). All diesen Fahrern wurden mindestens 700 Euro Geldbuße, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg aufgebrummt.
Mindestens? Genau, denn bei den genannten Geldbußen handelt es sich „nur“ um die Regelsätze der Bußgeldkatalogverordnung. „Aufgrund der hier vorliegenden gravierenden Verstöße wird in der Regel von vorsätzlicher Tatbegehung ausgegangen und eine deutlich höhere Geldbuße festgesetzt“, so Herberg.
Blitzer in Hamm: Biker rast mit Wheelie in Fotofalle
Weitere extreme Verstöße registrierte 2023 auch die Polizei, die die Kontrollen der Stadt mit weit weniger Geräten ergänzt. Den Rekord lieferte ein Honda-Kradfahrer, der auf der Lipperandstraße 218 Sachen drauf hatte – dort gilt Tempo 100. Auf der Hafenstraße wurde ein VW-Fahrer mit 110 km/h bei Tempo 50 geblitzt – die höchste von der Polizei innerhalb geschlossener Ortschaften gemessene Geschwindigkeit in 2023. Mit 143 km/h ging auf der Münsterstraße ein Yamaha-Biker in die Fotofalle, als er im August auf dem Hinterrad fuhr; dort gilt Tempo 70.
Wie gehabt sind die Einsätze der drei über die Stadt geleasten Enforcement Trailer (EFT, die gepanzerten Anhänger) am lohnenswertesten. Sie erfassten 2023 insgesamt rund 62.700 Fälle, nach 53.500 im Vorjahr. Rund 47.700 Blitze entfielen auf stationäre Messgeräte (primär Blitzsäulen), nach 58 600 im Vorjahr. Und knapp 20.100 Fälle wurden durch weitere mobile Messungen (Dreibeine) festgestellt, nach 24.600 im Vorjahr.
Weitere Trailer will die Stadt zwar nicht beschaffen, so Herberg. Allerdings sollen die älteren der 16 eigenen Messgeräte zeitnah gegen neuere Modelle ausgetauscht werden. Voraussichtlich im April werden an der Adenauerallee zudem zwei Blitzsäulen platziert. Sie werden andernorts entfernt; Neuanschaffungen sind auch in diesem Segment nicht geplant.
Blitzsäulen: Zollstraße bringt wieder Top-Zahlen
Mit Abstand am häufigsten lösten 2023 wieder einmal die Säulen an der Zollstraße in Uentrop aus, wo Tempo 50 gilt: 8624 Mal in Fahrtrichtung Süden und 6262 Mal in Richtung Norden (2022: 7 469 bzw. 7 960). Im Schnitt waren das täglich 41 Fälle. Die Top-3 wird ergänzt vom Standort Unnaer Straße: In Fahrtrichtung Bönen blitzte es genau 6935 Mal (2022: 8 124). Verschwindend gering ist dagegen die „Ausbeute“ der Säule am Südring und der Messkabine an der Dortmunder Straße mit 116 und 112 Fällen.
Achtung, Autofahrer: Hier wird in Hamm geblitzt!




Zur Altersverteilung der Zuschnellfahrer gibt es übrigens keine Daten. Weder würden entsprechende Statistiken geführt, noch wären entsprechende Angaben zielführend, meint Herberg. Begründet wird das so: „Wenn zum Beispiel ein (älterer) Fahrzeughalter seinem frisch erwachsenen ‚Kind’ das Auto zur Verfügung stellt, dann wird im Verwarngeldverfahren durch Zahlung des Verwarnungsgeldes das Verfahren abgeschlossen. ‚Übeltäter’ wäre der ältere Fahrzeughalter, obwohl ein deutlich jüngerer Fahrer damit unterwegs war. Die Statistik wäre somit fehlerhaft.“
Die neuen Tempo-30-Zonen
Die zahlreichen neu definierten Tempo-30-Zonen wurden vom Gros der Fahrzeugführer überraschend gut akzeptiert. Es seien nur vereinzelt „echte Ausreißer“ festgestellt worden, heißt es aus dem Rathaus. Warum man bei der Stadt glaubt, dass die Verstoßzahlen tendenziell heruntergehen werden, soll ein Vergleich zeigen: „Vom 23. bis 30. November 2022 (insgesamt acht Tage) erfolgte auf der Ludwig-Teleky-Straße der erste Trailer-Einsatz in dem damals noch relativ neuen Tempo-30-Bereich in Höhe des Perthes-Hauses. Dabei wurden 1758 Verstöße dokumentiert, dies waren ca. 220 Verstöße/Tag. Vom 15. bis 22. Mai 2023 (ebenfalls acht Tage) erfolgte der zweite Trailer-Einsatz in diesem Bereich. Hier wurden dann 1160 Verstöße insgesamt dokumentiert. Dies waren ca. 145 Verstöße/Tag, also ein deutlicher Rückgang gegenüber dem ersten Einsatz.“
Blitzer sollen für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen. Manche Autofahrer versuchen sich aber mit Hilfsmitteln vor den Bußgeldern zu drücken. Aber nicht alle sind auch legal.
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