Suche nach Investor

Insolvenz von Traditionsunternehmen: 1500 Mitarbeiter werden informiert

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Gerhardi sucht weiter einen Investor. Die Produktion läuft, die Belegschaft ist informiert – ein Abschluss im April wäre ideal, ist aber noch offen.

Lüdenscheid – Die Suche nach einem Investor läuft bei der Gerhardi Kunststoff GmbH weiter auf Hochtouren. Am Dienstag, 25. März, informierten der Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos (White & Case) und seine Mitstreiter bei der Sanierung des insolventen Unternehmens die Belegschaft im Rahmen von Betriebsversammlungen in Ibbenbüren und Rosmart über den Stand der Dinge.

Insolvenz von Traditionsunternehmen: 1500 Mitarbeiter werden informiert

Hoos war dabei selbst in Ibbenbüren vor Ort. Die Versammlungen liefen zeitgleich ab. „Alle Mitarbeiter sollen gleichzeitig informiert werden“, stellt Dr. Hoos auf Anfrage fest. Schon allein deshalb, weil es kein Stille-Post-Spiel zwischen den Standorten geben soll. Hoos hatte zuletzt auf Rosmart bei der Betriebsversammlung die Informationen weitergegeben, diesmal wechselte er den Standort. Grundsätzlich Neues allerdings gab es eigentlich gar nicht. Zwar hatte Hoos Anfang Februar nach Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens festgestellt, dass er hoffe, „dass wir Ende März/Anfang April zu einem Abschluss kommen“. Diese Hoffnung hat sich bisher allerdings noch nicht erfüllt.

Die Investorensuche geht bei der Gerhardi Kunststoff GmbH weiter. Am Dienstag informierte Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos die Belegschaft über den Stand der Dinge.

„Es sind weiterhin mehrere Investoren im Rennen“, stellt Dr. Hoos nun fest, „diese Investoren führen aktuell weiter Gespräche – sowohl mit uns als auch mit den Kunden der Gerhardi Kunststoff GmbH.“ Letztlich geht es dabei auch für den Investor auch darum, abzuklopfen, zu welchen Konditionen er in Zukunft die Produktion planen kann. Dass diese Produktion eine Zukunft hat, zeigt die Gegenwart: An Arbeit mangelt es dem Unternehmen, das Ende November einen Insolvenzantrag gestellt hatte, nämlich keineswegs. Die Produktion läuft.

Zur Erinnerung: Seit Antragstellung im November wird an der Schlittenbacher Straße jeder Stein umgedreht, um dem Automobil-Zulieferer und den 1500 Beschäftigten einen Weg in die Zukunft zu weisen. Im Januar hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass dieser Weg in die Zukunft nicht ohne Personalabbau möglich sei: Insgesamt sind 137 Mitarbeiter vom Stellenabbau betroffen, davon 37 am Standort Lüdenscheid/Rosmart. In Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall sollen die Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden, was die Bildung einer Transfergesellschaft einschließt.

Insolvenzverwalter bleibt zuversichtlich

Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Februar bekommt das Unternehmen kein Insolvenzgeld mehr vom Staat. Seitdem müssen die Löhne wieder selbst gezahlt werden. „Ich habe keinen Zweifel, dass uns dies zusammen mit unseren Kunden gelingen wird“, hatte Dr. Hoos Anfang Februar festgestellt. In der Zeit bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens habe Gerhardi weiter produziert und sich so den „nötigen Speck angefressen“, um die Zeit zu überbrücken, bis ein Investor gefunden ist. Dass im Moment noch kein Investor feststehe, müsse den Beschäftigten keine Sorge bereiten.

Es sind noch mehrere Investoren im Rennen. Diese Investoren führen aktuell weiter Gespräche – sowohl mit uns als auch mit den Kunden der Gerhardi Kunststoff GmbH.

Dr. Jan-Philipp Hoos (Insolvenzverwalter)

An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert, auch wenn die Investorensuche noch nicht abgeschlossen ist. Dr. Hoos schaut weiterhin zuversichtlich auf mögliche Lösungsoptionen. Dass es aktuell diese Lösung noch nicht gibt, hänge auch von der allgemeinen Situation ab. „Es gibt einige Unternehmen in der Automobil-Zuliefer-Branche, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie die Gerhardi Kunststoff GmbH“, erklärt Dr. Hoos. Das bedeutet: Es ist viel Bewegung im Markt, viele Unternehmen buhlen um Investoren, die Investoren schauen sich viele Unternehmen an. Es gibt viele Möglichkeiten. Dr. Hoos indes ist fest davon überzeugt, dass das Lüdenscheider Unternehmen mit seinen Kunden und seinem Angebot in diesem Wettbewerb sehr gut aufgestellt ist.

Ein Abschluss im April würde Dr. Jan-Philipp Hoos natürlich gut gefallen. Er macht allerdings klar: „Die Suche nach dem Investor wird so lange laufen, wie es nötig sein wird.“ Er sagt dies in der festen Überzeugung, dass es am Ende eine gute Lösung geben wird.

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

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