Essengehen wird teurer

19 Prozent Mehrwertsteuer: Was das Lieblingsschnitzel jetzt kostet

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Die Gastronomie in Welver stellt sich auf den Mehrwertsteueranstieg ein. Neue Speisekarten sind bereits in Druck. Was bedeutet das für den Preis des Lieblingsschnitzels?

Welver – Die Gastronomen in Welver drucken neue Speisekarten – und kalkulieren neu. Die Rückkehr zur 19 Prozent Mehrwertsteuer wird sich wohl auch bei den Preisen für das Schnitzel widerspiegeln.

Viele Gastronomen geben die gestiegene Mehrwertsteuer an die Kunden weiter. Bei Anges Gasthof kosten die Schnitzel-Gerichte jetzt 16.60 Euro - an der Qualität des Essens will die Wirtin nicht sparen.

„Ich habe Anfang des Jahres die Speisekarte angeglichen“, berichtet Ange Pier-Ribbert vom Restaurant Anges Gasthof Witteborg und erklärt, weshalb sie keine andere Wahl hat als zu erhöhen. „Das Mehrwertsteuer-Plus geht ja ans Finanzamt dann.“

Preise für Klassiker wie Tafelspitz angepasst, Grünkohlkarte bleibt konstant

Angepasst hat die Wirtin zunächst die Preise für die Klassiker wie Tafelspitz, Suppen, Desserts oder Schnitzel. Statt 14.90 Euro kosten die Schnitzel mit Champignon-Rahmsauce oder gebräunten Zwiebeln – beide Gerichte inklusive Salat und Bratkartoffeln – nun 16.60 Euro.

„Auf die bisherigen sieben habe ich 12 Prozent drauf gegeben“, sagt Pier-Ribbert und erläutert, weshalb ein Schnitzel bei ihr in Dinker noch nicht 20 oder 30 Euro kostet, wie in manchen Großstädten. „Es muss attraktiv bleiben, dass die Leute zum Essen ins Dorf kommen. Das geht nur über Qualität und den Preis.“ Den Qualitätsanspruch habe sich die Wirtin auf die Fahnen geschrieben. „Wenn ich die halten will, bleibt mir nichts anderes übrig, als die Preise anzugleichen.“ Beibehalten wurden die Preise auf der Grünkohlkarte.

Mehrwertsteuer nicht die einzige Steigerung

Dreieinhalb Jahre lang mussten Restaurants und Cafés nur sieben Prozent Mehrwertsteuer auf alles, was für Speisen berechnet wird, an den Staat abführen. Zum Jahreswechsel ist die Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent gestiegen. Nicht die einzigen Mehrausgaben für die Gastronomie: Die CO2-Steuer steigt von 30 auf 45 Euro. Der Mindestlohn soll 2024 auf 12,41 Euro steigen, hinzu kommen die Preissteigerungen bei den Energiekosten. „Die Zulieferer müssen ja auch höhere Abgaben zahlen. Kühlhäuser und Lkw sind teurer“, so Pier-Ribbert. Selbst für die Tischwäsche, die durch Mangel und Trockner ja viel Energie frisst, müsse jetzt tiefer in die Tasche gegriffen werden. „Wir sind ja noch ein traditioneller Gasthof mit Tischdecken.“

Wie die ersten Gäste auf die neuen Preise reagiert haben? „Das kann die Wirtin nicht sagen, nicht immer gibt es eine Reaktion“, so Pier-Ribbert und hofft, dass ihre Stammgäste weiterhin die Treue halten werden und wünscht sich ein schönes Gartengeschäft wie im Sommer. Am 27. Januar findet im Gasthof in Dinker wieder das beliebte Pferdefleisch-Essen statt.

Ange Pier-Ribbert vom Restaurant Anges Gasthof Witteborg hat die Speisekarte angeglichen.

Ein wenig bange blickt die Wirtin dennoch in die Zukunft. „Wir bewegen uns in unsicheren Fahrwassern. Die Leute wollen zwar raus gehen, aber man muss schauen, wie häufig sie dass dann wirklich noch machen.“ Wie auch schon während Corona-Zeiten kann beim Gasthof Witteborg auch weiterhin Essen abgeholt werden.

Wer im Restaurant isst, zahlt mehr für den Burger

Wenn Speisen geliefert oder abgeholt werden, unterliegen sie weiterhin einer Umsatzsteuer von sieben Prozent.

Daher arbeiten einige Restaurants mit unterschiedlichen Preisen. Wer seinen Burger im Restaurant „Chefkoch“ essen möchte, zahlt im Schnitt einen Euro mehr. „Wir können bei 19 Prozent Mehrwertsteuer nicht den gleichen Preis im Restaurant anbieten“, sagt Inhaberin Selma Yalcin.

Erst im Oktober 2023 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Cengiz Yalcin den Laden eröffnet – als zweites und vor allem wetterunabhängiges Standbein neben ihrem Eiscafé Venezia an der Werler Straße. Das Eiscafé werde derzeit renoviert und öffne wieder, wenn das Wetter für die kalte Süßspeise mitspielt. Die Preise auf dem niedrigen Level zu halten, wie die beiden es zur Eröffnung gehandhabt haben, gehe jetzt nicht mehr. „Es ist ja alles teurer geworden“, berichtet Selma Yalcin vom eher mühsamen Restaurant-Start und den Preissteigerungen.

Gyrosteller kostet im Schnitt 50 Cent mehr

Rajbir Khinda, Inhaber vom Sonu Grill Haus wird ebenfalls neu kalkulieren und mit einer unterschiedlichen Preisgestaltung arbeiten. Wer im Restaurant isst, zahlt 12 Prozent mehr. Der Gyrosteller werde dann im Schnitt 50 Cent mehr kosten, der Preis lag vor dem Comeback der 19-Prozent-Mehrwertsteuer bei 13 Euro.

Beim China Restaurant Li überlegt Xiaojuan Li noch, wie sie mit der höheren Mehrwertsteuer umgeht. Gedruckt sind die neuen Speisekarten noch nicht. „Natürlich ist das teuer, aber es bleibt einem nichts übrig die 19 Prozent hinzunehmen, wenn es so gesetzlich beschlossen wurde.

Es muss attraktiv bleiben, dass die Leute zum Essen ins Dorf kommen. Das geht nur über Qualität und den Preis.

Ange Pier-Ribbert Wirtin Anges Gasthof Witteborg

Jörg Quante vom Landgasthaus Schlotmann überlegt ebenfalls noch, wie er mit der höheren Mehrwertsteuer umgeht. „Wir müssen gucken“, sagt Quante. „Da ich aber die Karte schon etwas umgestrickt habe, werde ich die Preise wohl erst mal so belassen.“ Schließlich habe er die Preise für die Speisen bereits während Corona und wegen der gestiegenen Energiepreise angepasst. Und der Inhaber hat vorgesorgt: „Ich habe mich auf die gestiegene Mehrwertsteuer vorbereitet, indem ich eine alternative und günstigere Möglichkeiten gesucht habe, um einzukaufen“, berichtet er. So hofft er, die Umsatzmarge halten zu können.

Darum pausiert bei Schlotmann das À-la-carte-Essen

Seit dem 1. Januar hat das Landgasthaus Schlotmann das À-la-carte-Geschäft eingestellt – vorübergehend. „Wir befinden uns im Moment im Wintermodus und bald steht erst mal Urlaub an.“ Gespeist werden kann bei Schlotmann nur nach Anmeldung in Gruppen ab zehn Personen. Mit der Mehrwertsteuer habe das nichts tun, sondern eher mit dem Nachhaltigkeitsgedanken: „Ich kann vorangemeldete Sachen vorbereiten und dafür einkaufen und muss nicht hinterher drei Viertel wegschmeißen.

Wenn wieder mehr Radfahrer oder Spaziergänger am Restaurant in Vellinghausen-Eilmsen vorbeikommen, soll À-la-carte wieder möglich sein und auch der Biergarten wieder öffnen. „Man muss immer schauen, dass sich alles die Waage hält“, sagt Quante und ist froh, Hotel, Festsaal, Restaurant und Biergarten zu haben. „Eins läuft immer.“

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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