- VonStefan Gehreschließen
Nach dem Großbrand auf dem Zechengelände Heinrich Robert dürfen 24 Personen nun erst einmal nicht mehr in ihre Wohnungen.
Hamm - Der Brand des ehemaligen Kühlturms der Zeche Heinrich Robert hat gravierende Auswirkungen auf die Menschen im unmittelbaren Umfeld: Aufgrund des asbesthaltigen Ascheregens, der am Montagnachmittag, 4. November, auf ihren Grundstücken niedergegangen war, wurde gegenüber den Bewohnern von sieben Häusern an der Goerallee und der Hoppeistraße seitens der Stadt ein Betretungsverbot für ihre Häuser ausgesprochen.
24 Anwohner evakuiert: Feuer auf Heinrich Robert hat weitreichende Folgen
Betroffen waren 20 Erwachsene und vier Kinder. Wie die Stadt am Abend mitteilte, kamen sie bei Verwandten oder Bekannten oder – mit Unterstützung der Stadt – anderweitig unter. „Das Betretungsverbot haben wir zum Schutz der Bewohner angeordnet. Und wir tun alles dafür, damit die Betroffenen so schnell wie möglich wieder zurück in ihre Wohnungen können“, sagte Umweltdezernent Volker Burgard. Das habe Priorität. Erst danach sei das Zechengelände an der Reihe.
Grundlage für die „dringende Empfehlung“ des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv), das vorläufige Betretungsverbot auszusprechen, waren die Proben, die man in der Nacht zu Dienstag entnommen hatte. Es handelte sich dabei um asbesthaltige Bruchstücke, die von Abplatzungen der Verkleidungen des Kühlturms stammten. Neben Vertretern des Lanuv waren am frühen Dienstagnachmittag auch Vertreter der RAG, verschiedener Fachämter der Verwaltung, der Bergaufsicht und des beauftragten Gutachterbüros vor Ort, um mit den Betroffenen zu sprechen. Sie seien natürlich wenig erfreut gewesen, so Stadtsprecher Detlef Burrichter. Insgesamt sei die Lage aber ruhig gewesen.
Bereits an diesem Mittwoch, 6. November, wird eine Fachfirma mit der Reinigung der Grundstücke der identifizierten Wohnhäuser beginnen. In den Gebäuden werden zudem Wisch- und Luftproben genommen. „Bei positiven Befunden werden anschließend auch Reinigungen der Innenräume vorgenommen. Ferner werden Proben der auf den angrenzenden öffentlichen Flächen befindlichen belaubten Bäume genommen“, so RAG und Stadt in einer gemeinsamen Presseerklärung. Straßen und Gehwege in dem betroffenen Bereich seien bereits am Dienstag im Laufe des Tages von einer Fachfirma nass gereinigt worden.
Servicetelefon der Stadt weiter erreichbar – RAG richtet neue Hotline ein
Beim Servicetelefon der Stadt waren am Dienstag etwa zwei Dutzend Anrufe eingegangen. Daraus haben sich Hinweise auf weitere Niederschläge von möglicherweise ebenfalls asbesthaltigen Bruchstücken in der entfernter gelegenen Heidhof-Siedlung ergeben. Auch diesen Hinweisen geht das beauftragte Gutachterbüro nach. Begehungen der gemeldeten Grundstücke hat die RAG zugesagt. Betroffene Anwohner können sich weiterhin beim Servicetelefon 17-7235 der Stadt melden. Zusätzlich übernimmt ab diesen Mittwoch die RAG unter 0800-27 27 271 (montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr). Beobachtungen können außerdem auch unter der E-Mail-Adresse bergschaeden@rag.de gemeldet werden. Betroffene werden gebeten, ihre Beobachtungen möglichst mittels Fotografie zu dokumentieren und diese dann weiterzuleiten. Von einer eigenständigen Reinigung und Entsorgung wird dringend abgeraten.
„Das Betretungsverbot haben wir zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner angeordnet. Und wir tun alles dafür, damit die Betroffenen so schnell wie möglich wieder zurück in ihre Wohnungen können“, sagte Umweltdezernent Volker Burgard am Abend. „Wir bitten aber um Verständnis dafür, dass wir dazu die Freigabe der Fachexperten abwarten müssen.“ Ganz in dem Sinne werde mit Priorität Eins und unter Hochdruck an der Beprobung und Reinigung der angrenzenden Wohngrundstücke gearbeitet. Erst danach geht es an die Säuberungsarbeiten auf dem alten Bergwerksgelände.
Die Behörden stehen weiterhin mit den Anwohnern in Kontakt. Es werde alles getan, um die Unannehmlichkeiten für die betroffenen Anwohner so gering wie möglich zu halten, heißt es. Der weitere Prozess wird von der Stadt Hamm und der RAG Aktiengesellschaft engmaschig begleitet.
Feuer auf Heinrich Robert: Aus diesem Grund ging keine Warnung über Nina raus
Angesichts der gefährlichen Lage aufgrund des Feuers auf dem Zechengelände fragten sich viele Bürger, warum keine Warnung über die WarnApp Nina erfolgt ist. Einen Warnhinweis gab es lediglich auf der Homepage der Feuerwehr Hamm, aufgrund einer Meldung der Stadt Hamm warnten auch Medien wie wa.de. Wie Hamms Feuerwehrchef Daniel Hüwe sagte, hätten sich die Kollegen vor Ort gegen eine allgemeine Warnung ausgesprochen. Es sei windstill gewesen, über dem Kühlturm habe eine senkrechte Rauchsäule gestanden. Also sei man davon ausgegangen, dass der Ascheregen direkt auf dem Gelände niedergeht – und nicht in den 200 und mehr Meter entfernten Straßen.
Ihre Ermittlungen zur Brandursache abgeschlossen hat die Polizei: Sie geht aktuell nicht von einer Straftat aus. „Eine abschließende Beurteilung behält sich die Staatsanwaltschaft Dortmund vor.“
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