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Feuer auf Zechengelände in Hamm: Betretungsverbot für sieben Immobilien

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Auf dem Zechengelände Heinrich Robert in Hamm geriet am Montag ein Kühlturm in Brand. Das Unglück hat unerwartet weitreichende Folgen.

Update vom 5. November, 19:48 Uhr: Die Stadt Hamm hat gemeinsam mit der RAG Aktiengesellschaft weitere Informationen zu den Folgen des Brandes auf dem Zechengelände Heinrich Robert bekannt gegeben. Demnach lag der Fokus der Maßnahmen am Dienstag vor allem auf den angrenzenden, westlich gelegenen Siedlungsbereichen. In Teilen der Hoppeistraße und der Goerallee waren noch am Montagabend asbesthaltige Bruchstücke festgestellt worden, die aus der Abluftfahne niedergegangen waren. Davon wurden in der Nacht auf Dienstag Proben genommen.

Nach Brand auf Zechengelände: Betretungsverbot für sieben Immobilien im Umkreis

Auf dieser Grundlage hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) die „dringende Empfehlung“ ausgesprochen, für insgesamt sieben der betroffenen Immoblien ein vorläufiges Betretungsverbot auszusprechen. Über die Gefährdungseinschätzung haben die Verantwortlichen der Stadt Hamm gemeinsam mit Vertretern von Bergaufsicht, RAG LANUV und einem beauftragten Gutachterbüro die Bewohner in persönlichen Gesprächen vor Ort unterrichtet.

Feuerwehrleute am Dienstagvormittag bei Reinigungsarbeiten nahe dem Unglücksort.

Insgesamt mussten 24 Bewohner evakuiert werden, davon 20 Erwachsene und vier Kinder. Diese konnten bei Verwandten oder Bekannten unterkommen, oder wurden mithilfe der Stadt Hamm anderweitig untergebracht.

Update vom 5. November, 15.20 Uhr: Aufgrund des asbesthaltigen Ascheregens, der am Montagnachmittag auf mehrere Grundstücke niedergegangen ist, wurde Anwohnern der Goerallee und der Hoppeistraße vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) geraten, ihre Häuser zu verlassen und sich vorübergehend eine andere Bleibe zu suchen. Zunächst war von drei Häusern die Rede, womöglich wird die Empfehlung später am Tag auch weiteren Bewohnern ausgesprochen. (Das Gutachten und konkrete offizielle Informationen wurde bis zum späten Nachmittag noch immer nicht veröffentlicht.)

Unter anderem Mitarbeiter des Lanuv, verschiedener Fachämter der Verwaltung und Umweltdezernent Volker Burgard waren am frühen Dienstagnachmittag vor Ort, um mit den Betroffenen persönlich zu sprechen und sie über den aktuellen Stand in Kenntnis zu setzen. Sie seien natürlich wenig erfreut gewesen, so Stadtsprecher Detlef Burrichter. Insgesamt sei die Lage aber ruhig gewesen. Darüber hinaus stehe die Stadt im ständigen Austausch mit der RAG, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Vielerorts rund um das ehemalige Zechengelände liegen diese Asbest-Partikel.

Brand auf Zechengelände in Hamm: warum löste Nina nicht aus?

Update vom 5. November, 15.10 Uhr: Angesichts der gefährlichen Lage fragen sich viele Bürger, warum keine Warnung über die Warn-App Nina erfolgt ist. Einen Warnhinweis gab es lediglich auf der Homepage der Feuerwehr Hamm, aufgrund einer Meldung der Stadt Hamm warnten auch wa.de und die Lippewelle. Wie Hamms Feuerwehrchef Daniel Hüwe auf Anfrage unserer Zeitung sagte, hätten sich die Kollegen vor Ort gegen eine allgemeine Warnung ausgesprochen. Es sei windstill gewesen, über dem Kühlturm habe eine gerade Rauchsäule gestanden. Also sei man davon ausgegangen, dass der Ascheregen direkt auf dem Gelände niedergeht – und nicht in den 200 und mehr Meter entfernten Straßen. Dass es dazu da doch gekommen ist, sei einer besonderen Thermik gleich am Anfang des Brandes zu verdanken.

Update vom 5. November, 13.30 Uhr: Das brennend erwartete Gutachten des Lanuv (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen) zum brennenden Kühlturm auf dem ehemaligen Zechengelände liegt noch immer nicht vor. Es soll ausweisen, welche Art von Asbest bei dem Brand freigesetzt wurde (sprich: ob kaum oder sehr gefährlich). Davon hängen alle weiteren Maßnahmen ab, sowohl für die betroffenen Anwohner als auch für die beteiligten Feuerwehrleute. Das Lanuv hatte die entsprechenden Proben am Montagabend vor Ort entnommen. Ursprünglich war von einer Veröffentlichung am späten Vormittag die Rede gewesen.

Brand auf Zechengelände in Hamm: Video zeigt riesige Feuersäule

Update vom 5. November, 13 Uhr: Ein neues Video zeigt die riesige Feuer- und Rauchsäule, die am Montagnachmittag den Kühlturm umgab: hier klicken.

Update vom 5. November, 12.15 Uhr: Im Gespräch mit unserem Reporter zeigten sich Anwohner der Hoppeistraße und der Goerallee besorgt, laufen durch die Straßen und gucken in Vorgärten. In manchen Fällen seien Gärten, Dachrinnen, Autodächer, Anhänger, Wäschespinnen und natürlich Fugen mit Asbestresten voll. Man warte nun dringend auf die Laborergebnisse des Lanuv, um welche Art von Asbest es sich handelt.

Im Bereich der Unglücksstelle sind noch wenige Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit Masken dabei, letzte Schlauchleitungen zurückzunehmen und zu reinigen. Gleichzeitig haben Mitarbeiter der Baufirma die Arbeit am Gasometer offenbar ohne Schutzkleidung wieder aufgenommen.

Update vom 5. November, 11.35 Uhr: Die polizeilichen Ermittlungen nach dem Brandereignis sind abgeschlossen. Aktuell gehe die Polizei nicht von einer Straftat aus, heißt es in einer Mitteilung. Eine abschließende Beurteilung behalte sich die Staatsanwaltschaft Dortmund vor. Es seien weder Personenschäden noch Schäden an Fahrzeugen oder weiteren Gebäuden entstanden.

Der ausgebrannte Turm aus der Luft fotografiert. Das Bild stammt von Dienstagvormittag.

Update vom 5. November, 11.10 Uhr: Auch am Dienstagvormittag sind auf dem betroffenen Gelände Feuerwehrleute unterwegs, sie tragen weiße Schutzanzüge. Absperrungen sind nicht zu sehen.

Update vom 5. November, 10.25 Uhr: Nicht nur der Hoppeistraße und in der Goerallee wurden Asbest-Teile gefunden. Das Bruchstück auf unserem Foto unten stammt aus der Heidhof-Siedlung; es ist etwa so groß wie ein Untersetzer und wiegt etwa 15 Gramm. Der Finder hat es ohne Handschuhe angefasst. Auch bei seinen Nachbarn seien Bruchstücke heruntergegangen. Während Hoppeistraße und Goerallee direkt ans Bergwerk grenzen, liegt die Heidhof-Siedlung mehrere 100 Meter entfernt im Westen der Zeche.

Solcherlei Asbest-Stücke kamen in der Heithof-Siedlung herunter. zum Größenvergleich steht eine Untertasse daneben.

Ärger über Asbestfunde nach Brand auf Zechengelände

Wie berichtet, wurde gegen Mitternacht der Bereich Hoppeistraße/Goerallee gereinigt, aber offensichtlich nicht gründlich. Anwohner berichteten am Morgen gegenüber der WA-Redaktion davon, dass weiterhin Aschereste auf Straße und Gehwegen lagen. Die zeigten sich darüber ziemlich verärgert

Update vom 5. November, 9.30 Uhr: Ergebnisse der Laboruntersuchungen werden am späten Dienstagvormittag erwartet. Das teilte ein Stadtsprecher auf Nachfrage mit.

Update vom 5. November, 9 Uhr: Die Straßen und Bürgersteige der durch Aspekt-Trümmer verunreinigten Bereiche seien noch in der Nacht durch entsprechende Nass-Kehrmaschinen gereinigt worden, teilte ein Stadtsprecher mit. Die Ergebnisse der Laboruntersuchung werden im Lauf dieses Dienstags erwartet. Einstweilen gilt für betroffene Anwohner die bereits kommunizierte Hotline des Kommunalen Ordnungsdiensts unter 02381/177235. Unbekannt ist bis dato, was mit der Ausrüstung jener Feuerwehrleute passiert, die vor und damit einer direkten oder potenziellen Kontaminierung ausgesetzt waren. Seit 1970 werden Asbestfasern offiziell als krebserzeugend bewertet. Direkt eingeatmete Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen.

Asbest-Brocken wie dieser liegen überall um die Unglücksstelle herum auf dem Boden.

Update vom 4. November, 22.46 Uhr: Nach dem Brand auf dem Zechengelände Heinrich Robert, bei dem am Montag ein Kühlturm in Flammen stand, teilt die Stadt Hamm mit, dass teils asbesthaltige Bruchstücke und Abplatzungen der Verkleidung auf den Straßen und Zuwegen sowie in Vorgärten von rund 20 Grundstücken im Bereich der Hoppeistraße und der Goerallee liegen. Am Abend waren neben der Feuerwehr auch Fachleute des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) vor Ort, um unter anderem Proben zu nehmen.

Das noch recht aktuelle Foto zeigt die Lage des Kühlturms inmitten des früheren Zechengeländes und die Nähe zum Hammerkopfturm.

Asbest-Trümmer nach Brand auf Zechengelände: Nicht anfassen

Die Ergebnisse werden nach Stadtangaben zwar erst am Dienstag, 5. November vorliegen. Dennoch könne nach aktuellem Stand gesagt werden, „dass keine akute Gefahr von den verunreinigten Teilen ausgeht“. Allerdings sollten Anwohner die herumliegenden Teile nicht anfassen und die Bereiche nach Möglichkeit am Dienstag meiden. „Konkrete Entsorgungshinweise können wir erst geben, wenn die Ergebnisse der Laboruntersuchung vorliegen“, heißt es weiter.

Für betroffene Anwohner wird das Ordnungsamt der Stadt Hamm ab Dienstagmorgen, 5. November, um 7 Uhr unter der Rufnummer 02381/177235 eine Service-Hotline einrichten.

Das Foto zeigt die Dekontaminationsstation der Feuerwehr am Montagabend.

Nach Angaben der Stadt konnte ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäudeteile durch die Feuerwehr verhindert werden. Während des Einsatzes hat sich ein Feuerwehrmann leicht an der Hand verletzt.

Kühlturm auf Zechengelände Heinrich Robert in Hamm in Flammen

[Erstmeldung] Hamm – Dramatische Szenen spielten sich am Montagnachmittag, 4. November, im CreativRevier Heinrich Robert in Hamm ab: Bei Rückbauarbeiten war der Kühlturm in Brand geraten. Dem schnellen Eingreifen eines Kranführers und der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass es nicht zu einer Katastrophe kam. Auch das Wetter – es war windstill – spielte den Einsatzkräften in die Karten.

Wie eine Fackel loderte der Kühlturm am frühen Montagnachmittag.

Als die Einsatzkräfte gegen 15:30 Uhr am Einsatzort eintrafen, brannte der mit Holz verkleidete Kühlturm bereits in voller Ausdehnung. Als das Feuer ausbrach, befanden sich noch drei Arbeiter in dem Turm, genauer gesagt in einer Art Korb, der an einem Kran hing. Sie hatten die Aufgabe, die Asbestplatten im Inneren zu demontieren, wobei der Brand offensichtlich ausbrach. Zum Glück hatte der Kranführer das Feuer früh bemerkt und konnte den Korb herausziehen – und vermutlich damit seinen Kollegen das Leben retten.

Aber auch die Feuerwehr stand vor einem Problem: Ganz in der Nähe des Kühlturms befanden sich ein Tank und mehrere Gasflaschen. „Wir mussten verhindern, dass die Flammen auf sie übergreifen“, so Einsatzleiter Markus Coendjaerts. Durch den Einsatz von sechs C- und zwei B-Rohren und einen massiven Wasserangriff habe man das verhindern können. Ebenso sei es gelungen, ein Übergreifen der Flammen auf die an den Kühlturm grenzende Maschinenhalle zu verhindern. „Das alles hatte für uns Priorität“, so der Einsatzleiter.

Riesige Feuersäule war in weiten Teilen der Stadt zu sehen – LANUV und Umweltamt vor Ort

Nach Angaben der Feuerwehr schlugen die Flammen bis zu zehn Meter in die Höhe, die riesige Feuersäule war in großen Teilen der Stadt zu sehen. In den sozialen Medien posteten zahlreiche Nutzer entsprechende Fotos. Im Umkreis des Turms – laut einem WA-Reporter vor Ort mindestens 100 Meter – war ein Aschenflug von mitunter handflächengroßen Stücken sichtbar. Da diese möglicherweise mit Asbest versetzt waren, war auch das Umweltamt der Stadt vor Ort. Nach Angaben der Feuerwehr trafen zudem noch Spezialkräfte vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) in Hamm ein, um die Lage hinsichtlich des Asbests zu prüfen. Die Ergebnisse der Untersuchung will die Feuerwehr voraussichtlich noch am Abend mitteilen.

Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot zur Unglücksstelle aus.

Die Feuerwehr bekam den Brand des Kühlturms, der sowieso abgerissen werden sollte, relativ schnell in den Griff. Die Nachlöscharbeiten zogen sich bis in den Abend hin. Die Feuerwehr Hamm war mit rund 60 Kräften der Hauptwachen 1 und 2 sowie der Freiwilligen Feuerwehren aus Heessen, Herringen, Pelkum, Rhynern und dem Westen vor Ort. Auch die Sonderheit Information und Kommunikation sowie die ABC-Erkunder waren im Einsatz. Zur Unterstützung der Brandbekämpfung war eine Drohne im Einsatz, die eindrucksvolle Bilder vom Inneren des Kühlturms lieferte.

Obere Stahlkonstruktion des Kühlturms „stark einsturzgefährdet“

Noch während der Löscharbeiten wurde der Bereich um den Kühlturm abgesperrt, da dessen obere Stahlkonstruktion nach Angaben der Feuerwehr „stark einsturzgefährdet war“.

Menschen kamen bei dem Brand zum Glück nicht zu Schaden, auch an den umliegenden Gebäuden, die teilweise unter Denkmalschutz stehen, gab es keine Schäden – von einigen geborstenen Scheiben einmal abgesehen. Beschädigt wurde auch ein Lkw, der in der Nähe des Brandherdes stand.

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