Untersuchungsausschuss

Marode A45-Brücke bei Lüdenscheid: Wasserschaden schon seit 1975 bekannt

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Die gesprengte A45-Brücke bei Lüdenscheid war maroder als angenommen. Lange bekannte Schäden wurden offenbar nicht saniert. Ein Experte legt eine lange Mängelliste vor.

Düsseldorf – Die Sperrung der Rahmedetalbrücke der A45 bei Lüdenscheid am 2. Dezember 2021 kam für die Brückenprüfer überraschend. Sie war aber aufgrund schwerwiegender Schäden alternativlos. Offenbar waren in der Vergangenheit festgestellte Schäden nicht saniert worden. Das sind die Ergebnisse einer mehrstündigen Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, die am Montag, 20. November, im NRW-Landtag stattfand.

BauwerkRahmedetalbrücke
AutobahnA45
Eröffnung1968
Sprengung7. Mai 2023

Marode Rahmedetalbrücke: Erste Schäden an A45-Bauwerk seit 1975 bekannt

„Es war wohl nur Glück, dass hier kein Ereignis wie in Genua passiert ist“, kommentierte der Lüdenscheider SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas die Ausführungen von Michael Wiedemann. Der Bauingenieur vom Hagener Büro Weihermüller und Vogel hatte 2021 eine objektbezogene Schadensanalyse durchgeführt. Die seit 2021 zuständige Autobahn GmbH wollte die Restlebensdauer des Bauwerks ermitteln.

Die gesprengte A45-Brücke bei Lüdenscheid war maroder als angenommen. Lange bekannte Schäden wurden offenbar nicht saniert. Ein Experte legt eine lange Mängelliste vor.

Wiedemanns Untersuchungen zeigten neben Beulen unter anderem gerissene Schweißnähte, Korrosionsschäden und eine undichte Entwässerungsleitung, die bereits 1975 erstmals festgestellt worden war. Unterm Strich stellte der 43-jährige Ingenieur einen „instabilen Zustand“ fest. Ein Versagen der Brücke sei „unmittelbar oder in ferner Zukunft möglich“ gewesen. Am 7. Mai 2023 wurde die Rahmedetalbrücke unter bundesweitem Interesse gesprengt. Mittlerweile der Zeitplan für den Wiederaufbau der wichtigen A45-Brücke fest.

Rahmedetalbrücke: „Wohl nur Glück, dass hier kein Ereignis wie in Genua passiert ist“

Neben Wiedemann hörte der Ausschuss zwei weitere Brückenprüfer. Beide zeigten sich überrascht von der Vollsperrung. Die Zustandsnote 3,0 habe „keinen extremen Handlungsbedarf bedeutet“, sagte Karl-Heinrich Matern, der 2020 eine einfache Prüfung der Brücke durchgeführt hatte. „Das Voranschreiten von Schäden ist nicht zu prognostizieren“, sagte Thorsten Ziolek, der die Hauptprüfungen der Rahmedetalbrücke in den Jahren 2011 und 2017 durchgeführt hat. Beide Prüfer betonten, dass sie bei ihren Prüfungen nie beeinflusst worden seien. Die Zustandsnote ermittle ein Programm anhand der festgestellten Schäden.

Die nächste Sitzung des Ausschusses findet am 29. Januar 2024 statt. Es fehlen weiter Unterlagen aus dem Bundesverkehrsministerium. Das Ministerium arbeite mit Hochdruck an der Übersendung in digitaler Form, versprach die aus Berlin angereiste Staatssekretärin.

Rubriklistenbild: © Dieter Menne/dpa

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