Nach über zwei Jahrzehnten

Ältester Meilen-Wirt hört auf: Lepper schließt das „Cheyenne“

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Heinz und Uschi Lepper vor ihrem „Cheyenne“. Das Foto entstand Ende 2015.
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Nach mehr als zwei Jahrzehnten schließt auf der Meile in Hamm das Kultlokal „Cheyenne“. Für Heinz Lepper ist es nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

Hamm – Neun „Törchen“ öffenen sich noch im „Cheyenne“ auf der Südstraße, dann ist Schluss. Am 6. Januar ist letzter Tag, dann schließt Wirte-Urgestein Heinz Lepper seinen Laden nach knapp 22 Jahren für immer zu. Aufwand und Ertrag ständen in keinem Verhältnis mehr, sagt der 68-Jährige. Er ist der dienstälteste Gastronom auf der Ausgehmeile. „Es wird derbe wehtun“, sagt seine Frau Uschi, die lange Jahre mitgearbeitet hat.

So viele Erinnerungen hängen für die Leppers am „Cheyenne“ und auch an der Zeit vor dem eigenem Betrieb. Die Arbeit in der Gastronomie hat das Leben des Paares seit gut 40 Jahren entscheidend begleitet. 48 Jahre sind Heinz und Uschi Lepper verheiratet. „Wir werden am 6. Januar wohl eine Zehnerpackung Tempo brauchen“, sagt Uschi Lepper.

Aus fürs „Cheyenne“ auf der Meile: Jetzt ist die Familie dran

Nach einem gesundheitlichen Rückschlag kann sie ihren Mann im Betrieb nicht mehr unterstützen wie früher. „Da hat mir meine Frau immer den Rücken frei gehalten. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Heinz Lepper. Wenn nicht beide an einem Strang gezogen hätten, wäre ein von der Gastronomie bestimmtes Leben kaum möglich gewesen. Darin sind sich beide einig.

„Jetzt ist meine Familie dran“, sagt Heinz Lepper, der vor 40 Jahren als Zapfer auf dem Schützenfest in Osterflierich eigentlich nur ein paar Mark dazuverdienen wollte. Beruflich abgesichert war Lepper schon über seine Tätigkeit auf der Zeche. Aus dem Gelegenheitsjob wurde mehr: regelmäßig Schützenfeste und andere Anlässe und schließlich der Einstieg in der „Bierbörse“, dem Vorgänger vom „Cheyenne“. Der Pütt lief immer parallel, seine Alterssicherung wollte er nicht aufs Spiel setzen.

Dauerbrenner: das „Cheyenne“ auf der Südstraße.

Aus fürs „Cheyenne“ auf der Meile: Publikum stark verändert

Bei aller Wehmut sehen sich die Leppers seit längerer Zeit mit einer veränderten Gastronomie-Landschaft konfrontiert. Uschi Lepper sagt heute: „Wenn die Situation vor 22 Jahren schon so gewesen wäre, hätten wir gar nicht erst angefangen.“ Das Publikum und das Ausgehverhalten hätten sich grundlegend verändert.

Nach Corona seien viele der alten Kunden nicht mehr in der Regelmäßigkeit gekommen wie vor der Pandemie. „Vorglühen“ gehöre zum Ausgehritual, der Besuch in der Kneipe sei auf die Stunden nach Mitternacht verschoben worden. An zwei Öffnungstagen Erträge für die ganze Woche zu erwirtschaften, sei unrealistisch geworden. Hinzu kämen das frühere Aus für die Strom- und Gaspreisbremse, steigende Löhne und Preise sowie eine Rückzahlung von Corona-Hilfen, die ihnen bevorstehe. Unterm Strich bedeute das: keine Perspektive zum Weitermachen (erstmals dämmerte ihnen das schon Ende 2015, Bestand hatte der Abschiedswunsch damals nicht).

Aus fürs „Cheyenne“ auf der Meile: mehr Einigkeit ein Muss

Um der Südstraße wieder mehr Glanz zu verleihen, müssten laut Lepper mehr gemeinsame Veranstaltungen stattfinden und Einigkeit unter Wirten und Betreibern herrschen. Videobeobachtung, wie sie in Hamm punktuell möglich werden soll, stehe er offen gegenüber. Die Polizei sei bei Alarmierung jetzt aber schon deutlich schneller vor Ort als früher.

Geöffnet ist vor Weihnachten freitags und samstags, Heiligabend, Silvester und danach am Samstag, 6. Januar. Eine Nachfolge stehe noch nicht fest, so Lepper.

Noch ein Meilen-Kultlokal: Seit viel zu langer Zeit gammelt das einst so beliebte „Jonathan“ auf der Meile unerbittlich vor sich hin. Inzwischen plant der Eigentümer den Abriss und einen Neubau.

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