Kritik an Polizei

Abzocke oder berechtigte Blitzer-Aktion vor Kita „Sara“ an Kamener Straße?

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Um die Autofahrer auf das neue Tempolimit in Höhe der Kita „Sara“ hinzuweisen, wurde eine „Blech-Polizistin“ aufgestellt.
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Es ist aktuell eines der Aufregerthemen im Stadtbezirk Pelkum: der Tempo-30-Bereich vor der neuen Kita „Sara“ an der Kamener Straße und die Tempomessung, die die Polizei nur wenige Tage nach Aufstellen der Schilder dort durchgeführt hat.

Daberg –Diskutiert wird aber auch, ob es überhaupt Sinn macht, eine Kita direkt an einer solch stark befahrenen Straße wie der Kamener Straße zu errichten. Schon deren Bau stand unter keinem guten Stern.

Seit dem 8. August darf in einem rund 300 Meter langen Abschnitt im Umfeld beziehungsweise in Höhe der Kita nur noch 30 statt Tempo 50 gefahren werden. Bereits am 11. August führte die Polizei eine Tempo-Messung durch – und viele „Gewohnheitstiere“ tappten prompt in die Radarfalle. Innerhalb von nur zweieinhalb Stunden wurden rund 1 400 Autos gemessen, davon waren 26 Prozent zu schnell unterwegs. Wenige Tage später wurde dort erneut die Geschwindigkeit gemessen. Nach Angaben der Polizei wurden zwischen 7.30 und 10 Uhr 372 Autos geblitzt, davon fast die Hälfte im Ordnungswidrigkeitsbereich. Sie waren also mindestens 21 Kilometer in der Stunde zu schnell. Wie Polizeisprecher Hendrik Heine sagte, sei den Kollegen nicht bewusst gewesen, dass die Stadt das Tempo-30-Schild erst wenige Tage zuvor aufgestellt hatte. Grundsätzlich sei es aber so, dass es vom ersten Tag an zu beachten sei.

Kita Sara: Stadt wartet erst einmal ab

Das betonte auch Stadtsprecher Tom Herberg. Allerdings: Bei einer solch großen Veränderung gewähre die Stadt den Autofahrern eine Eingewöhnungsphase von vier bis sechs Wochen. Heißt: „Auch wir werden in dem Bereich messen – aber erst ab etwa Mitte September.“

Der Reaktionen der Autofahrer auf die Einrichtung von Tempo 30 und die Messungen fielen unterschiedlich aus. Einige sprachen von „Abzocke“ und verwiesen auf die Bedeutung der Kamener Straße. Andere begrüßten die Maßnahme. Und immer wieder war zu lesen: Diejenigen, die sich an die neue Geschwindigkeit halten, werden oft von anderen Autofahren bedrängt. Befürworter und Gegner von „Tempo 30“ hielten sich etwa die Waage.

Kita Sara: Blech-Polizistin im Einsatz

An dem Tag, an dem die Polizei das erste Mal maß, stand übrigens ein Autotransporter gegenüber der Radarfalle, um Autos auf- beziehungsweise abzuladen. Er stand im Halteverbot und links neben einer durchgezogenen Linie. Wie ein Anwohner schilderte, hätten solche Transporter bislang auf dem Parkstreifen vor dem Autohaus gestanden. Inzwischen parkten dort aber die Mitarbeiter der Kita. Dass so viele Autofahrer in die Radarfalle getappt sind, wundere ihn nicht. Auch seine Aufmerksamkeit habe der Gefahrensituation mit dem Lkw gegolten, das Tempo-30-Schild habe er übersehen. Dennoch: „Drei Tage nach einer Tempo-Begrenzung eine Radarfalle aufzustellen, ist schon unverschämt. Es gibt Blech-Schutzmänner in Lebensgröße, die darunter gehören und unübersehbar sind“, schreibt er.

Zumindest das ist inzwischen geschehen. Seit Ende voriger Woche stehen unter den Schildern zwei Blech-Polizistinnen, um die Autofahrer auf Tempo 30 hinzuweisen. Aber selbst wenn sich alle Autofahrer daran halten würden: „Es bleibt trotzdem gefährlich“, so der Anwohner weiter. Lkw werden jetzt immer auf der Kamener Straße parken müssen, um sie be- beziehungsweise entladen zu können. Dazu kämen noch Eltern, die ihre Kinder abholen und bringen und sich auf den Parkstreifen stellen. Ihre Fahrertür machten sie Richtung Kamener Straße auf.

Das müssen Autofahrer beachten

Der 300 Meter lange Tempo-30-Bereich an beziehungsweise im Umfeld der Kita „Sara“ wirft Fragen auf. Einige Autofahrer fragen sich, wo er konkret endet. 300 Meter könne nicht jeder abschätzen, so ein Hinweis. Es wäre übersichtlicher, auch das Ende klar anzuzeigen. „Die Stadt ist ja sonst auch nicht so sparsam beim Aufstellen diverser Schilder.“ Laut Stadt endet der Tempo-30-Bereich (in Richtung Pelkum fahrend) an der Einmündung Auf dem Daberg. In Richtung Mitte gehe er bis kurz vor die Einmündung Herringer Weg. Als „ganz große Abzocke“ wurde der Umstand gewertet, dass Tempo 30 an allen Werktagen von 7 bis 17 Uhr gilt – also auch am Samstag. An diesem Tag gehe aber kein Kind in die Kita, hieß es.

Ähnlich äußert sich Ralf Kern, Administrator der Pelkumer Facebook-Gruppe: „Ich frage mich, muss man an einer solchen Straße eine Kita errichten? Das ist eine Hauptverkehrsstraße. Von der A2 kommen unendlich viele Pendler, um auf der Kamener Straße nach Hamm zu fahren. Und natürlich auch über den Daberg. Wie kann man nur solch eine Kita genehmigen?“ Es gibt allerdings auch andere Sichtweisen: „Witzig, wie hier geschimpft wird, dass da kein Kindergarten hingehört. Ich finde es eher mehr als sinnvoll, da in dieser Ecke sonst keiner weiter ist. Einfach 30 fahren und gut ist.“

Ein weiterer User stellte die Frage auf, was mit der Kita Don Bosco in Pelkum ist. Sie befindet sich ebenfalls an der Kamener Straße. Dort darf weiterhin Tempo 50 gefahren werden.

Kita Sara: „Problematische Situation“

Bezirksbürgermeister Axel Püttner ist sich der problematischen Situation auf dem Daberg bewusst. Nicht vergessen dürfe man den Radverkehr. Es seien daher weitere Maßnahmen in diesem Bereich geplant, darunter die „Trennung“ von Parkstreifen und Radweg.

Übrigens: Eine Rückerstattung der Verwarngelder von Seiten der Polizei wird nicht erfolgen. Dass stellte der Polizeisprecher klar.

Bei einer Radarkontrolle in Gelsenkirchen raste kürzlich eine junge Frau mit 95 Sachen durch die Innenstadt.

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