Dach ist nicht dicht

Wenn einmal der Wurm drin ist: Schon wieder Sanierungsarbeiten in Kita Sara

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Wieder ein Baugerüst an der Kita Sara: Das Dach des neuen Gebäudes muss schon saniert werden.
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Der Bau der Kita Sara war ohnehin schon zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Kaum sind die Kinder drin, regieren schon wieder die Handwerker. Das Dach ist undicht.

Hamm – Die gute Nachricht vorweg: „Wir gehen davon aus, dass der Kitabetrieb wie geplant starten kann, die Kinder nach den Ferien am 7. August voll einziehen können“, betont Architekt Engelbert Hagemeyer. Momentan ist das Gebäude an der Kamener Straße leer, weil die Caritas-Kita Sara Urlaub macht. 21 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahre waren erst kürzlich, Anfang Juli, eingezogen – mit einer Verzögerung von zwei Jahren. Eigentlich sollte die Weltentdecker-Kita ab Juli 2021 54 Kinder beherbergen.

Die „Restarbeiten“, wie Hagemeyer sie betitelt, am Dach wurden nötig, weil ein Wasserschaden auftrat. Momentan steht ein Baukran der Dachdeckerfirma Heinz Brinkmann vor dem Gebäude, transportiert Folie in einen Container.

Styroporplatten schwimmen im Wasser

Auf dem Dach reißen die Dachdecker das selbstklebende Material von der Grunddämmung. Die Styroporplatten schwimmen im Wasser. Undicht sei die PVC-Folie über der darüber liegenden Gefälledämmung gewesen, sagt Brinkmann-Vorarbeiter Andreas Berschauer. Beides haben seine Männer nun schon entfernt. „Dass Wasser ins Obergeschoss gelaufen ist, hat wohl die Dampfsperre verhindert“, vermutet Berschauer.

Alles muss runter: Andreas Berschauer verantwortet als Vorarbeiter der Firma Heinz Brinkmann aus Sassenberg die Sanierung des noch neuen Daches der Kita Sara.

Seit Mitte der vergangenen Woche sind die Handwerker auf dem Dach an der Kamener Straße. Das Vordach über dem Erdgeschoss ist bereits neu abgedichtet mit durchgehender EPDM-Folie, ebenso ein Balkon. Das Hauptdach wird in dieser Woche quasi neu aufgebaut. Berschauer plant Extra-Abläufe, um das „Schwimmbad“ schneller trocken zu legen. Die extra angefertigte neue Gefälledämmung komme bereits an diesem Montag, weiß der Fachmann. „Allerdings brauchen wir zwei, drei Tage gutes Wetter“, betont er.

„Am wichtigsten ist doch, dass das Ding fertig ist“

„Wir sind bereits der vierte Dachdecker hier“, sagt Berschauer und „bestaunt“ die Arbeiten der Vorgänger. Ein Ablaufschacht vom Flachdach zum Fallrohr ist mit einer einzigen Schraube befestigt, hängt schief und liegt nicht an der Wand an. Auf der Brüstung müsse man noch OSB-Platten anbringen, damit das Abschlussprofil Halt finde. Auch der Stahlbauer, der die Geländer fertigt und anbringt, hat Nacharbeiten zu leisten. Die seitliche Anbringung des Geländers der Außentreppe ins Obergeschoss war dem Statiker auf einmal nicht stabil genug. Er verlangte dicke Flansche, die auf die Treppe gesetzt werden. „Ich weiß ja nicht, was die rechnen“, fragt der Handwerker. Die erste Konstruktion hätte ein Auto gehalten.

„Problem erkannt, Gefahr gebannt“, bricht Hagemeyer, der erst im November 2022 vom Bauherrn aus Nottuln engagiert wurde, die Nacharbeiten herunter. „Am wichtigsten ist doch, dass das Ding endlich fertig wird.“ Ein wenig Erleichterung hört man heraus, als er betont, dass die Außenarbeiten vom Mieter Caritas beauftragt werden.

Rückblick: Eine Baugeschichte aus Pleiten, Pech und Pannen

Der Neubau der Caritas-Kita Sara an der Kamener Straße ist eine unendliche Baugeschichte aus Pleiten, Pech und Pannen. Ursprünglich sollte der Neubau im Oktober 2021 bezogen werden. Dann wurde der Start nach Insolvenz der zunächst engagierten Baufirma, dem anschließenden Verzicht auf einen Generalunternehmer, diversen Materiallieferschwierigkeiten, Arbeitsausfällen durch Coronainfektionen und der Vergabe von Einzelaufträgen für die ausstehenden Gewerke um zunächst ein Jahr verschoben. Gehalten wurde der Termin ebenfalls nicht. Die Eltern der für das Kitajahr 2022 angemeldeten Kinder wurden vertröstet, der Nachwuchs in Notfällen in anderen Caritas-Einrichtungen geparkt. 15 im Alter von eins bis sieben Jahren waren es im vergangenen Jahr, die in St. Anna unterkamen. Zuletzt war von einer Öffnung der Einrichtung im Frühjahr die Rede gewesen.

Anfang Juli wurde das Erdgeschoss der Caritas-Kita Sara bezogen, 21 Kinder wurden dort zunächst betreut. Das Obergeschoss ist war wegen der fehlenden Umrandung des Laubengangs noch nicht freigegeben. Nun, am 7. August, soll es endlich mit allen 54 Kindern richtig losgehen.

Die, die nicht schon eingeschult wurden, sowie ein Teil der Neuanmeldungen wechselten im Juli an die Kamener Straße. Zunächst mit einer Teilbelegung, weil das Obergeschoss des Gebäudes noch nicht freigegeben wurde. „21 Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren wurden dort zunächst im Erdgeschoss der Kita Sara betreut“, wie Anne Krause-Kirchhoff erklärte, die beim Caritasverband zuständig für Kitas und erzieherische Hilfen ist. Genutzt wurde dafür den Multifunktionsraum und den Gruppenraum II, der für die null- bis dreijährigen Kinder geplant ist. Die zweite Etage soll nun letztlich die zwei Gruppen I und III mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahre aufnehmen.

Start mit allen 54 Kindern hoffentlich am 7. August

Wenn nun alles gut geht, soll die neue Kita Sara mit dem Ende der Kita-Ferien am Montag, 7. August, in den normalen Betrieb mit insgesamt 54 Kindern gehen. „Es war sehr wichtig, den Eltern eine Perspektive aufzuzeigen“, unterstreicht Krause-Kirchhoff die Bedeutung der Zwischenlösung, Kinder in der Kita St. Anna aufzunehmen. Die Alternative wäre gewesen, die Kleinen stattdessen abzulehnen. „Die Eltern standen ja schon unter Druck, ihre Kinder unterbringen zu müssen, zum Beispiel, weil die Elternzeit auslief.“ Die Caritas sei zwar nur Mieter und für das Bau-Chaos nicht verantwortlich. „Aber wir mussten schon um unseren guten Ruf bangen“, so Krause-Kirchhoff. 

Ganz unabhängig von der Kita Sara: In Hamm sollen in den nächsten Jahren 20 weitere Kitas entstehen.

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