Besondere Geschichte

Deswegen hat ein Pferd in Gelsenkirchen ein eigenes Denkmal

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Alex, das letzte Grubenpferd, hat ein Denkmal in Gelsenkirchen. Seine Geschichte erzählt von einer vergangenen Ära im Ruhrgebiet.

Gelsenkirchen – An der Bahnanlage der ehemaligen Zeche Hugo in Gelsenkirchen (NRW) hat man Alex ein Denkmal gebaut. Mit einem großen kohleschwarzen Grabstein und seinem Porträt in Kupfer drauf. Rundherum wachsen Blumen. Auf dem Stein steht: „Alex, das letzte Grubenpferd“.

Vergessene Helden des Ruhrgebiets: Die Grubenpferde

Mit Grubenpferden im Ruhrgebiet ist es ein bisschen wie mit berühmten Künstlern: Sie werden oft erst nach ihrem Ableben oder Schaffen berühmt und geehrt. So ging es etwa dem Wallach Tobias, der erst an seinem letzten Arbeitstag auf der Zeche Blumenthal in Recklinghausen im Rampenlicht stand. Plötzlich waren da Fernsehteams und Presseleute, die seinen Abschied dokumentieren wollten. So viel Trubel hatte es in seinen zwölf vorherigen Arbeitsjahren nicht gegeben. Alex, das Grubenpferd der Zeche Hugo in Gelsenkirchen, bekam zu Lebzeiten nicht so viel Aufmerksamkeit. Dafür ist sein Denkmal unweit der Schalke-Arena heute kaum zu übersehen.

Das Grubenpferd „Alex“ hat in Gelsenkirchen ein eigenes Denkmal.

Grubenpferde wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet eingesetzt, berichtet das Reitsportmagazin Mein Pferd. Die Tiere konnten mehr Kohlewagen durch die Schächte ziehen als die Bergleute. Im Laufe der Jahre wurden demnach immer mehr Tiere zu Grubenpferden, vor allem klein gewachsene Oldenburger, Haflinger und Münsterländer. Gelsenkirchen spielte dabei eine besondere Rolle: Hier war die größte Grubenpferd-Verleihfirma der Region angesiedelt. Bis zu 13.000 Pferde verlieh die Firma Bischoff an die umliegenden Zechen, so das Magazin.

Das Schicksal der Grubenpferde: Zwischen Schwerstarbeit und Gnadenbrot

Um ein Grubenpferd zu werden, mussten die Tiere besondere Bedingungen erfüllen. Sie mussten kleiner sein als 1,50 Meter, ein ruhiges Wesen und starke Hufe haben. Laut einem Bericht des WDR zum Abschied des Grubenpferds Tobias in Recklinghausen gewöhnten sich Pferde schnell an die Arbeit untertage. Sie orientierten sich gut und waren weniger anfällig für Krankheiten wie die Staublunge, die viele Bergleute das Leben kostete. Dennoch wurden die Tiere oft krank, hatten wegen des Luftzugs Erkältungen oder Augenentzündungen. Wenn die Tiere sich bei der Arbeit verletzten, wurden sie geschlachtet. „Dann gab es drei Tage in der Werksküche Nudeln mit Gulasch“, wird ein Bergmann in dem Bericht zitiert.

Welche Aufgabe hatten Grubenpferde?

► Grubenpferde wurden im Bergbau eingesetzt, um Förderwagen durch die Schächte zu ziehen.

► Besonders beliebt waren dabei ldenburger, Fjordpferde, Haflinger, Münsterländer und das litauische Zematuka-Pony.

►Zu Beginn wurden die Tiere noch jeden Tag in den Schacht hinuntergefahren, später lebten sie dort dauerhaft in Ställen.

►Mehrere zehntausend Tiere kamen im Ruhrgebiet zur Zeit des Bergbaus zum Einsatz.

►Ab dem 20. Jahrhundert wurden sie mehr und mehr durch Maschinen ersetzt.

►Nach ihrem Dienst in den Schächten bekamen manche Tiere das Gnadenbrot und lebten auf Höfen weiter, andere wurden geschlachtet.

Ab dem 20. Jahrhundert wurde die Arbeit der Tiere mehr und mehr von Maschinen übernommen. So quittierte Alex, das Grubenpferd der Zeche Hugo in Gelsenkirchen, wohl in den 1940er Jahren seinen Dienst, berichtet „Mein Pferd“. Über seine letzten Tage ist wenig bekannt, etwa ob er das Gnadenbrot bekam oder zum Schlachter gebracht wurde. Wie Alex ging es wohl vielen seiner Artgenossen. Sie verschwanden still und leise von ihren Dienststellen – ohne Fernsehteams und Aufmerksamkeit. In Gelsenkirchen hat man Alex trotzdem nicht vergessen. Sein Denkmal liegt direkt am Radweg an der Strecke der ehemaligen Hugobahn und gehört zu einer Reihe ungewöhnlicher Sehenswürdigkeiten in Gelsenkirchen.

In Gelsenkirchen erinnern einige Orte an die Zeit der Industrialisierung und des Bergbaus. So ist das Gelände der Zeche Nordstern heute mit dem Nordsternpark ein Naherholungsgebiet und die Halde Rungenberg besticht mit einem besonderen Kunstwerk. (ebu)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago

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