VonThomas Machatzkeschließen
Die Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region bereitet Fabian Ferber, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, Sorge. Es fehle einfach an Arbeit, stellt Ferber fest, und die Perspektiven seien schlecht.
Lüdenscheid – Diese Entwicklung ist mehr als nur eine Momentaufnahme, davon ist Fabian Ferber, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, fest überzeugt. Was die Arbeitsagentur in dieser Woche verkündete: Im Juli waren 3829 Menschen aus Lüdenscheid ohne Job – 241 Personen (+6,7 Prozent) mehr als im Juni und sogar 356 Personen (+10,3 Prozent) mehr als im Juli 2023. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen eines Jahres um 0,8 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent.
Gewerkschafter schlägt Alarm: „Lage auf dem Arbeitsmarkt wird noch viel dramatischer“
Ferber weiß aus seiner Gewerkschaftsarbeit: Es fehlt in den Unternehmen in der Region an Arbeit. „Wir stehen in vielen Branchen mit unseren Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette“, sagt er, „ob in der Möbelbranche, der Baubranche oder der Automobilbranche. Viele Unternehmen haben nun zwölf Monate Kurzarbeit ausgereizt und tun sich schwer damit, nach drei Monaten Pause wieder neue Kurzarbeit zu beantragen. Das Instrument der Kurzarbeit ist eines, das vorübergehend wirken soll.“
Dass es schon bald besser wird, dieses Vertrauen haben manche Unternehmer indes verloren. Manche haben schon mit der Gewerkschaft über die Einführung der 30-Stunden-Woche verhandelt. Der andere Weg: Kündigungen. „Es ist gar nicht so sehr das Geld das Problem, die Arbeit ist einfach nicht da. Und die Unternehmen haben mit den zwölf Monaten Kurzarbeit ihr Pulver quasi verschossen“, sagt Ferber. „Nirgendwo gibt es Anlass zur Hoffnung, dass schon bald das Niveau der Vor-Corona-Zeit wieder erreicht wird. Und die Gründe sind sehr unterschiedlich.“
Automobilbranche betroffen
Am facettenreichsten sind diese Gründe wohl in der Automobilbranche. An Zahlen aus dem Jahr 2018, dem besten der letzten Dekade, glaubt Ferber schon deshalb nicht, weil die Menschen ihre Autos heute länger fahren als früher. Dazu kommt, dass die Konkurrenz aus dem Ausland in der Corona-Pandemie stark aufgeholt hat. Ferber schaut aber auch auf die Verlagerung der Stahlproduktion, hat Sorge, dass Stahl, der anderswo produziert wird, irgendwann auch anderswo weiterverarbeitet wird.
„Wir haben das Beispiel der Subventionen bei der Braunkohle in der Lausitz oder dem Rheinland“, sagt Ferber. „Jetzt brauchen wir hier Unterstützung für neue Technologien. Das müssen auch unser Ministerpräsident und die Bundesregierung erkennen: Wir haben im vergangenen Jahr 1000 Arbeitsplätze verloren und werden weitere verlieren. Wir wollen hier nicht irgendwann nur noch eine Art Industriemuseum haben. Wir brauchen in der Region eine Perspektive, dass die Menschen hier auch in Zukunft noch mit ihrer Arbeit gutes Geld verdienen können. Sonst werden sie abwandern. Wir brauchen Strukturförderung. Wo wir in zehn Jahren stehen werden, dafür werden jetzt politisch die Entscheidungen getroffen.“
Zu einem solchen Paket der Förderung zählt für Ferber auf jeden Fall auch, die Kurzarbeit grundsätzlich wieder auszuweiten und nicht auf zwölf Monate zu begrenzen. Und einen Energiestrompreis favorisiert Ferber sowieso. Dass sich dagegen Widerstand regt, weil so die Industrie quasi vom Staat subventioniert wird, lässt er nicht gelten. „Wichtig ist, dass die Industrie fertigt“, sagt der Gewerkschaftsmann. „Wenn das nicht gelingt, werden wir irgendwann Arbeitslosigkeit mit Steuermitteln subventionieren. Ist das besser?“
