Gewisse Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt sind zu erwarten. Die negative Entwicklung der letzten Monate habe aber konkrete Gründe. Eine Expertin erklärt.
Lüdenscheid – Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli: Nachdem die sonst typische Frühjahrsbelebung in diesem Jahr in Lüdenscheid und im Märkischen Kreis praktisch komplett ausgeblieben war, erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen in der Bergstadt im traditionell konjunkturschwachen Juli nochmals um knapp sieben Prozent gegenüber dem Vormonat: Was die Lage dramatisch macht: Für die kommenden Monate wird mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet.
Bitteres Fazit auf dem Arbeitsmarkt: Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit
Wie die Agentur für Arbeit Iserlohn am Mittwoch mitteilte, waren im Juli 3829 Lüdenscheider ohne Job – 241 Personen (+6,7 Prozent) mehr als im Juni und sogar 356 Personen (+10,3 Prozent) mehr als im Juli 2023. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen eines Jahres um 0,8 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent.
Auch kreisweit sieht es kaum besser aus. Hier waren im Juli 17 736 Märker arbeitslos – 900 Personen (+5,3 Prozent) mehr als im Vormonat und 1607 Personen (+10,0 Prozent) mehr als im Juli 2023. Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,9 Prozent (Juli 2023: 7,2 Prozent).
„Etwa die Hälfte der Betroffenen, die im Juli in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind, sind junge Menschen nach dem Ende ihrer Ausbildung und Geflüchtete, die sich nach Beendigung von Integrations- und Sprachkursen arbeitslos melden“, lässt sich Sandra Pawlas, Chefin der Agentur für Arbeit Iserlohn, in einer Mitteilung der Arbeitsagentur zitieren. Die andere Hälfte komme aus Erwerbstätigkeit, größtenteils aus dem verarbeitenden Gewerbe. „Das ist für uns keine Überraschung – in konjunkturschwachen Zeiten reagiert unsere industriegeprägte Region stark. Das erleben wir aktuell“, so Pawlas.
Derzeit meldeten sich mehr Menschen arbeitslos, als neue Beschäftigungen aufgenommen werden. „Wer aktuell arbeitslos wird, hat es aufgrund der konjunkturellen Lage schwer, wieder eine neue Arbeit zu finden: Ein Nachteil besonders für Menschen ohne Qualifikation“, sagt Pawlas. Wer keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann, stehe deutlich schlechter da. Das zeige auch ein Blick zur Nachfragerseite: „Unternehmen im Kreis haben in diesem Monat mit einem Plus von 147 gegenüber dem Vormonat zwar wieder mehr Stellen gemeldet, nach wie vor richten sich diese aber zum Großteil an gut qualifizierte Menschen“, erklärt Pawlas.
Gleichzeitig sei auch die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit gestiegen – ein deutlicher Indikator für die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation.
Angesichts der angespannten Arbeitsmarktlage empfiehlt Arbeitsmarktexpertin, das Thema Weiterbildung anzupacken: „Eine gute Qualifizierung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit – und erhöht in jedem Fall die Chance auf einen neuen Job.“
Mit Blick auf die kommenden Monate geht Sandra Pawlas von einer Verschärfung der Situation aus, denn die Region stehe vor großen Herausforderungen und der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin wenig dynamisch. „Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitslosigkeit auch in den kommenden Monaten weiter steigen wird“, zieht Pawlas ein bitteres Fazit.
Ein Skandal, der möglicherweise die Zahlen der Arbeitslosen in die Höhe zu treiben droht, ist die Schließung der Kostal-Standorte in Lüdenscheid und Meinerzhagen. Viele Mitarbeiter wehren sich jedoch gegen die Massenentlassungen.
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