- VonTorsten Haarmannschließen
Ein Behelfsanschluss an die Autobahn 2 in Uentrop während des Brückenneubaus ist offenbar gar nicht so abwegig. Das Bundesverkehrsministerium erkennt darin einen „Ansatz“, um ein drohenden Verkehrschaos zu verhindern. Die Stadt plant Gespräche.
Uentrop – So kühn die Idee von einer in kürzester Zeit zu bauenden Behelfsanschlussstelle an die Autobahn im Süden des Gewerbegebiets Uentrop auch ist, sie scheint die einzige gute Lösung gegen ein Verkehrschaos während des geplanten Brückenneubaus in Uentrop zu sein. Nach jüngsten Signalen aus dem Bundesverkehrsministerium und nach Einordnung der Zuständigkeiten beabsichtigt Oberbürgermeister Marc Herter die Landes- und Bundesbehörden an einen Tisch zu holen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Mal eben eine Autobahnanschlussstelle bauen. Angesichts der sonst zeitintensiven Planung solcher Projekte würde das „mal eben“ für einen Anschluss Uentrop Süd an die A2 zutreffen. Das auch, wenn nur die Rede von einer Behelfslösung während der Zeit der Vollsperrung für den ab 2026 geplanten Neubau der Lippebrücken ist. Der Druck durch ein drohendes Verkehrschaos ist so groß.
Für die rund dreijährige Bauzeit wäre die einzige brauchbare Verbindung zwischen Gewerbegebiet Uentrop und Autobahnanschluss an die A2 in Lippetal komplett gesperrt. Bisher skizzierte Umleitungen über die ohnehin schon stark belastete Hammer Innenstadt oder nicht entsprechend ausgebaute Straßen in Lippetal und Welver würden Umleitungen von rund 20 Kilometer bedeuten. Eine Behelfsanschlussstelle direkt im Süden des Gewerbegebiets könnte der Idee nach das Problem lösen.
Neu Lippebrücken in Uentrop: Anschlussstelle ein „Ansatz“
Dass ein schwerwiegendes Verkehrsproblem während der Brückensperrung zu befürchten ist, darin sind sich die Lokalpolitiker parteiübergreifend einig. Die Uentroper und Dolberger Christdemokraten schalteten den CDU-Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum ein. Der Verkehrspolitiker schilderte in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) das Problem. Das Ministerium antwortete vor rund zwei Wochen zügig mit dem Hinweis, dass eine Behelfsanschlussstelle für die Autobahn 2 ein Ansatz zur Problemlösung darstellen könne. Mangels weiterer Informationen schloss das Ministerium aber auf eine Zuständigkeit der Stadt Hamm.
Dass das Bundesverkehrsministerium eine Behelfsautobahnschlussstelle als Ansatz für eine Lösung des drohenden Umleitungsproblems erkennt, wird im Rathaus begrüßt. Dass die Stadt aber in kommunaler Verantwortung sei, weist sie vehement zurück – nachvollziehbar: Gegen eine kommunale Straßenbaumaßnahme spricht die Zuordnung zu einem überörtlichen Verkehrsnetz. Die von einer Behelfszufahrt betroffenen Wege sind nämlich eine Landes- und eine Bundesautobahn.
Neu Lippebrücken in Uentrop: Regelungskompetenz
Der bislang besprochene mögliche Anschluss soll an der Frielinghauser Straße, der L667, entstehen, wo sie die Bundesautobahn 2 kreuzt und wo unter Einbeziehung der nahen Rastanlage Im Großen Klei schon im Grunde eine Zu- und Abfahrt in Fahrtrichtung Dortmund besteht. Die andere Fahrtrichtung sei trotz Feuerwehrfahrt schwieriger auszubauen, heißt es aus dem Rathaus nach ersten planerischen Überlegungen.
Allerdings hat die Stadt Hamm weder im Fall einer Landesstraße noch einer Bundesautobahn eine „eigene Regelungskompetenz“. „Sonst würden wir morgen am Tage in die Umsetzungsplanung einsteigen, damit die Behelfsausfahrt rechtzeitig zum Beginn des Ersatzbaus der Brücken betriebsbereit ist“, sagt Oberbürgermeister Marc Herter.
Neu Lippebrücken in Uentrop: Gespräche
Gleichwohl erkennt sich die Stadt als treibende Kraft. „Die Stadt Hamm hat gemeinsam mit der Stadt Ahlen und den Gemeinden Welver und Lippetal das gleiche überragende Interesse: nämlich, dass insbesondere die Lkw-Verkehre in der Bauzeit keine langen Umwege durch Anwohnerbereiche fahren müssen“, sagt der OB. „Bisher waren zwar die Signale der Autobahn GmbH ablehnend, aber wenn die Hausspitze des Bundesverkehrsministeriums hier eine Möglichkeit sieht, dann werden wir den Weg ein weiteres Mal gehen.“
Der Oberbürgermeister kündigt an, nun die beiden Beteiligten, die Autobahn GmbH und den Landesbetrieb Straßen.NRW, gemeinsam an einen Tisch zu bitten, um das weitere Vorgehen zu klären.
Neu Lippebrücken in Uentrop: Verantwortung
Die Verantwortung erkennt das Stadtoberhaupt aber an anderer Stelle. „Das Land NRW und der Bund machen sich einen verdammt schlanken Fuß hinsichtlich ihrer originären Zuständigkeiten für die Landesstraßen und die Bundesautobahnen. Es ist schon bezeichnend, dass eine vergleichsweise kleine Stadt wie Hamm solche Aufgaben pragmatisch geregelt bekommt“, sagt er über die bisherigen Planungen, die die Stadt für das Land übernommen hat.
Allerdings hat die Stadtverwaltung dabei einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Nach einem Gespräch mit dem Landesbetrieb könnten die von der Stadt angefertigten Brückenpläne für die Tonne sein. Im Rathaus der Stadt Hamm herrscht Besorgnis und Verärgerung.