- VonTorsten Haarmannschließen
Sind die Brückenpläne in Uentrop für die Tonne? Im Rathaus der Stadt Hamm herrscht Besorgnis und Verärgerung über eine Absage des Landesbetriebs.
Hamm – Wenn die maroden Lippebrücken in Hamm-Uentrop ersetzt werden, droht mangels brauchbarer Umleitungen ein Verkehrschaos. Dieses könnte sehr viel länger dauern als zunächst befürchtet. Dann nämlich, wenn die Brücken erst gar nicht gebaut werden und wegen statischer Probleme gesperrt werden müssen. Grund zu dieser Sorge haben die Planer im Rathaus nach einem Gespräch auf Landesebene.
Fünf Jahre Planungszeit für die neuen Lippebrücken sollen für die Tonne sein? Nach Angaben der Verwaltung hat der eigentlich für die Landesstraße 667 in der Verantwortung stehende Landesbetrieb den Neubau für die maroden Brücken abgesagt. Der Grund sei, wie schon bei der Planung, fehlende Kapazitäten für die weiteren Schritte. Das bestätigt der Landesbetrieb, setzt das aber nicht gleich mit einer Absage.
Unabhängig vom Eindruck, dass hier ein Missverständnis vorliegen oder jemand zurückrudern könnte, die Lösung liegt im Grunde für beide auf der Hand. Auch wenn die Stadtverwaltung keinen personellen Überhang hat und es nicht ihre Aufgabe ist, könnte sie einmal mehr in die Bresche springen. Oberbürgermeister Marc Herter erwägt ein entsprechendes Angebot. Aber zunächst wirkt der Schrecken einer Absage.
Das Ausgangsproblem
Die drei Brücken auf dem vor allem für Lkw alternativlosen Weg zwischen Gewerbegebiet Uentrop und der Autobahn 2 in Lippetal sind nach rund 70 Jahren auf. Sie müssen ersetzt werden.
Schon lange ist in der Diskussion, dass während einer dreijährigen Neubauzeit und Straßenvollsperrung mangels brauchbarer Umleitungen massive Verkehrsprobleme drohen. Betroffen sind laut Verkehrszählung täglich 10 000 Fahrzeuge, vor allem rund 1800 Lkw. Gegen den Verkehrsinfarkt bis womöglich in die Innenstadt fordern Politiker und Unternehmer eine südliche Behelfsanschlussstelle an die A 2.
Verheerender Schaden
Der Super-Gau wäre, wenn weder sie noch neue Brücken kämen, weil das Land dafür kein Personal hat. Dann könnte eine weitere Tonnagenbegrenzung oder gar eine Brückenvollsperrung auf nicht absehbare Zeit einen sogar verheerenden wirtschaftlichen Schaden für Claas, Hoffmeier, Goldbeck, Westfleisch und viele weitere der insgesamt 46 Gewerbetreibenden anrichten.
Unterstützung
So etwas schwante manchem schon vor langer Zeit. „In Hamm wollte keiner warten, dass sich die Brücke, wie in Lüdenscheid oder Köln, bei einer nächsten Brückenuntersuchungen von selbst schließt“, sagt Herter. So sei die Stadt seinerzeit gemeinsam mit ihm als damaligen Landtagsabgeordneten auf Straßen.NRW zugegangen, um eine umgehende Neuplanung der Brücken durch die Stadt im Rahmen einer Planungsvereinbarung zu sichern.
Seit fünf Jahren arbeitet sie am Ersatzbau für die Lippebrücke auf der Zollstraße auf Hammer Stadtgebiet und im weiteren Verlauf für die beiden Brückenbauwerke auf der Dolberger Straße in Lippetal. Die Planungsvereinbarung bezieht sich auf die Erwirkung eines Planfeststellungsbeschlusses, mit dem der Bau rechtlich gesichert ist. Die städtischen Planer haben ihre Hausaufgaben gemacht, sie „liegen im Zeitplan“.
Absage
Grund für sie, wie es heißt, bei Straßen.NRW die Einplanung des Brückenbaus ab 2026 anzusprechen. Dabei sei es zur Ernüchterung gekommen: Der Bau der Brücken sei wegen fehlender Kapazitäten in der notwendigen Baubegleitung beim Land NRW nicht eingeplant. Die Konsequenz sei, dass auch mit Planfeststellungsbeschluss der Neubau nicht in absehbarer Zeit erfolgt.
Im Hammer Rathaus schwankt die Stimmung zwischen „zunehmender Besorgnis und massiver Verärgerung“. „Wir haben die Planung mit hohem Personalaufwand vorangetrieben, damit rechtzeitig vor dem Ende der Lebensdauer der Brücken mit dem Ersatzbau begonnen werden kann“, sagt Herter. „Die Landesregierung kann sich nicht einfach aus der Verantwortung für die landeseigenen Brücken stehlen.“ Einen entsprechenden Brief habe er bereits an den zuständigen Landesverkehrsminister adressiert.
Wiederholtes Angebot
Bürger und Unternehmen in Uentrop wolle man nicht im Stich lassen. „Was wir einmal pragmatisch geregelt haben, werden wir auch ein zweites Mal pragmatisch regeln“, sagt der OB. „Entweder das Land bekommt die Umsetzung des Ersatzbaus mit eigenem Personal hin, oder wir werden nach der Planungs- eine Bauvereinbarung anbieten, mit der wir den Neubau der Brücken in städtischer Regie realisieren. Im Namen und auf Rechnung des Landes NRW versteht sich.“
Gespräche laufen
Der Projektverantwortliche von Straßen-NRW konnte sich am Freitag noch nicht äußern. Von einer Absage will bei der Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift aber niemand sprechen. „Das heißt nicht, dass wir nicht bauen“, sagt Sprecher Oscar Faneca Santos über fehlende Planungskapazitäten. Die Frage werde vielmehr sein, ob die Stadt nun auch die Baudurchführung betreuen könne, „Dazu laufen Gespräche.“
Die inzwischen monatelangen Bauarbeiten auf der B63 in Hamm-Rhynern tragen erste Früchte: Kleine Verbesserungen an der A2 sind inzwischen spürbar. Wunder sollte aber niemand erwarten, wenn alles mal fertig ist.