VonReinhold Großelohmannschließen
In wenigen Tagen beginnt die 30. Warsteiner Internationale Montgolfiade. Brauereichefin Catharina Cramer spricht über die vergangenen Absagen, die große Vorfreude und die Zukunft der WIM.
Warstein - Ballonfans kennen das: Warten auf den Start, wenn das Wetter nicht mitspielt. Oder wenn der Start sogar ausfallen muss. Den begeisterten Menschenmassen auf dem Montgolfiade-Gelände in Warstein zu erklären, dass die Ballone nicht aufsteigen, weil zwar die Sonne scheint, aber böiger Wind herrscht oder ein unkalkulierbares Gewitter im Anflug ist, gehört zum Schwierigsten, was Catharina Cramer bei der Montgolfiade kennt. „Die Leute möchten natürlich die Ballone am Himmel sehen“, weiß sie – und es geht ihr ja selbst genauso. Das Warten fällt eben immer schwer. Das spürt die Brauerei-Inhaberin gerade in diesen Tagen. Zwischen zwei Montgolfiaden sind es normalerweise rund 365 Tage. Dass diese Massenstart-freie Spanne zur bevorstehenden Jubiläums-Montgolfiade auf exakt 1463 Tage angewachsen ist, hätte sich die ballon-begeisterte Chefin der Warsteiner Brauerei selber nie vorstellen können – und noch heute läuft es ihr bei der Erinnerung an die Absage im vergangenen Jahr nach den vorhergehenden zwei unausweichlichen Corona-Pausen kalt den Rücken herunter. „Wir waren im Camping-Urlaub in den USA. Wir haben hin und her überlegt. Machen wir es, oder machen wir es nicht?“
Der Ausbruch des Ukrainekrieges hatte weltweit die große Energiekrise ausgelöst, die sich immer mehr zuspitzte. Der Verzicht auf warme Häuser – Schulen, Rathäuser, Hallenbäder – war ein großes Thema. Konnte man da weiter eine Großveranstaltung planen, die viel Energie verschlingen würde, bei der das Gas von den Brennern über den Körben verbrannt wird, Gas, das zum wertvollen Gut geworden war? Nein, das ging nicht. Aber: „Allein unseren Kindern zu sagen, es gibt keine Montgolfiade, war schrecklich,“ erinnert sich Catharina Cramer an die eigene Lage. Als Inhaberin der Warsteiner Brauerei musste sie aber auch darüber nachdenken, wie dies über die Medien in der gesamten Öffentlichkeit ankommen würde. Doch es klappte: Die Brauerei landete mit zumeist positiven Reaktionen sogar auf den Titelseiten einiger Tageszeitungen, es gab Anerkennung für die mutige Entscheidung.
Schon jetzt über 160 Anmeldungen
Das ist zum Glück Vergangenheit. Derzeit herrscht pure Vorfreude auf das Ballon-Vergnügen, bei dem am 1. September die ersten Ballone bei einem Massenstart in den Himmel steigen werden – wenn das Wetter mitspielt. An dieser Grundbedingung hat sich auch nach 209 Wochen Wartezeit und auch bei einer Jubiläums-Montgolfiade, zu der dieses 30. große Ballönertreffen ausgerufen worden ist, nichts geändert. Dass schon jetzt über 160 Anmeldungen vorliegen und die „Warsteiner Internationale Montgolfiade“ – kurz WIM genannt – überall Thema ist, zeigt Catharina Cramer aber, dass nicht nur bei ihr, bei ihrer Familie, bei Freunden, bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Brauerei und vor allem bei allen Menschen in der gesamten Region, pure Vorfreude herrscht.
„Montgolfiade in Warstein, das ist wie die fünfte Jahreszeit. Die Stadt füllt sich dann. Wir alle kriegen zu dieser Zeit soviel Besuch von außerhalb wie nie. Was ich schön finde: wie viele Freundschaften entstanden sind, etwa bei Familien, die Piloten und ihre Crews aufnehmen. Man trifft viele Leute, die man lange nicht gesehen hat, es wird nie langweilig“, sprudelt die Brauerei-Chefin vor Begeisterung. Die Stadt Warstein sehe in den Montgolfiade-Tagen einfach anders aus als sonst.
Für Catharina Cramer ist dabei ganz klar: „Die Montgolfiade weiter zu führen, sehe ich für mich als Aufgabe an. Die WIM haben wir als eigene Marke groß gezogen.“ Deshalb gelte für sie ganz einfach der Wahlspruch: „Never change a winning team.“ Für ihre Brauerei sei die Montgolfiade wichtig: „Das ist unser eigenes Event.“
Montgolfiade-Erlebnis ist auch vom Boden aus besonders
Auch sei es schön zu sehen, wie die Montgolfiade „unsere ganze Stadt zusammen wachsen lässt“. Gern erinnert sie sich an ihre ersten Erlebnisse mit den Heißlüftern – natürlich über ihren vom Ballonfahren begeisterten Vater Albert, der schon früh selbst die Pilotenlizenz hatte und bekannt für mutige Fahrmanöver war. „Ich glaube ich war 14 und durfte bei den Starts zuschauen, da hat mich mein Vater gefragt: Hast Du nicht Lust mitzufahren?“ Spontan ging es für die junge Catharina in den Korb. Am Ende wurde sie – wie es üblich ist – auch getauft. Mit ihrem Ballonfahrer-Adelstitel „Catharina, die Anmutige“ ist sie aber bis heute etwas unzufrieden. Für ein Mädchen von 14 Jahren habe das nicht besonders gut gepasst, findet sie. Später erhielt sie aber noch einmal „einen ganz langen Namen“.
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Auch jede einzelne Fahrt, die sie zwischenzeitlich gemacht hat, ist ihr nicht mehr präsent. Aber es seien ja auch sehr viele gewesen. Aus eigener Erfahrung weiß sie aber auch, wie schön das Montgolfiade-Erlebnis vom Boden aus ist. Auch dort mache sich „pure Lebensfreude breit“. „Das ist so ein bisschen, wie wenn der Weihnachtsmann kommt.“ Es gebe sogar Menschen, die aufgrund der Montgolfiade ihr Kind „Wim“ getauft hätten.
Die dreijährige Montgolfiade-Pause wird aus Sicht von Catharina Cramer auch für einige Überraschung bei den vielen Stammgästen sorgen. „Sie werden sehen, was in unserer Stadt optisch passiert ist“, verweist sie auf die Runderneuerung in der Warsteiner Innenstadt. „Der eine oder andere wird Warstein nicht wiedererkennen.“
„Cheers“-Ballon wurde 2020 getauft
Zum Lieblingsballon sind ihr die sechs „Cheers“-Biergläser auf dem Tablett geworden. „Ich habe ihn selbst mit entworfen“, ist sie stolz. Der riesige Ballon, der am Himmel auffällt wie kein Zweiter, hat wegen der Zwangspause noch keine Montgolfiade erlebt. Und so hofft Catharina, dass es für den „Cheers“ in diesem Jahr viele Starts geben wird. Nach der Taufe 2020 war er bei herrlichem Sonnenschein in Bad Sassendorf gestartet und über die Autobahn hinweg gezogen. „Es war wie eine Fata Morgana“, erinnert sich Catharina Cramer. „Die Leute haben gehupt und gewunken.“ Auf der Kieler Woche sei der Ballon vor kurzem eine der größten Attraktionen gewesen.
Ein Tag Pause ist für Catharina Cramer in der Montgolfiade-Woche Pflicht. „Der Donnerstag ist mein Ausruhtag, da ist bei der ‘After Work Party’ genug los“, sagt sie. „Ansonsten bin ich aber jeden Tag da“ – denn das Zuhausebleiben fällt einfach schwer. „Man putzt sich morgens die Zähne, schaut aus dem Fenster und da fährt eine Torte an einem vorbei. Das ist einfach ein tolles Feeling...“
