Antrieb für Mega-Projekt

„Besser kann es nicht laufen“: Hamm liegt bald an zwei Wasserstoff-Autobahnen

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Wasserstoff gilt als Allzweck-Waffe für die Energieversorgung und Mobilität der Zukunft – auch in Hamm. Auf dem Weg zum wichtigen Wasserstoff-Knotenpunkt ist eine wichtige Entscheidung gefallen.

Hamm – Wasserstoff soll in Hamm schon in wenigen Jahren Busse antreiben, als Brennstoff für die energieintensive Industrie dienen, zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen und in großem Stil direkt vor Ort produziert werden – und sich damit als „goldener Honigtopf am Ende des Regenbogens“ für die Energiewende erweisen, wie es Oberbürgermeister Marc Herter mal formulierte. Dass das so kommt, wird immer wahrscheinlicher.

„Entscheidender Tag“ für Wasserstoff-Projekt in Hamm

Bundes-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat in dieser Woche die finalen Pläne für das bundesweite Wasserstoff-Kernnetz vorgestellt. Also für die Leitungen, die den hier produzierten oder importierten Wasserstoff als „Autobahnen“ durchs Land transportieren sollen. Hamm liegt an mindestens zwei dieser Autobahnen.

Von einem „entscheidenden Tag für den Wasserstoffstandort Westfalen in Hamm-Uentrop“ sprach Oberbürgermeister Marc Herter deshalb am Mittwochabend.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck stellte am Dienstag Pläne für ein Wasserstoff-Kernnetz in Deutschland vor.

Eine Leitung endet direkt am Kraftwerk in Uentrop

Bereits gebaut ist die Leitung Werne – Ummeln, die im gleichnamigen Stadtteil in Bielefeld endet. Durch die Rohre fließt bislang Erdgas, sie sollen umgerüstet werden. Eine zweite, noch zu bauende Leitung soll von Krefeld direkt bis nach Hamm führen. Sie soll den Plänen des Bundes nach am Kraftwerksstandort in Uentrop enden.

Ebenfalls schon skizziert ist eine sogenannte Verstärkerleitung von Hamm bis nach Rinkerode, die gebaut werden soll, wenn die aktuell eingeplanten Kapazitäten im 9.700 Kilometer langen und wohl 19,8 Milliarden Euro teuren Netz nicht mehr ausreichen.

Zweiter Standortvorteil: Leitung für „grünen“ Strom

Bis spätestens 2032 soll das Kernnetz in Betrieb sein. „Damit verfügen wir Anfang der 2030er Jahre am Standort in Uentrop tatsächlich über einen leistungsstarken Anschluss an das bundesweite Wasserstoffnetz“, so Herter. Am Kraftwerk in Werne-Stockum liege direkt der nächste.

Hamm hat allerdings noch einen zweiten Standortvorteil, den kaum eine andere Kommune im Land vorweisen kann. Ab 2030 soll in Uentrop bekanntlich eine neue Hochspannungs-Stromtrasse enden. Durch die fließt dann Strom, der mit Windenergie von der Nordseeküste erzeugt wurde.

Per Elektrolyse soll dieser Strom in grünen Wasserstoff umgewandelt werden. „Besser kann es nicht laufen. Es gibt nur sehr wenige Schnittpunkte im ganzen Netz, an denen diese große grüne Steckdose und das Wasserstoffnetz so zusammenliegen“, betonte Herter.

Trianel: Wichtiges Signal für den Wasserstoffhochlauf

Dass Hamm eine so wichtige Rolle in den Planungen des Bundes einnehme, liege vor allem daran, dass absehbar hohe Einspeisungen durch die Wasserstoff-Produktion und gleichzeitig hohe Auskopplungen für die Betankung von Bussen, die Versorgung der Industrie und einen mit Wasserstoff betriebenen Kraftwerksblock bei Trianel zu erwarten seien.

Der goldene Honigtopf am Ende des Regenbogens? In der Ferne ist das Trianel-Kraftwerk in Uentrop zu erkennen. Dort soll absehbar Wasserstoff produziert werden.

Trianel begrüßte die Pläne am Mittwoch ebenfalls. Sie seien „ein wichtiges Signal für den Wasserstoffhochlauf und ein Baustein für die Realisierbarkeit unseres geplanten dritten, wasserstofffähigen Kraftwerksblocks“, teilte das Unternehmen mit, das in Uentrop bereits zwei Gas-Blöcke am Netz hat.

Rubriklistenbild: © Rother

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