VonCedric Sporkertschließen
Eine gesicherte Versorgung mit grünem Strom in Zeiten in denen kein Wind weht und die Sonne nicht scheint: Das soll ein neuer, dritter Kraftwerksblock bei Trianel in Uentrop künftig mitgarantieren.
Hamm – Die Gesellschafterversammlung stimmte am Montag mehrheitlich dafür, einen solchen, mit grünem Wasserstoff betriebenen 500-Megawatt-Block zu planen. Es wäre der erste von vornherein geplante seiner Art in Deutschland. 400 bis 500 Millionen Euro dürfte der Block kosten, sollte er auch gebaut werden. Quasi nebenbei könnte das Projekt die Wärmewende in Hamm entscheidend voranbringen.
Wasserstoff: „Jetzt muss die Politik Tempo machen“
„Deutschland braucht gesicherte Leistung“, erklärte Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH und Mitglied des Gesellschafterausschusses. „Durch einen vorgezogenen Kohleausstieg und den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien ist der Bau von wasserstofffähigen Kraftwerken unerlässlich, um die Versorgungssicherheit auch weiter zu gewährleisten“, so Becker.
„Wir sind bereit, in einen solchen Kraftwerksblock zu investieren. Jetzt muss die Politik Tempo machen und endlich die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die erforderlichen Investitionen auch tatsächlich getätigt werden. Die Zeit drängt.“ Planungssicherheit und eine Absicherung der Investitionen seien dringend notwendig.
Großteil des Wasserstoffs muss importiert werden
Beim Thema Wasserstoff sind noch viele Fragen offen, die Bund und Land nun zügig beantworten müssen. Wie viel Fördergelder gibt es für was? Wo sollen Kraftwerke gebaut werden und wie werden die miteinander vernetzt? Es ist auch noch völlig offen, wo der Wasserstoff her kommt, mit dem im neuen Block umweltfreundlicher Strom erzeugt werden soll.
Der ab Mitte des Jahrzehnts nebenan in einem geplanten 20-Megawatt-Elektrolyseur produzierte Wasserstoff soll schließlich für den umweltfreundlichen Betrieb von Bussen genutzt werden. Unabhängig davon würden die Mengen nicht ansatzweise ausreichen, um einen 500-Megawatt-Block zu füttern.
80 bis 90 Prozent des Wasserstoffbedarfs in Deutschland muss Prognosen zufolge absehbar durch Importe abgedeckt werden. Dafür muss ein bundesweites Leitungsnetz aufgebaut werden.
Ministerin Neubaur bescheinigt Standort „perfekte Ausgangslage“
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur lobte Trianel am Montag für die Initiative, einen dritten Block bauen zu wollen und die beiden vorhandenen Blöcke während der laufenden Revision für den Wasserstoffbetrieb vorzubereiten. Die bestehenden Blöcke werden aktuell überholt und sollen hinterher rund 900 Megawatt produzieren können. Damit könnten theoretisch biss zu zwei Millionen Haushalte versorgt werden.
Ministerin Mona Neubaur besucht Trianel Gaskraftwerk Hamm




Dem Standort bescheinigte Neubaur eine „perfekte Ausgangslage“. Es sei enorm wichtig, die Bedarfe an Wasserstoff nun laut zu artikulieren und so möglichen Produzenten im Ausland entlang der Nordsee- und Atlantikküste zu signalisieren, dass es sich lohnt, in den Markt einzusteigen. Dann könnten Vorabkommen für Lieferungen geschlossen werden könnten.
Riesiger Vorteil für die Wärmewende in Hamm?
Hamms Oberbürgermeister Marc Herter sieht in dem Wasserstoff-Kraftwerk einen weiteren Baustein zur Sicherung und Stärkung der Wirtschaftsregion. „Die Zukunft des Industriestandortes ist untrennbar mit der Zukunft des Energiestandorts verbunden“, betonte er. „Wir wollen beides bleiben.“
Für Hamm könnte der neue Block auch bei der Wärmewende zum Glücksfall werden. Die Stadtwerke rechnen damit, dass durch die anfallende Abwärme der Osten und Süden der Stadt großflächig mit Fernwärme versorgt werden können. Der Norden und Westen sollen bekanntlich durch die Wärmeauskopplung aus der Müllverbrennungsanlage abgedeckt werden. „Das soll sich so ergänzen, dass ein Großteil der Stadt am Ende mit grüner Fernwärme versorgt wird. Das gehört für uns zur Daseinsvorsorge“, sagte Herter.
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