Blindgänger-Sprengung in Hamm

Rekord-Rumms ein Fall für die Geschichtsbücher - mit Video

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Die Aktion rund um letzten Blindgänger-Fund im „Erlebensraum Lippeaue“ wird als Rekord in die Annalen der Stadt Hamm eingehen.

Hamm - Noch nie wurde in Hamm eine solche Bombe gesprengt wie jene am Montag in den Lippeauen. Mit 500 Kilogramm war das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg vier Mal so schwer wie in dem einzigen halbwegs vergleichbaren Fall der vergangenen Jahrzehnte.

Im Jahr 2004 sei in Bockum-Hövel ein 125 Kilo-Objekt kontrolliert in die Luft gejagt worden, sagte Stadtsprecher Tom Herberg am Tag danach. Darüber hinaus traf es immer nur kleinere Kampfmittel wie Panzerfäuste und Granaten.

Trotz massivster Schutzvorkehrungen - 140 Tonnen Sand wurden binnen weniger Stunden hergeschafft - war der dumpfe Knall gegen 21.10 Uhr noch über das Sperrgebiet hinaus zu hören und zu spüren:. Vielerorts wackelten Böden und Wände. Die eigentliche Entwarnung wurde aber erst einige Minuten später - genau um 21.21 Uhr - gegeben.

Rekord-Blindgänger in Hamm: Sprengung nicht vermeidbar

Schon ohne die Notwendigkeit seiner Sprengung wäre der Aufwand schon rekordverdächtig gewesen: Rund 1500 Menschen durften mehr als fünf Stunden nicht in ihren Wohnungen sein, sensible Einrichtungen wie zwei Seniorenheime, die Reha Bad Hamm und das Maximare galt es zu evakuieren, und gleich drei wichtige Straßen (Adenauerallee, Nordring und Ostenallee) waren stundenlang blockiert. 140 Einsatzkräfte von Feuerwehr, freiwilliger Feuerwehr, Polizei, KOD, DRK, THW und Maltesern waren bis in den späten Abend gefordert.

Dass diesmal - wie in gefühlt 99 Prozent aller Blindgängerfunde üblich - keine mechanische Entschärfung möglich war, sei dem schlechten Zustand des Zündmechanismus‘ geschuldet gewesen, erklärte Herberg am Dienstag nochmals. Diese Erkenntnis hätten die Experten des Kampfmittelräumdienstes erst dem vollständigen Freilegen der Sprengkörpers in vier Metern Tiefe am Nachmittag gewonnen. Die Sprengung sei somit unvermeidbar gewesen.

Rekord-Blindgänger in Hamm: tonnenschwerer Wirkungsdämpfer

Um Schäden zu verhindern und Splitterflug zu reduzieren, mussten auf Empfehlung der Bezirksregierung Arnsberg 140 Tonnen Sand zur Einsatzstelle organisiert werden - als so genannter „Wirkungsdämpfer“. Der passende Menge konnte ein Baustoffhandel in Herringen bereit stellen, zahlreiche Lkw brachten ihn bis 20.30 Uhr in die Lippeaue.

Die Zündung lösten die Sprengmeister schließlich in einer Entfernung von rund 150 Metern per Fernsteuerung aus. Sie hätten „hinter einer Halle“ gestanden, so Herberg, der damit sehr wahrscheinlich die Tennishalle des Ruderclubs meint.

Die Verantwortlichen zeigten sich „mit dem Ablauf der Bombensprengung dieser Größenordnung sehr zufrieden“, so Herberg. Er bescheinigte den Feuerwerkern vor Ort eine „hervorragende Arbeit“.

Die Szenerie am Tag danach. Hinten links ist die Kläranlage Mattenbecke zu sehen.

Rekord-Blindgänger in Hamm: ... und die Kosten des Ganzen?

Schäden seien nur an der Baugrube um die Bombe herum bekannt geworden, zudem sei eine Telekommunikationsleitung beschädigt worden, die aber laut Herberg kurzfristig behoben wurde. Allzu nah liegende Abwasserkanäle seien im Vorfeld umgelegt und nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden. Kurzfristige Irritationen bei Bürgern und Verantwortlichen seien jedoch eine durch einen technischen Fauxpas verursachte leicht verfrühte Entwarnung im Ticker auf wa.de entstanden.

Und der viele Sand? Wurde mit der Sprengung großflächig verteilt und wird nun wohl kaum zusammengefegt...

Auf die Frage nach den Kosten des Gesamtvorgangs ging der Stadtsprecher nicht ein. Im Vorfeld hatte er immerhin von einem „sechsstelligen Bereich“ gesprochen. Gut möglich also, dass die jüngste Bombe die teuerste in der Hammer Nachkriegszeit war. Vorrangig zur Kasse gebeten wird allerdings nicht die Stadt, sondern der Lippeverband - als der Eigentümer des Grundstücks beziehungsweise Bedarfsträger der dortigen Baumaßnahme.

Rubriklistenbild: © Max Lametz

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