Steuer-Verschwendung in Geseke

Teurer Fehler: Neue Brücke muss ein zweites Mal gebaut werden

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Bach mit Stufe: Eine neue Brücke in Geseke im Kreis Soest musste wegen eines Fehlers ein zweites Mal gebaut werden.
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In Geseke im Kreis Soest wird eine Brücke für viel Geld neu gebaut – und dann knapp zwei Jahre später noch einmal. Die Geschichte eines teuren Fehlers.

Hamm - Die Osterschledde bei Geseke im Kreis Soest ist kein reißender Strom. Sie ist ein beschaulicher Bach, der friedlich zwischen Feldern plätschert und hin und wieder unter einer Brücke verschwindet. In diesem Jahr verschwand eine dieser Brücken – und das zum wiederholten Male. Sie musste wegen eines teuren Fehlers zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren neu gebaut werden.

Teurer Fehler: Neue Brücke in Geseke muss zweites Mal gebaut werden

Der doppelte Brückenbau von Geseke hat es zu trauriger Bekanntheit gebracht. Er hat Eingang in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler gefunden – als einer von bundesweit 100 exemplarischen Fällen von Steuergeldverschwendung. Nicht nur in Geseke wurde nach Ansicht des Steuerzahlerbunds öffentliches Geld versenkt, sondern auch an anderen Stellen in Nordrhein-Westfalen. Er prangert etwa ein leer stehendes Parkhaus in Wuppertal an und einen „Phantom-Pendlerparkplatz“ in Borken.

Im Herbst 2021 begann die Stadt Geseke an der Flachsstraße, die baufällig gewordene, alte Natursteinbrücke über der Osterschledde zu erneuern. Kostenpunkt der Gesamtmaßnahme im Naturschutzgebiet Osternheuland an der Grenze zu Salzkotten (Kreis Paderborn): 100.000 Euro. Im Januar 2022 war das Bauwerk fertig. So weit, so gut.

Die Brücke der Flachsstraße über die Osterschledde wurde gleich zweimal fertiggestellt, im Januar 2022 und im Sommer 2023.

Doch es blieb nicht gut. Die neue Brücke entpuppte sich als Fehlkonstruktion. Das Durchlassprofil, also das Rohr, durch das die Osterschledde fließt, war zu hoch eingebaut worden. „Damit entstand unterhalb der Brücke eine Stufe, die für kleine Fische und Kleinstlebewesen wie Insektenlarven, Würmer, Muscheln, Schnecken und Krebse, die auf dem Grund des Gewässers leben, nicht mehr zu überwinden war“, kritisiert der Bund der Steuerzahler in seinem aktuellen Schwarzbuch. Die Durchgängigkeit der Osterschledde hatte sich deutlich verschlechtert, was nach Vorschrift des europäischen Wasserrechts nicht zulässig ist.

Doppelter Brückenbau in Geseke: 53.000 Euro Mehrkosten

Wie sich herausstellte, hatte es die Stadt versäumt, vor dem Neubau der Brücke die Bodenverhältnisse prüfen zu lassen. Auch wurde eine Genehmigung der Unteren Wasserbehörde des Kreises Soest nicht eingeholt. Ein beauftragtes Fachbüro suchte zunächst nach Möglichkeiten, mit geringem Aufwand – ohne Ausbau des Durchlassprofils – zu retten, was zu retten ist. Am Ende entschied man sich jedoch für einen Neubau des Neubaus.

Der Bund der Steuerzahler

Der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. ist eine im Jahr 1949 gegründete deutsche Interessenvereinigung. Sein erklärtes Ziel ist es, die Steuern und Abgaben zu senken, Verschwendung zu stoppen, die Staatsverschuldung zurückzufahren und Bürokratie abzubauen. Seine Arbeit finanziert er ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Für sein Schwarzbuch recherchiert der Bund der Steuerzahler jedes Jahr Beispiele eklatanter Steuergeldverschwendung. 

„Nach Abwägung aller fachlichen und wirtschaftlichen Aspekte fiel die Entscheidung [...] letztendlich zugunsten der vollständigen nochmaligen Erneuerung des Brückenbauwerkes“, heißt es in einer Stellungnahme, die wa.de vorliegt. Die neue, nun korrekte Brücke ist mittlerweile fertig. Kosten: 53.000 Euro. Geseke hat den Schaden der städtischen Eigenschadenversicherung angezeigt. 

„Das hätte man verhindern können“, kommentierte Rik Steinheuer, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler NRW. Aber immerhin: „Als Konsequenzen aus dieser Angelegenheit will die Stadt künftig ihre Planungs- und Bauprozesse optimieren“, heißt es im Schwarzbuch, in dem es auch um eine große Steuerverschwendung in Köln geht, von der 24RHEIN berichtet. Dort wird bis zu dreimal am Tag ein Platz vor Fußgängern bewacht. Dadurch entstehen jährliche Kosten in Höhe von bis zu 318.000 Euro – bezahlt von Steuergeldern.

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