Weststraße in Hamm

Hunderte Quadratmeter Leerstand: Antworten für Schließungen gesucht

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Ein ehemaliges Schuhgeschäft: Verkauf oder Vermietung gestalten sich bisher schwierig.
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Die Leerstände in der Fußgängerzone in Hamm werden immer mehr. Vor allem in der westlichen Weststraße hat sich die Situation zuletzt zugespitzt.

Hamm – Seit langem geht es um in der Innenstadt von Hamm: das Leerstandsgespenst. Besonders deutlich zeigt es sich aktuell im westlichen Teil der Weststraße. Zwischen Nordstraße und Westentor stehen etliche Hundert Quadratmeter Verkaufsfläche leer, zuletzt kamen zusätzliche obendrauf. Bisher unbestätigte Gerüchte von weiteren Schließungen machen seit Monaten unaufhaltsam die Runde durch die Stadt.

Hunderte Quadratmeter Leerstand: Antworten für Schließungen gesucht

Die Liste der aktuellen Leerstände in der Weststraße:

  • Weststraße 36 (ehemalige Mayersche und benachbarte Telefonieanbieter); die städtische Immobilie hat immerhin Perspektive: Sie soll mittels Investor umgebaut werden. Temporär wurde sie zuletzt als Kaufhaus und Pop-up-Store von Kapelle Petra genutzt.
  • Weststraße 39: ehemals „Tredy“ (Mode); seit Ende Januar 2024 geschossen, jetzt im Allee-Center.
  • Weststraße 42: ehemals „Askania“ (bis Ende 2021) und zuletzt Fliesen- und Badmanufaktur; Fliesen und Badausstattung hatten hier nur ein kurzes Zwischenspiel. Das Ladenlokal wurde nach Räumungsklage und außergerichtlicher Einigung Mitte Januar leer gezogen. Es steht aktuell zur Vermietung.
  • Weststraße 43: ehemals Modeschlösschen (Braut- und Schützenmoden); Leerstand auch in den oberen Etagen, die zum Ladenlokal gehören. Nach aussichtsreichen Verhandlungen hatte sich ein Verkauf der Immobilie an einen Investor dann doch zerschlagen.
  • Weststraße 45: ehemals „Schuhpark“ (seit Ende 2022 leer); temporär für Kunstaktionen und -ausstellungen vom Förderverein des Martin-Luther-Viertels genutzt. Immobilie kann gekauft oder gemietet werden.
  • Weststraße 46: „Yemen“ (Gewürze und Süßwaren); nach Brand vorübergehend geschlossen.

Weststraße: Unzureichende Anbindung an Allee-Center

Die Weststraße zwischen Westentor und Nordstraße sei als frequenzstärkste Einzelhandelslage in der gewachsenen Innenstadt (immer noch) unzureichend an das Allee-Center angebunden. So hieß es 2019 in der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Stadt Hamm. „Zudem sind erste Trading-down-Tendenzen (unter anderem Mieterbesatz, Gebäudesubstanz) festzustellen, denen frühzeitig entgegengetreten werden sollte.“ So lauteten damals Befund und Empfehlung.

Dann kamen Corona und damit verbundene Umsatzeinbrüche – und neue Schließungen. Der „Schuhpark“ (rund 400 Quadratmeter) nannte „einen massiven Umsatzeinbruch seit Corona und steigende Kosten“ als Gründe für den Rückzug aus Hamm. Verbessert hat sich die Situation in der Weststraße seit 2019 nicht. Hinzugekommen sind mit der Kaufhof-Schließung 2020 (rund 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche) wenige Meter entfernt massive Sortimentsverluste.

Investor: Attraktiver Anschluss Richtung B-Tween und Allee-Center

In der Weststraße zwischen Westentor und Nordstraße ist es nicht gelungen, den Status quo zu halten. Lichtblick: Die Stadtentwicklungsgesellschaft Hamm (SEG) ist seit Anfang 2021 Eigentümerin des Großteils der Weststraße 36 (Ex-Mayersche) sowie alleinige Eigentümerin des angrenzenden Parkplatzes zur Ritterstraße. Damit hat die Stadt hier das Heft in die Hand genommen: Mithilfe eines Investors soll in ihrem Sinne gestaltet und ein attraktiver Anschluss Richtung „B-tween“ und Allee-Center entstehen.

Dierk Poth, Immobilienmakler und Sachverständiger für Immobilienbewertung, betreut eines der Objekte in der Weststraße. Die Vermarktung sei nach Corona deutlich schwieriger geworden, sagt er. Eine Situation wie in der Weststraße finde sich in vielen Innenstädten. Der Zeitpunkt für Investitionen in der Baubranche sei angesichts der Zinssituation und Rohstoffpreise für viele denkbar ungünstig. Er hofft, dass mit einer Anpassung des Leitzinses nach unten durch die EZB wieder mehr Bewegung in den Markt kommt. Grundsätzlich müsse man über ein Zukunftskonzept für Fußgängerzonen nachdenken. Nicht nur, aber auch in Hamm.

Die Wirtschaftsagentur Impuls hat angekündigt, sich detaillierter zu einem späteren Zeitpunkt zur Situation in der Weststraße zu äußern.

Mitten durch die Fußgängerzone führt die viel befahrene Nordstraße. Die Politik möchte der „beängstigenden Situation“ nun mit der Einführung von Tempo 30 begegnen.

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