VonCedric Sporkertschließen
Daniel Tümmers ist zum Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rat der Stadt Hamm gewählt worden und damit gleichzeitig neuer Oppositionsführer in Hamm.
Hamm – Tümmers kommt die aus Sicht seiner Partei so wichtige Rolle zu, die CDU nach der verpatzten Kommunalwahl 2020 in den nächsten Jahren wieder in Reichweite der aktuell enteilten SPD zu führen. Er könnte auch der Herausforderer von OB Marc Herter bei der nächsten Wahl 2025 werden.
Zufriedener Hilwig bleibt Kreisvorsitzender
Der Wechsel an der Fraktionsspitze erfolgte am Dienstagabend turnusmäßig zur Hälfte der Wahlperiode. Der bisherige Fraktionsvorsitzende Arnd Hilwig (49) hatte bereits nach der Kommunalwahl 2020 erklärt, nur vorübergehend für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung zu stehen. Er bleibt weiterhin Kreisvorsitzender.
„Die Wahlniederlage hat uns sehr schwer und unerwartet getroffen. Es ging darum, die CDU zusammenzuhalten und in einer schweren Zeit beständig zu führen“, sagte Hilwig am Mittwoch. Fraktion und Partei sieht er wieder gut aufgestellt: „Wir haben uns gesammelt und zuletzt viele thematische Schwerpunkte gehabt – etwa die Aufstockung des KOD in Sache öffentliche Sicherheit oder die B63n beim Thema Verkehr. Wir begleiten konstruktiv und kritisch die Arbeit von Ampelkoalition und Verwaltung.“
CDU bei Zweitstimmen nicht weit weg - Knackpunkt Personal
Durch die Ergebnisse der Landtagswahl im vergangenen Jahr in Hamm habe es zusätzlichen Aufwind gegeben. „Bei den Zweitstimmen waren wir mit den Sozialdemokraten auf Augenhöhe, was bei denen für einen großen Schrecken und bei uns für große Freude gesorgt hat“, so Hilwig.
Die SPD hatte im Mai 2022 35,8 Prozent der Stimmen erreicht, die CDU 33,7 Prozent. Bei der Ratswahl 2020 hatte der Abstand allerdings auch bei nur bei 3,7 Prozent gelegen. Damals hatte die SPD vor allem bei den Direktmandaten deutlich vorne gelegen und bei der Stichwahl zum OB – also bei den reinen Personenwahlen.
Diese Entwicklung setzte sich bei der Landtagswahl fort, als sich Justus Moor mit fast 15 Prozentpunkten Abstand vor CDU-Mann Frederik Müller das Mandat sicherte. Die SPD hat zuletzt also ganz offenbar die deutlich besseren Personalentscheidungen getroffen.
Tümmers will Mitglieder hören und zuhören
Tümmers soll nun also neben Hilwig das neue Gesicht der CDU werden, die in Hamm aktuell 1.312 Mitglieder zählt. Gemeinsam als starke Doppelspitze wolle man sich in Hamm als „gute Alternative“ empfehlen. Schaffen will die CDU das mit einer bürgernahen Kampagne.
Für Tümmers ist bereits eine eigene Internetseite eingerichtet worden. Dort prangt vor einem schon im Sommer aufgenommenen Hochglanz-Foto des neuen Fraktionsvorsitzenden der Slogan „Auf zum WIR“. Tümmers dazu: „Wir wollen in einen Dialog eintreten mit den Bürgern. Das gilt nach außen und nach innen. Ich will unsere Mitglieder hören und ihnen zuhören. Die Menschen sollen sich an einem Ideenprozess beteiligen.“
Auch wirklich umsetzen, was die Menschen wollen
In einen solchen Ideenprozess war schon die SPD im Rahmen ihrer Reihe „Hamm von Morgen“ 2019 eingestiegen. Damals hatten vor allem CDU-Vertreter hinter vorgehaltener Hand gewitzelt, die Sozialdemokraten hätten offensichtlich keine eigenen Ideen mehr für ihr Wahlprogramm. Marc Herter landete mit dieser Strategie allerdings auf dem Chefsessel im Hammer Rathaus. Dort, wo zuvor 21 Jahre lang mit Thomas Hunsteger-Petermann ein Christdemokrat gesessen hatte.
Dass die Idee, die Bürger stärker zu beteiligen, nicht neu ist, gibt Tümmers zu. „Das mag sein“, sagt er. Im Gegensatz zur SPD mache die CDU das dann aber auch richtig. Das jüngste Beispiel dafür, dass die Ampelkoalition nicht immer unbedingt dem Bürgerwillen folge, sei die Diskussion um den zweiten Recyclinghof-Standort „Im Ried“ gewesen. Aus Sicht der CDU wurde auch der Kommunale Ordnungsdienst nicht wie versprochen aufgestockt. Das Sicherheitsgefühl der Menschen habe sich nicht verbessert, so Tümmers.
CDU: „Die Ampel-Koalitionäre sind mehr als in Sichtweite“
In einem im Zuge der Umbesetzung des Fraktionsvorsitzes an die Mitglieder der CDU gemeinsam verfassten Schreiben geben sich Tümmers und Hilwig schon jetzt mit Blick auf die kommende Wahl in zweieinhalb Jahren durchaus angriffslustig:
„Gemeinsam wollen wir das Rennen gewinnen. Wir sehen dafür gute Chancen. Wir haben in den vergangenen Monaten mächtig aufgeholt. Die Ampel-Koalitionäre sind mehr als in Sichtweite. Sie straucheln und stolpern. Sie zaudern vor Hürden und Hindernissen. Sie zeigen sich nicht als echtes Team. Vor allem streiten sie über den richtigen Weg. Ein gemeinsames Ziel ist nicht erkennbar.“
Tümmers sieht sich geeignet für OB-Kandidatur
Wer dann gegen Amtsinhaber Herter antritt, dessen Kandidatur auch in SPD-Kreisen erwartet wird, sei zwar noch nicht entschieden, betonen Tümmers und Hilwig. Der neue Fraktionschef schließt eine eigene OB-Kandidatur aber zumindest explizit nicht aus. „Tatsächlich würde ich mich von den Grundvoraussetzungen her durchaus als geeignet wahrnehmen wollen“, sagt er etwas verklausuliert.
Hilwig hatte nach Infos aus CDU-Kreisen vor der Wahl 2020 noch abgewunken, als sein Name fiel. Er dürfte auch 2025 nicht antreten wollen. Knapp ein Jahr vor der Wahl soll klar sein, wer letztlich für die CDU das Rathaus zurückerobern soll. „Ich habe erst einmal einen Berg voll zu tun mit den Aufgaben, die ich jetzt übernommen habe. Was 2025 ist, entscheiden wir dann Ende 2024“, so Tümmers.
Als Fraktionschef und Oppositionsführer hat er in den kommenden zweieinhalb Jahren im Rat allerdings beste Möglichkeiten, sich als Gegenpart zu Marc Herter zu profilieren.
Tümmers ist als Schulleiter Experte für Bildungspolitik
Eine Trumpfkarte könnte seine Expertise in der Schulpolitik sein. Der Schulleiter setzt sich für den Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems mit Gymnasium, Real- und Hauptschule ein. Letztere will er stärken. Tümmers sieht den Bedarf für eine weitere Förderschule in Hamm. Eine vierte Gesamtschule werde dagegen nicht benötigt.
Das ist Daniel Tümmers
Daniel Tümmers ist in Hamm geboren und 46 Jahre alt. Er ist verheiratet und lebt gemeinsam mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter im Hammer Osten. Sein Abitur machte er am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium wurde er Lehrer und ist seit 2016 Schulleiter der Martin-Luther-Hauptschule in Heessen. Seit 2017 ist Tümmers Mitglied in der CDU, war in der Vergangenheit aber auch schon politisch bei den Grünen aktiv. Seit 2020 ist er Ratsmitglied und unter anderem Vorsitzender des Schulausschusses. Tümmers gewann die Wahl bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung.
