100 Meter unterm Zug!

Das Wunder von Hamm: ICE überfährt Mann - der spaziert einfach davon

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Ein womöglich lebensmüder Mann hat im Hauptbahnhof Hamm für einen großen Rettungseinsatz gesorgt und den Zugverkehr damit stark beeinträchtigt. Eine Geschichte mit einem fast unglaublichen Ende.

Hamm - Der Bahnverkehr im Hammer Hauptbahnhof ist am Donnerstagabend für fast zwei Stunden ins Stocken geraten. Reisende mussten die Bahnsteige gegen 21.30 Uhr verlassen und bis etwa 23.30 Uhr im Tunnel oder außerhalb des Bahnhofs ausharren. Erst dann kam die erlösende Lautsprecherdurchsage. Verantwortlich für den Aufruhr war ein etwa 65-jähriger Mann, wie am Folgetag bekannt wurde.

Dieser Mann sei am Donnerstag, 9. Mai, um 21.35 Uhr vom Bahnsteiganfang aus ins Gleis 10 gestiegen, auf dem der ICE 846 aus Berlin bereits in Sichtweite war. Der Lokführer habe noch gesehen, wie sich der Unbekannte hinkniete und nach vorn beugte. Trotz Notbremsung wurde er vom Triebfahrzeug überfahren. Eigenartig: „Zeugen auf dem Bahnsteig bestätigten die Wahrnehmung, haben aber keinen Aufprall bemerkt“, so Markus Heuer, Sprecher der Bundespolizei.

Sofort sei die Rettungskette ausgelöst worden: Alle Gleise wurden gesperrt, Polizei, Rettungsdienst und Notarzt sowie die Feuerwehr alarmiert. Die rund 360 Fahrgäste des ICE mussten diesen verlassen. Im Schein von Taschenlampen suchten die Einsatzkräfte die Gleise unter dem Zug akribisch, aber vergeblich ab.

Einsatzkräfte im Hammer Hauptbahnhof am Donnerstagabend.

Videobilder zeigen irre Überraschung

Zeitgleich werteten Bundespolizisten die Videobilder eines benachbarten Bahnsteigs aus. Wobei sie eine Überraschung erlebten: Denn kurz nach Stillstand des Zuges sei ein Mann unter diesem hervorgekommen und auf den Bahnsteig 8/9 zugegangen. Von dort aus habe er den Bahnhof über den Haupteingang („augenscheinlich unverletzt“) in Richtung Innenstadt verlassen. Eine Fahndung der Bundespolizei im Nahbereich blieb jedoch ebenso ergebnislos wie Anrufe in den umliegenden Krankenhäusern.

Der Kameraufzeichnung zufolge sah der Mann so aus:

  • etwa 65 Jahre alt,
  • kräftige Statur,
  • grauer Vollbart,
  • dunkle Jacke,
  • blaue Jeans,
  • dunkle Baseballkappe.

Zeugenhinweise nimmt die Bundespolizei unter der Telefonnummer 0800-6-888-000 entgegen.

Auch Einsatzkräfte der Hammer Feuerwehr waren im Einsatz.

Mann mindestens 100 Meter unter ICE

Wie der Mann die lebensgefährliche Situation überleben konnte, ist nun Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Zumal der ICE „mindestens 100 Meter“ über ihn hinweggerollt sei, wie Behördensprecher Markus Heuer auf Nachfrage erklärte. Eine suizidale Absicht liegt aufgrund der Beobachtungen nahe, ist aber natürlich bis auf Weiteres reine Spekulation.

Der Vorfall hatte am Donnerstagabend natürlich erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Fünf Züge seien teilweise ausgefallen, 37 weitere kamen auf insgesamt knapp 30 Stunden Verspätungen, heißt es.

Das betroffene Gleis wurde um 23.17 Uhr vom Notfallmanagement der DB wieder freigegeben. Zuvor seien bereits die nicht betroffenen Gleise wieder freigegeben worden.

Ein anderer rätselhafter Fall spielte sich im Hammer Hauptbahnhof im Februar 2024 ab - dieser endete allerdings tödlich. Einen Monat später gab es dort einen dramatischen Einsatz wegen eines blutüberströmten, desorientierten Mannes.

Rubriklistenbild: © Patrick Droste

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