Trockenheit prägt das Jahr bisher. Seit Wochen fehlen Niederschläge, es gibt deutlich mehr Sonnenstunden als im Schnitt. Der Umweltminister nennt das eine „Naturkatastrophe“.
Bonn – Seit Wochen kaum ein Tropfen Regen in NRW. Die Dürre hat das Bundesland und ganz Deutschland fest im Griff. Ein Wetterphänomen, das für die anhaltende Trockenheit mitverantwortlich ist, bereitete Wetter-Experten zuletzt schon Sorgen. Und auch der neue Bundesumweltminister ist alarmiert.
„De facto eine Naturkatastrophe“: Umweltminister Schneider besorgt wegen Trockenheit
Carsten Schneider, frisch eingesetzter Umweltminister (SPD), war am Montag, 19. Mai, für einen Termin am Rhein in Bonn. Dabei ging es auch um die Binnenschifffahrt, die durch den ausbleibenden Regen direkt betroffen ist. „Dieses Niedrigwasser im Mai ist vollkommen ungewöhnlich“, sagte Schneider. „Es zeigen sich hier die Auswirkungen des Klimawandels.
„Was wir derzeit erleben, ist zwar schönes Wetter und Sonnenschein, aber de facto ist es eine Naturkatastrophe, weil wir kein Wasser haben“, so Schneider.
Können auf Rhein, Ruhr und den Kanälen keine Schiffe mehr fahren, wirkt sich das wiederum auf die Versorgung mit Gütern und Ressourcen aus. Ganz zu schweigen von Fauna und Flora: Pflanzen und Tiere verdursten durch die Hitze. Junge Eichhörnchen etwa kommen gerade vielerorts nicht an genügend Wasser und suchen sogar aktiv die Nähe zum Menschen.
Mehr warme Kenn-Tage, weniger kalte, mehr Sonnenstunden
Ob es sich bei den Auswirkungen der aktuellen Wetterlage tatsächlich um eine Naturkatastrophe handelt, wie Umweltminister Schneider sagte, ist laut Lanuk NRW noch nicht sicher. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen gibt unter anderem Klimadaten für NRW heraus.
Antje Kruse, Fachbereichsleitung im Fachzentrum für Klimaanpassung, Klimaschutz, Wärme und Erneuerbare Energien, sagt: „Das sind die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels. Der führt dazu, dass das Wetter ‚spinnt‘.“ Die Zahl der warmen Kenn-Tage und der Sonnenstunden nehme deutlich zu, es werde zunehmend wärmer, die Anzahl der kalten Kenn-Tage nehme ab – „Das ist nicht nur gefühlte Wirklichkeit, sondern auch gemessene“, sagt sie im Gespräch mit wa.de.
„Wenn jetzt Regen kommt, haben wir keine Katastrophe“
Von einer Naturkatastrophe will sie aber nicht sprechen: „Wenn jetzt Regen kommt, wird es ja besser. Dann haben wir keine Katastrophe.“ Doch mit einem Verweis auf Klimaatlas und Witterungsverlauf auf der Website des Lanuk sagt sie auch: „Wir haben seit Februar viel mehr Sonnenstunden als im Durchschnitt der letzten Jahre“, im März gab es sogar 91 Stunden mehr als im Schnitt der vergangenen Klimaperiode (von 1991 bis 2020).
Mehr Sonnenstunden bedeute mehr Verdunstung. Und auch die Pflanzen bräuchten gerade besonders viel Wasser, da sie sich in der Wachstumsphase befänden, an Niederschlag mangle es aber: Das bedeutet ein Ungleichgewicht. „Dann nimmt die Dürre noch zu“, sagt Antje Kruse. 2018 gab es zuletzt insgesamt mehr Verdunstung als Niederschlag. Es war der absolute Dürre-Sommer, Pflanzen im heimischen Garten zu gießen oder gar Pools zu füllen, wurde vielerorts verboten.
Umweltminister Schneider will auf diese Entwicklung reagieren und unter anderem Flüsse Flüsse sein lassen: „Nicht immer nur Begradigung, nicht immer nur Vertiefung, sondern vor allem auch Gewässer fließen zu lassen und sie auch in ihrem natürlichen Habitat zu haben“, sagte er in Bonn. Umwelt- und Wirtschaftsaspekte müssten berücksichtigt werden.
Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW
Schneider wolle ein „Klimaanpassungsprogramm erarbeiten“, das solche Maßnahmen mit einbeziehe, wenn es um Gelder gehe. Alle Ministerien müssten einen Beitrag zur „Kernaufgabe“ Klimaschutz leisten, sagte er. Kommunen und Ländern solle schnell Geld zur Verfügung gestellt werden, etwa für die Entsiegelung von Flächen.
Die Wetterprognose für die kommenden Tage sieht endlich Regen vor. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) stelle sich die Lage „deutlich um“, vom Süden Deutschlands her bildeten sich Schauer und Gewitter – die allerdings örtlich auch zu Starkregen würden. Schon am Donnerstag solle es auch in NRW regnen. Außerdem wird es merklich kühler mit einem „kräftigen Westwind“. (leni/dpa)