Deutsche Post streicht tausende Stellen: Ist das nur „die Spitze des Eisbergs?“
VonMaximilian Gang
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Kurz nach dem Tarifabschluss mit Verdi gibt die Deutsche Post einen Jobabbau bekannt. Wird dies auch Auswirkungen auf die Menschen in Hamm haben?
Hamm – Noch in diesem Jahr will die Deutsche Post 8.000 Stellen abbauen. Das entspricht in etwa vier Prozent der insgesamt rund 187.000 Beschäftigten des Unternehmens in Deutschland. Man wolle sich schlanker und effizienter aufstellen, heißt es aus der Unternehmenszentrale in Bonn. Der Schritt erfolgt nur wenige Tage nach dem Tarifabschluss zwischen der Post und der Gewerkschaft Verdi. Was bedeutet das für die Mitarbeitenden und Kunden in Hamm?
Stellenabbau bei der Deutschen Post: Was das für Mitarbeiter und Kunden bedeutet
Die gute Nachricht: Die Deutsche Post will den Stellenabbau sozialverträglich gestalten. Demnach sollen die Streichungen gänzlich ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen, wie ein Sprecher der DHL Group auf Nachfrage von wa.de berichtet. „Vielmehr werden Verträge, die ohnehin auslaufen, nicht verlängert – beispielsweise, weil die Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand wechseln.“ Diese Jobs würden nicht nachbesetzt, so fielen bis 2026 die angegebenen Stellen weg.
Konkrete Angaben dazu, wie viele Stellen in welcher Stadt wegfallen werden, kann der Sprecher derzeit noch nicht machen. „Bundesweit werden es aber rund 8.000 aus allen Geschäftsbereichen sein, sodass es in keinem einzelnen Bereich einen größeren Abbau geben wird.“ Dadurch müssen sich die Menschen in Hamm auch keine Sorgen um ihre Paket- und Postlieferungen machen.„Die Kunden werden davon nicht viel mitbekommen. Bei der Lieferdauer sind wir eh an einen gesetzlichen Rahmen gebunden.“
Was hinter dem Stellenabbau bei der Deutschen Post steckt
Einer der Gründe für diesen Schritt sind gestiegene Kosten: Die DHL Group konnte ihren Umsatz im vergangenen Jahr zwar um 3 Prozent steigern, auf nun 84,2 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank jedoch um 7,2 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Im Konzernbereich Post & Paket Deutschland – also der Deutschen Post – sank das Betriebsergebnis um 5,6 Prozent auf jetzt 821 Millionen Euro. Durch die Sparmaßnahmen will der Konzern die Kosten um mehr als eine Milliarde Euro drücken.
Zudem sinkt auch die Briefmenge im Zeitalter der Digitalisierung seit Langem. Das Stammgeschäft der Post ist schon länger ein Sorgenkind für den globalen Konzern. Zur Veranschaulichung: 2019 wurden bundesweit noch rund 15,9 Milliarden Briefe verschickt, bis 2023 sank die Zahl auf rund 13,3 Milliarden. Das entspricht einem Rückgang um 16,4 Prozent. Laut dem Unternehmen war im vergangenen Jahr beispielsweise die Menge der Werbepost stark rückläufig. Die Paketmengen legten hingegen zu.
Stellenabbau nur zwei Tage nach Tarifabschluss mit Gewerkschaft Verdi
Die Nachricht kommt nur zwei Tage nach dem Tarifabschluss mit der Gewerkschaft Verdi für rund 170.000 Briefträger, Postboten und anderen Logistikmitarbeitern. Die Parteien hatten sich auf ein Entgelt-Plus von zunächst zwei Prozent im ersten und weiteren drei Prozent im zweiten Jahr des Tarifvertrags sowie mindestens einen Extra-Urlaubstag geeinigt.
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Die für Post & Paket Deutschland zuständige DHL-Vorständin Nikola Hagleitner hatte am Dienstag angekündigt, Kostensenkungsmaßnahmen wegen des Tarifabschlusses „konsequent erweitern und beschleunigen“ zu müssen. Nähere Angaben machte sie dazu nicht. Thomas Held, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits Sorgen, dass es sich dieser Schritt „nur die Spitze vom Eisberg“ sein könnte. (mit dpa)