VonMarkus Hannekenschließen- Max Lametzschließen
[Update] Nach einem lautstarken Aufeinandertreffen zweier Gruppen ist die Polizei in Hamm am Montagabend stark gefordert worden. Die jüngsten Protagonisten sind erst 15 und 17 Jahre alt. Die Polizei ist „fassungslos“.
Hamm - Ein schwieriger Polizeieinsatz hat sich am späten Montagabend, 29. Januar, in Hamm vor dem Hauptbahnhof auf dem Platz der Deutschen Einheit abgespielt. Bis zu vier Streifenwagen und zwei zivile Einsatzfahrzeuge waren vor Ort; sie standen vor dem Heinrich-von-Kleist-Forum. Insgesamt rund ein Dutzend Beamte waren mit dem Geschehen befasst. Nur wenige Stunden später wurden in Sichtweite die Präsenz-Container für die Polizei und den KOD aufgestellt.
Die ersten Beamten trafen nach Angaben von Polizeisprecher Hendrik Heine gegen 22.30 Uhr am Schauplatz ein. Alarmiert wurden sie von Bundespolizisten aus der Wache im Bahnhof, wo wenige Minuten zuvor zwei Zeugen (49 und 59) aufliefen und von sich anschreienden Personengruppen berichteten. Auch ein Drohszenario mit einem Messer wollen sie gesehen haben.
Die Polizisten trafen zwar nur noch auf eine der beiden Gruppen, offenbar die Aggressoren - doch allein mit deren Mitgliedern hatten sie genug zu tun. Vor allem mit einem 17-Jährigen: Bei dessen Durchsuchung fanden sie einen Seitenschneider und eine Sturmhaube, in einem Gebüsch ein Küchenmesser. Dieses hatte der in Hamm wohnhafte Heranwachsende den Zeugen zufolge zuvor drohend in der Hand gehalten.
15-Jähriger mit Fessel an Straßenlaterne fixiert
Weil er nicht in seine Jugendgruppe gebracht werden wollte, sei der 17-Jährige zunehmend aggressiv geworden, so Heine. Mehrere Beamte hätten in „in Schach halten“ müssen, er habe sich „heftig gegen eine Fesselung gesperrt“. Mit den Worten „Unterstütz‘ mich mal!“ habe er einen 26-jähriger Begleiter aus Soest angestachelt, ihm gegen die Polizisten zu verteidigen. Das Duo soll heftige Beleidigungen ausgestoßen haben. Bei den Auseinandersetzungen sei ein Beamter leicht verletzt worden. Heine betont, dass zu diesem Zeitpunkt mindestens eine der Polizei-Bodycams eingeschaltet gewesen sei.
Nach einem Austausch mit Jugendamt-Mitarbeitern wurde der 17-Jährige schließlich ins Polizeigewahrsam gebracht. Er ist laut Heine längst polizeibekannt; erst am 19. Januar hatte er in der Notaufnahme eines Krankenhauses randaliert und eine Polizistin an der Hand verletzt. Weitere Gruppenmitglieder seien 28 Jahre (aus Lippstadt), 21 und 15 Jahre (beide wohnhaft in Hamm) alt gewesen. Alle haben laut Heine einen deutschen Pass.
Auch der Jüngste fiel besonders unangenehm auf. Kurzzeitig habe er mit einer Handfessel an einer Straßenlaterne fixiert werden müssen, weil sich die Beamten einer zweiten Auseinandersetzung widmen mussten. Auch er sei verbal und körperlich sehr aggressiv und „nicht zu beruhigen“ gewesen, so Heine. Hoffnungsvoll ließen ihn die Beamten schließlich gegen 23 Uhr in seiner Wohngruppe zurück. Er warf dem abfahrenden Streifenwagen aber noch einen Stein hinterher.
Keine Hinweise auf Drogenproblematik
Damit immer noch nicht genug: Gegen 2.10 Uhr wurde die Polizei nochmal zur Wohngruppe gerufen, als der 26-jährige Soester, der 28-jährige Lippstädter und eine 18-Jährige (ebenfalls aus Lippstadt) in das Zimmer des 15-Jährigen eindringen wollten. Diesmal lautete das Stichwort „Hausfriedensbruch“.
Worum es am Montagabend ursächlich überhaupt ging, ist unklar und Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Hinweise auf Drogen - bekanntlich ein großes Problem im Bahnhofsquartier - gebe es nach derzeitigem Stand nicht. Zwar wurde das genannte Messer nicht eingesetzt, doch zeigen sich Polizeisprecher Heine und seine Kollegen angesichts des „Verhaltens der zum Teil noch jugendlichen Tatverdächtigen fassungslos“.
Aktuell gibt es in Hamm wieder Diskussionen um die Sicherheit im Bahnhofsquartier. Dabei spielt auch die von der Polizei gewünschte Videoüberwachung eine Rolle.
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