Der aktuelle Stand

Terror-Alarm am Kölner Dom: Was bereits bekannt ist

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Am Kölner Dom gelten an Weihnachten strenge Sicherheitsmaßnahmen. Die Polizei Köln hat Hinweise auf eine Terror-Gefahr an Silvester. Der aktuelle Stand.

Köln – Es war die Schockmeldung kurz vor Weihnachten: „Aufgrund eines Gefahrenhinweises für den Kölner Dom wird die Polizei Köln ab heute Abend (23. Dezember) besondere Schutzmaßnahmen ergreifen“, teilte die Polizei Köln am 23. Dezember mit. Sicherheitsbehörden hatten nach dpa-Informationen Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Kölner Dom erhalten. Auch eine Kirche in Wien sei mögliches Ziel gewesen.

Terror-Alarm am Kölner Dom: Was bereits bekannt ist, was noch unklar ist

► Das ist passiert: Am Samstag, 23. Dezember, teilte die Polizei Köln mit, Sicherheitsmaßnahmen am Kölner Dom zu ergreifen. „Aufgrund eines Gefahrenhinweises für den Kölner Dom“. Die Drohung beziehe sich zwar auf Silvester, die Sicherheitsmaßnahmen werden jedoch schon an Weihnachten ergriffen.

► Die Täter: Wer genau hinter den Terror-Drohungen steckt, ist noch unklar. Mehrere Männer wurden zeitweise festgenommen. Das Amtsgericht Oberhausen habe am ersten Weihnachtstag auf Antrag der Polizei Köln die Anordnung der Ingewahrsamnahme für einen 30-Jährigen bis zum 7. Januar bestätigt. Nach dpa-Informationen handelt es sich um eine Gruppierung mit Bezug auf die Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK). Das Terrornetzwerk trägt in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban aus.

► Auswirkungen: Auch wenn sich die Terror-Drohung auf Silvester beziehen soll, werden schon jetzt besondere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Unter anderem gibt es strenge Kontrollen vor den Gottesdiensten. Auch Spürhunde sind im Einsatz. Der Dom ist für Touristen aktuell geschlossen.

► Der aktuelle Stand: Details zur Drohung nennt die Polizei derzeit nicht – auch „wegen aktuell laufenden Ermittlungen“. Am Sonntagmorgen wurde bei den massiven Kontrollen kein Sprengstoff entdeckt. An Heiligabend gab es eine Festnahme.

Stand: 27. Dezember, 14 Uhr

Terror-Alarm am Kölner Dom: Anschlagspläne an Silvester

Es habe kurz vor Weihnachten Hinweise auf eine Tat an Silvester gegeben. Details zu den Anschlagsplänen auf den Kölner Dom nannten die Behörden nicht. „Über Details zu den vorliegenden Erkenntnissen wird sich die Polizei wegen aktuell laufender Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes nicht äußern“, so die Polizei Köln.

Der Kölner Polizeisprecher Wolfgang Baldes sagte am 24. Dezember lediglich: „Wir haben einen Hinweis bekommen, eine Gefahrensituation rund um den Kölner Dom, möglicherweise auch für den Kölner Dom, der bezog sich auf Silvester.“ Er wollte sich nicht dazu äußern, wer den Hinweis gegeben hatte. Man werde auch mit Blick auf weitere verdeckte Ermittlungen nichts zu den Erkenntnissen sagen.

Terror-Alarm am Kölner Dom: Was bereits bekannt ist, was noch unklar ist

Terror-Alarm am Kölner Dom: Wer steckt hinter der Tat?

Im Zusammenhang mit dem Terroralarm für den Kölner Dom hat die Polizei am 24. Dezember einen Verdächtigen in Wesel in Gewahrsam genommen. Die Polizei habe in der Stadt am Niederrhein an Heiligabend eine Wohnung mit Spezialeinheiten durchsucht und fünf Männer in Gewahrsam genommen. Während vier von ihnen wieder auf freien Fuß gekommen seien, hätten die Einsatzkräfte einen 30 Jahre alten Tadschiken „zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam“ genommen.

Zu ihm lägen staatsschutzrelevante Erkenntnisse vor. Der im Zusammenhang mit dem Terroralarm für den Kölner Dom in Wesel festgesetzte 30-Jährige hatte zuvor schon mit der Polizei im Saarland Kontakt. Das Amtsgericht Oberhausen habe am ersten Weihnachtstag auf Antrag der Polizei Köln die Anordnung der Ingewahrsamnahme bis zum 7. Januar bestätigt. Kripochef Michael Esser sagte: „Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus, um die Menschen, den Dom und die bevorstehenden Silvesterfeierlichkeiten zu schützen.“ Zu den Hintergründen der Ingewahrsamnahme werde die Polizei wegen laufender Ermittlungen bis auf Weiteres keine Auskünfte erteilen.

Nach Informationen der Deutschen Presseagentur handelt es sich bei der Gruppierung um Personen mit Bezügen zur Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK). Bestätigt sich das, wäre es nicht ihr erster Anschlagsplan in Deutschland. Terrorexperte Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project (CEP) sagt: „ISPK hat Deutschland wohl fest im Auge“.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im April betont, obwohl die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak als weitestgehend besiegt gelte, sei die Gesamtorganisation noch lange nicht zerschlagen. Behördenchef Thomas Haldenwang sagte damals: „Unter den verschiedenen Ablegern des IS sticht besonders der „Islamische Staat Provinz Khorasan“, kurz ISPK, hervor.“

Diese Terror-Gruppe könnte hinter dem Anschlagsplan auf den Kölner Dom stecken

► Nach dpa-Informationen könnte es bei der Gruppe möglicherweise einen Bezug zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) geben.

► Der Ableger nennt sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) und trägt in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban aus.

Terror-Drohung für Silvester: Auswirkungen auf Gottesdienste im Kölner Dom

Auch wenn sich die Terror-Drohung auf Silvester beziehen soll, werden schon jetzt besondere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Darunter Sicherheitskontrollen am Eingang und Polizeifahrzeuge vor der Kathedrale.

„In Abstimmung mit dem Sicherheitsbeauftragten des Domkapitels wird die Kathedrale nach der Abendmesse mit Spürhunden abgesucht und anschließend verschlossen“, sagt Kripochef Michael Esser, der den Einsatz leitet. Demnach werden alle Besucher vor Betreten des Gotteshauses einer Kontrolle unterzogen. Polizei und Domkapitel empfehlen, auf Taschen zu verzichten und frühzeitig zu den Messen zu kommen. Touristische Besuche waren am Sonntag nach Kirchenangaben nicht möglich. Am Samstagabend hatte die Polizei den Dom bereits mit Spürhunden durchsucht, fand eigenen Angaben jedoch nichts Auffälliges.

„Ich habe gestern bis spät in die Nacht miterlebt, wie sie alle engagiert und mit hoher Professionalität Hand in Hand arbeiten, um den Dom zu schützen. Auch heute und in den Folgetagen zeigt die Polizei Präsenz am Dom“, sagt Dompropst Guido Assmann an Heiligabend. „Alle Weihnachtsgottesdienste im Kölner Dom finden statt, aber sie werden mit Zugangskontrollen verbunden sein, die leider nötig sind.“

„Das Domkapitel trägt diese Kontrollen und alle übrigen Maßnahmen zum Schutz des Domes voll mit, denn das Wohl der Gläubigen ist uns ein hohes Anliegen. Herzlich bitte ich alle, die in diesen Tagen zum Gottesdienst in den Dom kommen, beim Einlass um Geduld. Ich bin überzeugt, wir werden diese Herausforderung in typisch kölscher Gelassenheit und getragen von weihnachtlicher Vorfreude meistern und in gewohnter, festlicher Weise die Geburt des Herrn feiern.“ 

Msgr. Guido Assmann, Dompropst

Zugleich machte die Kölner Polizei deutlich, dass die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen am Dom noch einige Zeit andauern werden. „Man muss jetzt mal schauen, wie schnell wir diesen Hinweis ja tatsächlich verifiziert bekommen. Es ist sicher, solange hier eine Gefahrensituation nicht ausgeschlossen ist, werden wir natürlich diese Maßnahmen weiterführen“, sagte Polizeisprecher Baldes. Der Polizei stünden noch sehr arbeitsreiche Tage bevor.

Reker mit emotionalem Statement nach Terror-Drohung: „Lassen uns nicht einschüchtern“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker appelliert nach den Terror-Drohungen für den Kölner Dom: „Wir Kölnerinnen und Kölner lassen uns von Terroristen nicht einschüchtern.“ In einem Post auf X (ehemals Twitter) schreibt sie: Seit 1248 steht unser Dom stolz im Herzen unserer Stadt. Ich danke der Polizei Köln für ihr schnelles und umsichtiges Handeln. „Alles wird durch Stadt Köln und Polizei unternommen, um die Kölnerinnen und Kölner und unseren Dom in den nächsten Tagen zu schützen.“

Terror-Drohung an Weihnachten: Reul appelliert: „Angst ist die Währung von Terroristen“

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul betont, nicht aus Angst vor einem Anschlag auf einen Kirchenbesuch zu Weihnachten zu verzichten. „Vorsicht ist das Gebot der Stunde. Wir wissen: Die Terrorgefahr ist so hoch wie lange nicht mehr und unsere christlichen Feiertagsrituale sind natürlich auch ein Ziel von islamistischen Terroristen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

„Aber wir sind nicht schutzlos. Unsere Behörden nutzen alle Erkenntnisse, um uns bestmöglich zu schützen. Das zeigen jetzt die Maßnahmen in Köln“, unterstrich Reul und fügte hinzu: „Mein Appell: Gehen Sie in die Kirche, feiern Sie das Weihnachtsfest. Angst ist die Währung von Terroristen. Wir dürfen sie nicht zusätzlich aufwerten.“

Die Reaktion auf einen möglichen Anschlagsplan von Islamisten auf den Kölner Dom zeigt nach Ansicht von Bundesinnenministerin Nancy Faeser, wie ernst die Sicherheitsbehörden derlei Gefahren nehmen. „Wir alle lieben unsere weihnachtlichen Traditionen und lassen uns nicht einschüchtern oder in unserer Lebensweise einschränken“, sagte die SPD-Politikerin. „Aber genauso gilt: Wir nehmen die islamistische Terrorgefahr sehr ernst und sind äußerst wachsam.“ Die Sicherheitsbehörden hätten die islamistische Szene im Visier und handelten konsequent. „Das zeigen auch die aktuellen Maßnahmen.“

Bund und Länder setzten alle polizeilichen und nachrichtendienstlichen Mittel ein, um Gefahren früh zu erkennen und jedem Hinweis nachzugehen, sagte Faeser. (jw mit dpa und ots) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren. Dieser Text wird laufend aktualisiert.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago

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