An Silvester in Gewahrsam genommen

Nach Terroralarm am Kölner Dom: Ermittlungen zum Terror-Netzwerk

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Nach Hinweisen eines Terror-Angriffs auf den Kölner Dom hatte die Polizei zwischenzeitlich fünf Personen in Gewahrsam genommen.

  • Im Zusammenhang mit einem möglicherweise geplanten Terroranschlag auf den Kölner Dom hatte die Polizei zwischenzeitlich fünf Verdächtige festgesetzt.
  • Die kurz vor Weihnachten eingeführten Sicherheitsvorkehrungen am Kölner Dom gelten auch weiterhin.
  • Die Polizei hatte kurz vor Weihnachten Hinweise auf einen möglichen islamistischen Anschlagsplan auf den Kölner Dom erhalten, der sich auf Silvester bezog. 
  • Dieser Text wird laufend aktualisiert.

Update vom 3. Januar, 12:37 Uhr: Nach der Terrorwarnung für den Kölner Dom ermittelt die Polizei weiter zu dem dahinter vermuteten islamistischen Netzwerk. Der an Heiligabend in Wesel in Gewahrsam genommene 30 Jahre alte Tadschike bleibe noch bis Sonntag (7. Januar) in Gewahrsam, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Dann müsse er entweder in Untersuchungshaft kommen oder freigelassen werden. Ein an Silvester in Nörvenich im Kreis Düren in Gewahrsam genommener 25 Jahre alter Tadschike bleibe auf richterliche Anordnung noch bis zum 14. Januar in polizeilichem Langzeitgewahrsam. Drei andere Verdächtige waren an Neujahr freigelassen worden.

Auf die Frage, ob die Polizei immer noch befürchte, dass ein Terroranschlag auf den Dom ausgeführt werden solle, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstagabend in der „Aktuellen Stunde“ des WDR: „Wir gehen davon aus – seit Monaten und Jahren im Grunde – dass es islamistischen Terror und Terroristen in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen gibt.“ Diese würden von den Sicherheitsbehörden ständig im Blick behalten. „Und in dem Moment, wenn es gefährlich wird oder wenn sich das so verdichtet, dass wir davon ausgehen müssen, dass etwas passieren kann, dann steht bei uns in der Priorität der Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor allem.“ Am Ende müsse ein Richter entscheiden, ob die Beweise für eine Verhaftung ausreichten oder nicht.

Unterdessen berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger, dass drei im Juli 2023 in Nordrhein-Westfalen festgenommene Terrorverdächtige die Deutzer Kirmes als mögliches Anschlagsziel ausgespäht hätten. Das gehe aus Vermerken des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Eine Sprecherin des BKA sagte dazu am Mittwoch, sie wolle den Bericht nicht kommentieren.

Nach Terroralarm am Kölner Dom: Drei Verdächtige auf freiem Fuß

Update vom 1. Januar 2024, 18:40 Uhr: Nachdem an Silvester vier Männer in Gewahrsam genommen wurden, hat ein Richter über die Dauer der Maßnahme entschieden. Ein 25-jähriger Tadschike bleibe „nach eingehender Befassung mit dem Fall“ für die Dauer von 14 Tagen in polizeilichem Gewahrsam.

„Für die anderen Drei waren nach Entscheidung des Gerichts die freiheitsentziehenden Maßnahmen zu beenden“, teilt die Polizei am Montagabend mit. Drei Männer, die an Silvester wegen eines möglicherweise geplanten Terroranschlags auf den Kölner Dom in Gewahrsam gekommen sind, sind wieder auf freiem Fuß.

Die Ermittlungen werden in allen Fällen fortgeführt. Bereits an Heiligabend hatten Einsatzkräfte zunächst einen 30 Jahre alten Tadschiken in Wesel „zur Gefahrenabwehr“ bis zum 7. Januar in einen sogenannten Langzeitgewahrsam genommen.

Terroralarm in Köln: Polizei setzt weiteren Verdächtigen fest

Update vom 1. Januar 2024, 15:15 Uhr: Die Polizei hat einen weiteren Verdächtigen festgesetzt, das teilte die Polizei an Neujahr mit. Es handelt sich dabei um einen 41 Jahre alten Mann, der am Montagabend in Bochum in Gewahrsam genommen wurde. Er habe sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit, sagte ein Sprecher.

Die Zahl der nach dem Terroralarm in Gewahrsam genommenen Verdächtigen erhöhte sich damit auf fünf. An Silvester hatte die Polizei berichtet, dass sie drei Personen festgesetzt habe. Dabei handelt es sich um drei Männer im Alter von 25, 30 und 38 Jahren. Ein weiterer Verdächtiger war bereits an Heiligabend aufgegriffen worden. Die Polizei ging von einem größeren Netzwerk aus.

Hintergrund der Maßnahmen ist, dass die Polizei kurz vor Weihnachten Hinweise auf einen geplanten islamistischen Terroranschlag auf den Kölner Dom erhalten hatte. Die Sicherheitsvorkehrungen an der Kathedrale waren daraufhin massiv erhöht worden. In der Silvesternacht war ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz. „Es wird weiter Sicherheitskontrollen geben am Dom“, sagte ein Sprecher am Montag. „Wie lange diese Maßnahme aufrechterhalten wird, ist jetzt aktuell in der Prüfung.“

Drei weitere Verdächtige in Gewahrsam nach Terroralarm am Kölner Dom

Update vom 31. Dezember, 17:21 Uhr: Der im Zusammenhang mit einem geplanten Terroranschlag auf den Kölner Dom in Gewahrsam genommene 30-jährige Mann soll im Zentrum eines größeren Netzwerks gestanden haben. Dieses Geflecht umfasse auch Personen in anderen Bundesländern und in anderen europäischen Staaten, sagte der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns am Sonntag. Am Sonntagvormittag seien drei weitere Personen festgesetzt worden. Der Anschlag habe mit einem Auto verübt werden sollen. Die Polizei hatte kurz vor Weihnachten Hinweise auf einen geplanten islamistischen Terroranschlag auf den Kölner Dom erhalten.

Nach Terroralarm: Verdächtiger war am Kölner Dom

Terror-Alarm am Kölner Dom: Was bereits bekannt ist, was noch unklar ist.

Update vom 28. Dezember, 14:50 Uhr: Ein im Zusammenhang mit dem Terroralarm am Kölner Dom festgesetzter Mann steht im Verdacht, den Kölner Dom ausgespäht zu haben. „Man weiß, dass er vor Ort war“, hieß es am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Bei dem anderen Ziel der Gruppe soll es sich um den Stephansdom in Wien handeln.

Die Sicherheitskreise vermuten, dass es sich bei der Gruppe um eine Terrorzelle des Islamischen Staats handelt, genauer seines regionalen Ablegers „Provinz Khorasan“ (ISPK), der in Afghanistan in Konkurrenz zu den islamistischen Taliban steht. Für die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen sei der 30-Jährige ein unbeschriebenes Blatt gewesen. „Er war uns nicht bekannt“, hieß es. Dass der in Gewahrsam genommene 30-Jährige auch Kontaktmann zu einer im Juli festgenommenen mutmaßlichen Terrorzelle des IS gewesen sein soll, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, bestätigten die Sicherheitskreise zunächst nicht.

Kölner Dom nach Terrordrohung vorerst geschlossen – Festnahme in NRW

Update vom 27. Dezember, 13:45 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Terroralarm für den Kölner Dom hat die Polizei einen Verdächtigen in Wesel in Gewahrsam genommen. Die Polizei habe in der Stadt am Niederrhein an Heiligabend eine Wohnung mit Spezialeinheiten durchsucht und fünf Männer in Gewahrsam genommen. Während vier von ihnen wieder auf freien Fuß gekommen seien, hätten die Einsatzkräfte einen 30 Jahre alten Tadschiken „zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam“ genommen.

Zu ihm lägen staatsschutzrelevante Erkenntnisse vor. Der im Zusammenhang mit dem Terroralarm für den Kölner Dom in Wesel festgesetzte 30-Jährige hatte zuvor schon mit der Polizei im Saarland Kontakt. Dort hatte es Durchsuchungsmaßnahmen gegeben, die sich auch gegen ihn gerichtet hätten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Sicherheitskreisen. 

Das Amtsgericht Oberhausen habe am ersten Weihnachtstag auf Antrag der Polizei Köln die Anordnung der Ingewahrsamnahme bis zum 7. Januar bestätigt. Kripochef Michael Esser sagte: „Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus, um die Menschen, den Dom und die bevorstehenden Silvesterfeierlichkeiten zu schützen.“ Zu den Hintergründen der Ingewahrsamnahme werde die Polizei wegen laufender Ermittlungen bis auf Weiteres keine Auskünfte erteilen.

Kölner Dom nach Terrordrohung vorerst geschlossen – Polizei nimmt Mann fest

Update vom 26. Dezember, 18.30 Uhr: Bereits an Heiligabend hat die Polizei bei der Durchsuchung einer Wohnung in Wesel fünf Männer in Gewahrsam genommen. Das teilt die Polizei Köln am Dienstag mit. Vier von ihnen wurden bereits wieder freigelassen. Ein 30-jähriger Mann aus Tadschikistan hingegen wird „zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam“ bleiben. Zu dem Mann liegen staatsschutzrelevante Erkenntnisse vor.

„Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus, um die Menschen, den Dom und die bevorstehenden Silvesterfeierlichkeiten zu schützen“, betont Kripochef Michael Esser. „Wir ermitteln mit Hochdruck und sind dankbar, dass die Besucher des Doms Verständnis für die strikten Sicherheitsmaßnahmen zeigen. Mein Dank gilt aber auch den vielen Kolleginnen und Kollegen, die in diesen Tagen in einem wichtigen Einsatz sind.“

Kölner Dom bleibt für Touristen geschlossen

Update vom 26. Dezember, 12:09 Uhr: Wegen des Terroralarms bleibt der Kölner Dom zwischen Weihnachten und Neujahr für Touristen geschlossen. Normalerweise kommen in diesen Tagen mehr als 100.000 Menschen dorthin, um die Kirche zu besichtigen. Doch in diesem Jahr ist das Sicherheitsrisiko zu hoch.

Laut Website des Kölner Doms finden die Gottesdienste und die Beichte weiterhin statt. Alle anderen Besuche, etwa um eine Kerze anzuzünden oder die Domkrippe zu besichtigen, seien derzeit nicht möglich. Das gilt auch für die Turmbesteigung und die Schatzkammer des Kölner Doms.

Dompropst Guido Assmann sagt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), er bedauere die Schließung. „Aber Sicherheit geht vor.“ Die Terrordrohung habe die Menschen jedenfalls nicht von Gottesdiensten zu Weihnachten ferngehalten. „Die Christmette war voller als im vergangenen Jahr.“

Neben Terrorplänen in Köln war auch Wien im Visier

Update vom 25. Dezember, 12:46 Uhr: Auch in Wien hatte die Polizei nach den Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wie auch am Kölner Dom ging die Weihnachtsmesse an Heiligabend ohne Zwischenfälle über die Bühne.

In Österreich waren bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Personen festgenommen worden. Gegen drei wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Verbindung mit terroristischen Straftaten ermittelt. Ein vierter Mann war bei der Polizeiaktion ebenfalls festgenommen worden. Er sei wegen anderer Vergehen gesucht worden. Ob er mit den geplanten Straftaten zu tun hatte, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch geprüft.

Nach Anschlagsdrohungen gegen Kölner Dom: Messe an Heiligabend ohne Zwischenfälle

Update vom 25. Dezember, 10:30 Uhr: Nach Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne auf dem Kölner Dom hat es bei den Kontrollen der Besucher der Mitternachtsmette an Heiligabend keine Vorkommnisse gegeben. Wie eine Polizeisprecherin am Montagmorgen (25. Dezember) sagte, seien die aufwendigen Prüfungen der Menschen im Dom unauffällig verlaufen. Auch im Umfeld des Doms, wo die Polizei ihre Präsenz erhöht hatte, sei es ruhig geblieben.

Direkt zu Beginn des Gottesdienstes bedankte sich der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, dass sich die Besucher trotz der Lage „nicht haben ängstigen und erschrecken lassen, sondern dass sie mutig hergekommen sind“. Sein besonderer Dank gelte den Einsatzkräften der Polizei, „die den Dom gewissermaßen auf den Kopf gestellt haben, damit wir hier in aller Sicherheit heute Abend Gottesdienst und Weihnachten feiern können“. Auch bei den Domschweizern und den Mitarbeitern der Sicherheitsdienste bedankte sich Woelki.

Die Sicherheitsbehörden hatten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Dom und eine Kirche in Wien erhalten. Nach Angaben der Kölner Polizei bezogen sich die Hinweise auf Silvester. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte die Menschen angesichts der Feiertage ermutigt, sich nicht vom Kirchenbesuch abhalten zu lassen, weil der Schutz durch die Behörden funktioniere.

Anschlagsdrohungen gegen Kölner Dom könnten von IS-Ableger stammen

Update vom 24. Dezember, 17:01 Uhr: Nach dpa-Informationen könnte es bei der verdächtigen Gruppe möglicherweise einen Bezug zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) geben, der sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) nennt und in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban austrägt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien wollte sich dazu nicht äußern.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im April betont, obwohl die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak als weitestgehend besiegt gelte, sei die Gesamtorganisation noch lange nicht zerschlagen. Behördenchef Thomas Haldenwang sagte damals: „Unter den verschiedenen Ablegern des IS sticht besonders der „Islamische Staat Provinz Khorasan“, kurz ISPK, hervor.“

Reker mit emotionalem Statement nach Terror-Drohung: „Lassen uns nicht einschüchtern“

Update vom 24. Dezember, 15:05 Uhr: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker appelliert nach den Terror-Drohungen für den Kölner Dom: „Wir Kölnerinnen und Kölner lassen uns von Terroristen nicht einschüchtern.“ In einem Post auf X (ehemals Twitter) schreibt sie: Seit 1248 steht unser Dom stolz im Herzen unserer Stadt. Ich danke der Polizei Köln für ihr schnelles und umsichtiges Handeln. „Alles wird durch Stadt Köln und Polizei unternommen, um die Kölnerinnen und Kölner und unseren Dom in den nächsten Tagen zu schützen.“

Sicherheitskontrollen am Eingang, Polizeifahrzeuge vor Kölner Dom

Am Kölner Dom gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen.

Update vom 24. Dezember, 14:16 Uhr: Sicherheitskontrollen am Eingang, Polizeifahrzeuge vor der Kathedrale: Kurz vor den Weihnachtsgottesdiensten hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen am Kölner Dom deutlich erhöht. Die Sicherheitsbehörden hatten nach dpa-Informationen Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Dom und eine Kirche in Wien erhalten.

Der Kölner Polizeisprecher Wolfgang Baldes sagte am Sonntag: „Wir haben einen Hinweis bekommen, eine Gefahrensituation rund um den Kölner Dom, möglicherweise auch für den Kölner Dom, der bezog sich auf Silvester.“ Er wollte sich nicht dazu äußern, wer den Hinweis gegeben hatte. Man werde auch mit Blick auf weitere verdeckte Ermittlungen nichts zu den Erkenntnissen sagen.

Zugleich machte die Kölner Polizei deutlich, dass die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen am Dom noch einige Zeit andauern werden. „Man muss jetzt mal schauen, wie schnell wir diesen Hinweis ja tatsächlich verifiziert bekommen. Es ist sicher, solange hier eine Gefahrensituation nicht ausgeschlossen ist, werden wir natürlich diese Maßnahmen weiterführen“, sagte Baldes. Der Polizei stünden noch sehr arbeitsreiche Tage bevor.

Kölner Dom unter Polizeischutz: „Terrorgefahr ist so hoch wie lange nicht mehr“

Update vom 24. Dezember, 11:04 Uhr: Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat angesichts der Vorsichtsmaßnahmen der Polizei am Kölner Dom an die Menschen appelliert, nicht aus Angst vor einem Anschlag auf einen Kirchenbesuch zu Weihnachten zu verzichten. „Vorsicht ist das Gebot der Stunde. Wir wissen: Die Terrorgefahr ist so hoch wie lange nicht mehr und unsere christlichen Feiertagsrituale sind natürlich auch ein Ziel von islamistischen Terroristen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

„Aber wir sind nicht schutzlos. Unsere Behörden nutzen alle Erkenntnisse, um uns bestmöglich zu schützen. Das zeigen jetzt die Maßnahmen in Köln“, unterstrich Reul und fügte hinzu: „Mein Appell: Gehen Sie in die Kirche, feiern Sie das Weihnachtsfest. Angst ist die Währung von Terroristen. Wir dürfen sie nicht zusätzlich aufwerten.“

Sicherheitskräfte am Samstagabend (23.12.2023) vor dem Kölner Dom

Terror-Alarm am Kölner Dom: Durchsuchung ohne Sprengstoff-Fund

Update vom 24. Dezember, 10:52 Uhr: Bei der Durchsuchung des Kölner Doms wegen eines möglichen Anschlagplans ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen kein Sprengstoff entdeckt worden. Die Sprengstoffspürhunde hätten am Samstagabend nichts gefunden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntagmorgen.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben die Sicherheitsmaßnahmen am Kölner Dom wegen Hinweisen auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe erhöht. Polizisten durchsuchten am Samstagabend mit Spürhunden die Kathedrale und kündigten an, an Heiligabend alle Besucher zu kontrollieren.

Terror-Alarm: Kölner Dom unter Polizeischutz – „umfangreiche Maßnahmen“

Update vom 24. Dezember, 9:12 Uhr: Der Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom ist nicht nur bei Kölnerinnen und Kölnern beliebt. Doch nun hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen am Kölner Dom kurz vor den Weihnachtsgottesdiensten wegen Hinweisen auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe erhöht.

Polizisten durchsuchten am Samstagabend mit Spürhunden die Kathedrale und kündigten an, an Heiligabend alle Besucher zu kontrollieren. Auch in Wien erhöhte die Polizei ihre Schutzmaßnahmen. Sicherheitsbehörden hatten nach dpa-Informationen Hinweise, dass auch eine Kirche in Wien mögliches Ziel der Gruppe war. Die Polizei in Köln wollte sich am Sonntagvormittag allgemein zu den Ermittlungen äußern. Gleichzeitig hieß es, dass sich die Behörde wegen der laufenden Ermittlungen nicht zu Details äußern werde.

Diese Terror-Gruppe könnte hinter dem Anschlagsplan auf den Kölner Dom stecken

  • Nach dpa-Informationen könnte es bei der Gruppe möglicherweise einen Bezug zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) geben.
  • Der Ableger nennt sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) und trägt in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban aus.

Die Kölner Polizei hatte die Erhöhung ihrer Schutzmaßnahmen mit einem Gefahrenhinweis begründet, ohne Details zu nennen. Der Staatsschutz, der bei politisch motivierten Straftaten aktiv wird, habe Ermittlungen aufgenommen. Gottesdienstbesucher des Kölner Doms und Touristen müssten sich in den nächsten Tagen auf erhöhte Sicherheitsstandards einstellen. „Auch wenn sich der Hinweis auf Silvester bezieht, werden wir bereits heute Abend alles für die Sicherheit der Dombesucher an Heiligabend in die Wege leiten“, sagte der Chef der Kölner Kriminalpolizei, Michael Esser, laut Mitteilung. Am Abend fuhren Polizeifahrzeuge vor dem Kölner Dom vor, wie dpa-Reporter beobachteten. Auch Spürhunde der Polizei waren im Einsatz.

Köln – Wer bedroht den Kölner Dom? Nur einen Tag vor Heiligabend hat die Polizei in Köln am Samstagabend (23. Dezember) umfangreiche Schutzmaßnahmen eingeleitet. Nach dem Ende der Abendmesse wurde die Kathedrale mit Spürhunden abgesucht und verschlossen, so die Polizei in einer Mitteilung.

Die Hintergründe? Zumindest offiziell gibt man sich bedeckt. Die Polizei spricht von einem „Gefahrenhinweis für den Kölner Dom“. Mehr will sie nicht sagen, die Ermittlungen des Staatsschutzes liefen noch. Aus Sicherheitskreisen ist laut dpa jedoch zu hören, dass eine islamistische Terror-Gruppe den Kölner Dom im Visier hatte. Demnach könnte es bei der Gruppe möglicherweise einen Bezug zur Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) geben.

Terrorexperte über Gruppierung Islamischer Staat Provinz Khorasan: „Hat Deutschland fest im Auge“

Der ISPK ist seit 2015 als lokaler IS-Ableger in Afghanistan etabliert, neben den Taliban gilt er als zweitstärkste bewaffnete Gruppe dort. Heute ist ISPK eine der aktivsten IS-Gruppierungen weltweit. Sie verfolgt dschihadistische Ziele, hat in den vergangenen Jahren in Afghanistan immer wieder Anschläge verübt. Aber längst nicht nur dort: „ISPK ist weiterhin der IS-Ableger, welcher am meisten Anschläge im westlichen Ausland zu organisieren versucht“, sagt Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project gegenüber IPPEN.MEDIA.

Erst vor wenigen Wochen hatten zwei Jugendliche offenbar ebenfalls Terrorattacken auf Weihnachtsmärkte geplant. „Die beiden Jugendlichen, die vor ein paar Wochen verhaftet wurden, wollten sich wohl nach dem Anschlag dem ISPK in Afghanistan anschließen“, sagt der Terrorexperte. „Offenbar hat ISPK Deutschland wohl fest im Auge.“

Kurz zuvor hatte Islamwissenschaftler Ahmad Omeirate im Gespräch mit IPPEN.MEDIA gesagt: „Die Gefahr, dass es durch die Radikalisierung zu Anschlägen aus der Dschihadistenszene kommt, ist groß.“ Zeichen gab es zuletzt viele: Islamistische Gruppen und Hassprediger machen in den sozialen Medien radikale Propaganda.

Klar ist: Wer am Sonntag den Kölner Dom betreten will, wird kontrolliert. Durchsuchungen am Eingang – wer zum Gottesdienst will, muss Zeit einplanen. „Verzichten Sie auf Taschen, kommen Sie frühzeitig zu den Messen“, empfehlen Domkapitel und Polizei.

Kölner Dom als Terror-Ziel: Hohe Symbolkraft

Nicht nur als bekanntes Wahrzeichen der Stadt Köln hat die Kathedrale eine hohe Symbolkraft, weltweit. Michael Esser, Chef der Kölner Kripo leitet den Einsatz. Am Samstagabend sagt er: „Auch wenn sich der Hinweis auf Silvester bezieht, werden wir bereits heute Abend alles für die Sicherheit der Dombesucher an Heiligabend in die Wege leiten.“ 

Stecken islamistische Terroristen hinter der Bedrohungslage?

Die Bild-Zeitung will erfahren haben, dass Sicherheitsbehörden Hinweise auf mehrere geplante Anschläge in Europa erhalten hätten – an Weihnachten oder Silvester. Ziel der Terrorzelle könnten auch Weihnachtsgottesdienste in Köln, Wien und Madrid sein. Offenbar soll es auch schon erste Festnahmen von gegeben haben. Offiziell bestätigt werden diese Informationen in Deutschland bislang noch nicht.

Die Sicherheitsbehörden in Österreich geben sich da offener. Die Landespolizeidirektion Wien ließ am Samstagabend wissen: „Aufgrund einer aktuellen Gefährdungseinschätzung des Verfassungsschutzes sowie der nach wie vor erhöhten Terrorwarnstufe gilt während der Weihnachtsfeiertage allgemein eine erhöhte Gefährdung in Österreich. Da terroristische Akteure in ganz Europa in diesem Zusammenhang zu Angriffen auf christliche Veranstaltungen – besonders rund um den 24. Dezember – aufrufen, haben die Sicherheitsbehörden die entsprechenden Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum in Wien und in den Bundesländern erhöht.“ (kem)

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