- VonDaniel Schinzigschließen
Ab dem 1. Januar 2024 wird für die Arztpraxen in NRW das E-Rezept zur Pflicht. Apothekerverband und KVWL sehen sich gut aufgestellt. Der Selbsttest zeigt jedoch: Es hakt noch.
Hamm - Eine der großen Änderungen im Jahr 2024 betrifft die Art, wie Ärzte ihren Patienten Rezepte ausstellen. Denn das E-Rezept, welches in NRW bereits 2022 über einen längeren Zeitraum hinweg erprobt worden war, soll in den Arztpraxen ab dem 1. Januar 2024 zur Pflicht werden. Heißt: Patienten bekommen dann im Normalfall nicht mehr den altbekannten rosafarbenen Zettel in die Hand gedrückt. Stattdessen geht alles über die Gesundheitskarte, einer App oder einem alternativen Ausdruck. Das soll für den Verbraucher einige praktische Verbesserungen mit sich bringen. Doch eigene Erfahrungen zeigen, dass es vor allem zu Beginn zu Problemen kommen kann.
E-Rezept wird für Arztpraxen zur Pflicht: „Kann anfangs ruckeln“
„Es kann durchaus sein, dass es anfangs ruckelt“, sagt eine Sprecherin des Apothekerverbands Westfalen-Lippe auf Nachfrage von wa.de: Allerdings sollte es vonseiten der Apotheken keine größeren Probleme geben. „Die Apotheken haben ja schon einige Zeit Erfahrung mit dem Einlösen von E-Rezepten“, erklärt die Sprecherin. Tatsächlich sind die Apotheken in ganz Deutschland seit dem 1. September 2022 in der Lage, mit E-Rezepten zu arbeiten.
In den Apotheken wird sich die Umstellung am 1. Januar 2024 vor allem bemerkbar machen, weil wesentlich mehr Patienten als bisher ein elektronisches Rezept einlösen wollen. In vielen Arztpraxen hingegen werden die Änderungen zum bisherigen Vorgehen jedoch für die Mitarbeiter deutlicher zu spüren sein. Denn nicht wenige Praxen stellen erst dann ganz frisch die Abläufe auf das E-Rezept um. Und das könnten dann auch die Patienten auf die eine oder andere Weise mitbekommen.
Wie etwa dieses anfängliche „Ruckeln“ aussehen könnte, habe ich selbst bei einem Besuch in einer Arztpraxis erlebt, die erst kürzlich auf das E-Rezept umgestellt hat. Denn obwohl ich nur schnell ein Rezept abholen wollte, war ich doch wesentlich länger eingebunden als ich gedacht hatte. Denn: Die vielen neuen Funktionsweisen in dem Programm, mit dem das E-Rezept für den Patienten erstellt wird, waren noch Neuland für die Arzthelferinnen.
E-Rezept stellt Arztpraxen vor Hürden: Eigene Erfahrungen
Und so musste die eine Mitarbeiterin der anderen immer wieder über die Schulter schauen und für Nachfragen zur Verfügung stehen. Als dann noch eine Korrektur an dem Rezept vorgenommen werden musste, stellte sich heraus, dass das E-Rezept offenbar nicht einfach so korrigiert werden konnte. Stattdessen musste ein komplett neues erstellt werden. Und als alles so weit vorbereitet und vom Arzt per Mausklick freigegeben war, gab es trotz vorhandener Gesundheitskarte noch einen Ausdruck mit einer Art QR-Code obendrauf. Dass der Ausdruck erfolgt, könne man noch nicht deaktivieren.
Für mich ging es also mit Ausdruck und Gesundheitskarte in die nächste Apotheke - wo man sich darüber gewundert hat, dass mir ein Ausdruck mitgegeben wurde. Das DIN A4 große Papier habe ich also ungenutzt zusammenfaltet und in meine Hosentasche gesteckt. Stattdessen habe ich die Gesundheitskarte in ein Lesegerät gesteckt, woraufhin die Apothekerin auch schon das ausgestellte E-Rezept abrufen konnte. Beziehungsweise alle beiden Rezepte. Nach einer kurzen Erklärung, dass eines davon nicht mehr aktuell ist, aber noch nicht storniert werden konnte, bekam ich das verschriebene Medikament ausgehändigt. In einem kurzen Gespräch drückte die Apothekerin dann auch ihre Zweifel darüber aus, dass die Arztpraxen bis zum 1. Januar 2024 bereit sein würden, komplett auf das E-Rezept umzusteigen.
Am Ende des Tages kann die geschilderte Erfahrung tatsächlich in die Kategorie „Kinderkrankheiten“ eingestuft werden. Oder eben als anfängliches „Ruckeln“. Trotz einiger Umwege konnte die Apotheke problemlos auf das E-Rezept zugreifen, und am Ende hielt ich das verschriebene Medikament in der Hand. Aber es war auch ersichtlich, wie groß die Hürden für die Mitarbeiter in den Arztpraxen bei der Umstellung auf das E-Rezept sind. Alltägliche, routinierte Arbeitswege müssen teils komplett neu erlernt werden. Und das bekommen die Patienten insofern zu spüren, als dass es in der Startphase auch mal etwas länger dauern kann.
E-Rezept: Nach anfänglichen Rucklern soll es viele Vorteile mit sich bringen
Thomas Müller ist sich sicher, dass die Arztpraxen die Umstellung gut meistern werden: „Sie sind für die erste Ausbaustufe des E-Rezepts zum Jahresbeginn jetzt gut vorbereitet“, sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Dafür hätten unter anderem Infoveranstaltungen und Schulungen im Vorfeld gesorgt. Pressesprecher Stefan Kuster ergänzt, dass die KVWL bei Fragen seitens der Arztpraxen immer ansprechbar sei: „Wir sind, was unsere Beratungstätigkeit betrifft, ganz gut aufgestellt“, erklärt er.
Letztlich soll das E-Rezept, sobald sich die neuen Arbeitswege eingespielt haben, vor allem eine Zeitersparnis mitbringen – sowohl für die Arztpraxen als auch für die Patienten. „Praxisteams sprechen von einer Zeitersparnis von zwei bis vier Stunden pro Woche, wenn alles funktioniert“, sagt Thomas Müller. Das sei unter anderem der Fall „durch kürzere Laufwege in der Praxis oder einfaches Handling von Folgerezepten.“ Und der Patient muss im Idealfall nicht einmal mehr in die Praxis, um ein Rezept abzuholen. Denn das telefonisch bestellte E-Rezept kann in der Praxis einfach angefertigt werden, der Patient kann dann mit der Gesundheitskarte oder einer bestimmten App einfach in die Apotheke gehen. Zumindest, falls man in dem jeweiligen Quartal bereits einmal in der Praxis seine Karte hat einlesen lassen.
Gerade im Winter werden so einige Patienten Rezepte einlösen wollen. Denn nicht wenige Nasen laufen in der kalten Jahreszeit. Auch, wenn es unappetitlich ist, sollte man hin und wieder einen Blick auf den Nasenschleim werfen. Denn seine Farbe verrät, ob man zum Arzt gehen sollte oder nicht.