Gefährlich für Mensch und Tier

Warnung vor Giftraupen: „In NRW früher als in anderen Bundesländern gesundheitsgefährdend“

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Der Eichenprozessionsspinner erweitert sein Territorium stetig und ist eine Gefahr für den Menschen. In NRW haben die Tiere schon das Larvenstadium erreicht.

Hamm – Juckreiz, Atembeschwerden und allergische Reaktionen – der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland immer weiter ausgebreitet. Grund ist das immer wärmere Klima. Und das macht auch dem Menschen zu schaffen: Die Brennhaare der Larven stellen eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier dar. In Nordrhein-Westfalen befinden sich die Insekten sogar schon im Larvenstadium – anders als in anderen Bundesländern.

Warnung vor Eichenprozessionsspinner: In NRW sind sie schon im Larvenstadium

Um die Gefahr durch die Raupe besser abschätzen zu können, ist seit Anfang April ein bundesweites Frühwarnsystem online gegangen. Dieses berechnet modellhaft anhand temperaturbasierter Verfahren tagesaktuell und mit einer Prognose bis sieben Tage im Voraus die phänologische Entwicklung des Eichenprozessionsspinners. Und ein Blick auf die Karte Anfang April zeigt: Während die meisten Bundesländer noch komplett in einem neutralen Weiß eingefärbt sind, ist der größte Teil Nordrhein-Westfalens schon blau – das heißt: Der Eichenprozessionsspinner befindet sich bereits im Larvenstadium.

Auch Teile von Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordhessen sind betroffen. In Nordrhein-Westfalen sind es jedoch, geschätzt, bereits über 80 Prozent des Bundeslandes. „Die Entwicklung des Spinners ist abhängig von der Temperatur“, erklärt Thomas Leppelt vom Deutschen Wetterdienst, Abteilung Agrarmeteorologie, auf Anfrage von wa.de.

Die Eichenprozessionsspinner befinden sich im NRW bereits im Larvenstadium.

„Früher als in anderen Bundesländern gesundheitsgefährdend“

Besonders in wärmeren Gebieten beginnt und vollzieht sich die Entwicklung schneller, erklärt Leppelt. „In NRW war es im Vergleich zu anderen Bundesländern im Osten etwas wärmer. Daher startet hier die Entwicklung früher“, so der Experte. Auf Basis des Frühwarnsystems sei daher damit zu rechnen, „dass der Spinner in NRW früher als in anderen Bundesländern gesundheitsgefährdende Larvenstadien mit Brennhaaren erreicht.“

Dies ist keine ungewöhnliche Entwicklung, sondern war bereits in den früheren Jahren der Fall. Wie stark der Befall dann wirklich vor Ort sein wird, ließe sich dadurch aber nicht vorhersagen. Auch in den anderen Bundesländern wird in den kommenden Tagen „der Schlupf der Raupen großflächig zunehmen und ist dann nicht nur auf NRW begrenzt“, erklärt Pressesprecherin von „Wald und Holz NRW“ Malin Schneider-Pluppins.

Eine gute Nachricht gibt es aber: „Die warme, trockene Wetter/Witterung begünstigt die Entwicklung dieser wärmeliebende Art. Allerdings ist der Trend in NRW seit 2022 rückläufig, sodass nicht mehr mit so hohen Populationsdichten wie in den Hitze- und Trockenjahren seit 2018 zu rechnen ist“, so Schneider-Pluppins.

Kontakt mit den Raupen birgt „schwere gesundheitliche Risiken“ – Das ist zu tun

„Der Kontakt mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners birgt schwere gesundheitliche Risiken“, erläutert Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Umweltministerium, in einer Pressemitteilung. Der Eichenprozessionsspinner bevorzuge warme und besonnte Bereiche. Daher kommt er häufig auch an Einzelbäumen und Waldrändern im städtischen Umfeld vor. Das Ministerium rät dringend dazu, sich von den Raupen, deren Nestern und Häuten fernzuhalten. 

Bei Verdacht eines Gifthaarkontakts empfehlen die Gesundheitsbehörden folgende Maßnahmen:

  • Sofortiger Kleiderwechsel und der Versuch, mit einem Klebeband vorhandene Brennhaare von der Haut abnehmen.
  • Duschbad mit Haarwäsche, bei Augenbeteiligung das Spülen mit Wasser.
  • Gegen den meist stark ausgeprägten Juckreiz sind orale Antihistaminika hilfreich, bei Bindehautentzündung Augentropfen, die auch ein Antiseptikum enthalten.

Bei ausgeprägten Symptomen sollten Betroffene ärztliche Hilfe aufsuchen.

Gefahr durch die „Brennhaare“ – Ab Mai geht es los

Besonders problematisch sind die Larven des Nachtfalters. Ab Anfang Mai schlüpfen sie aus den Eiern und durchlaufen bis zur Verpuppung sechs Entwicklungsstadien. Kritisch wird es ab dem dritten Larvenstadium – also etwa im Mai und Juni: Dann bilden die Eichenprozessionsspinner die sogenannten „Brennhaare“. Bis zum Erreichen des sechsten und letzten Larvenstadiums nimmt die Anzahl und Länge der „Brennhaare“ mit jeder Häutung zu, erklärt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Die Brennhaare können leicht in die Haut und Schleimhaut eindringen und sich dort mit kleinen Häkchen festsetzen. „Bei Kontakt können Hautirritationen, Augenreizungen, Atembeschwerden und allergische Reaktionen auftreten. Betroffen sind Spaziergänger ebenso wie Garten- oder Waldarbeiter.“

Nicht nur Menschen sollten sich von den kleinen haarigen Eichenprozessionsspinner fernhalten, auch für Tiere sind die Raupen gefährlich – das sollten Hundehalter beim Gassigehen beachten. Doch obwohl es im Vergleich zu anderen Bundesländern im Osten etwas in NRW wärmer war, gibt es auch hier einen Temperaturabsturz.

Rubriklistenbild: © agrarmotive / imago

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