Natürliche Waffe

Kuriose Entdeckung im Wald: Die Schafwolle hängt nicht ohne Grund am Baum

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Ein Band aus Schafwolle an einem Baum wirkt zunächst kurios. Es erfüllt aber einen sinnvollen Zweck – und ist eine natürliche Waffe.

Hamm – Es sieht aus wie Hippie-Deko in einem Garten: Um einen Eichenstamm in einem schmalen Band gewickelte Schafwolle. Die hat das Regionalforstamt Soest-Sauerland entdeckt, fotografiert und auf Facebook gepostet. Ein kurioser Fund, der einen wichtigen Zweck erfüllen soll: Den Eichenprozessionsspinner abhalten.

Band aus Schafwolle am Baum soll Eichenprozessionsspinner abhalten

Der Eichenprozessionsspinner ist eine Falter-Art. Eigentlich beheimatet in Süd- und Mitteleuropa, kommt er mit der Klimakrise weiter nach Norden und ist auch in Deutschland heimisch. Seine Raupen siedeln an Eichen in kleinen Gespinsten und sind berühmt-berüchtigt: Ihre feinen Brennhärchen, mit denen ihr ganzer Körper bedeckt ist, enthalten das Nesselgift Thaumetopoein.

Ein Band aus Schafwolle ist an einem Baum befestigt.

Dieses kann eine „Immunreaktion auslösen“, wie der Nabu schreibt, die sich in Juckreiz, Hautentzündungen und vereinzelt in Nesselsucht auswirkt. Vor allem Schleimhäute und Atemwege sollten nicht mit den Brennhärchen in Berührung kommen. Und auch für vierbeinige Freunde wie Hunde und Pferde sind die Härchen gefährlich. Eichenprozessionsspinner sind darum gefürchtet und werden vielerorts bekämpft.

Wolle soll den Raupen den Weg versperren

Eine Möglichkeit, das zu tun, ist diese um den Baum gewickelte Bänder aus Schafwolle. Jedenfalls schreibt das das Regionalforstamt. „Sie sollen den Raupen des Eichenprozessionsspinners den Weg versperren“, heißt es im Post, und: „Ob es etwas bringt, können wir nicht sagen.“ Schäfer Andreas Hill bestätigt die Wirkung aber.

Auf die Frage von wa.de, ob das vielleicht sein Schafwoll-Band ist, dass da um die vom Regionalforstamt entdeckte Eiche gewickelt ist, sagt er: „Das hoffe ich. Schließlich habe ich da ein Patent drauf.“ Hill hat diese Wandersperre für die Raupen erfunden. Er sei damals, 2019, im Wald spazieren gewesen, als ihm eine der Raupen vor den Füßen herumlief, geradewegs auf eine Eiche zu. „Meiner erster Impuls war, draufzutreten. Aber das wollte ich dann nicht.“

Schäfer Hill: Eichenprozessionsspinner fielen tot vom Baum

Eichenprozessionsspinner an einem Eichenast: Die Brennhärchen der Raupen können Juckreiz und Hautreizungen auslösen (Symbolbild).

Stattdessen habe sich der Erfindergeist in ihm geregt. „Ich hab ja so viel Wolle. Da dachte ich, ich mach die einfach mal um den Baum und gucke, ob die darauf irgendwie reagieren“, erzählt Hill. Und sie reagierten: Am nächsten Tag hätten Hunderte Eichenprozessionsspinner oberhalb der Wolle am Baum gesessen. Hill dachte noch: „Na toll, jetzt finden die das auch noch gut“, doch er gab nicht auf, befestigte einen zweiten Ring aus Strohband und Schafwolle etwas weiter oben am Baum – und wiederum einen Tag später seien die Raupen zwischen den beiden Bändern geblieben, erzählt er. Für zwei, drei Wochen ging das so, dann fielen 300 bis 400 Eichenprozessionsspinner seinen Angaben zufolge tot vom Baum.

Auffangsystem für Raupen

Hill war angefixt. Um die Entsorgung der Raupen leichter zu gestalten, entwickelte er noch ein Auffangsystem mit Eichenstab, glatter Röhre und einem Sack am Ende, in den die Raupen rein krabbeln. Auf Auffangsystem und Band meldete er Patente an. Seine Kundinnen und Kunden habe er vor allem in Frankreich, Luxemburg, Bayern, erzählt Hill. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nicht so hoch gewesen, weil es viel regnete.

Doch jetzt ist es gerade viel zu trocken. Hill rechnet mit vielen Anfragen von Privatleuten und Forstämtern. Warum die Schafwolle so wirke, kann Hill nicht sagen. Dass es das Lanolin in der Wolle ist, glaubt er nicht: „Das wird ja mit der Zeit auch rausgewaschen“, sagt er. „Ich brauche aber auch nicht wissen, wieso. Hauptsache es funktioniert“, sagt er. Und dass er schon mal eine Hochschule angeschrieben habe, ob die das untersuchen wollten, „aber die hatten kein Interesse“.

Nabu warnt: Keine befallenen Bäume fällen

Die Eichenprozessionsspinner sind schwer aufzuhalten, doch für die Bäume viel weniger gefährlich als gedacht. Laut Nabu wehrten sich gerade Privatleute gegen die Tiere in ihrem Garten mit Abflammen, was gefährlich sein kann. Bäume könnten geschädigt und die Brennhärchen umher gewirbelt werden. Kommunen setzten dem BUND zufolge häufig auf Pestizide, die jedoch alle Insekten töteten. Beim ohnehin schon weit fortgeschrittenen Insektensterben keine gute Idee.

Und manche gingen sogar so weit, befallene Bäume ganz zu fällen. Doch Bäume sind wichtig, spenden Schatten und Sauerstoff, reinigen die Luft von CO2 und kühlen die Temperatur auch ringsum – ein nicht zu missachtender Faktor in der fortschreitenden Klimakrise, wie der Nabu eindrücklich warnt. Der Nabu empfiehlt, die Raupen und ihre Nester durch professionelle Schädlingsbekämpfungsbetriebe absaugen oder einsammeln zu lassen.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / blickwinkel

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