- VonFrank Osiewaczschließen
Im Jahr 2023 rückte die Polizei in Hamm bisher 140 Mal in Richtung Meile aus. Gleichzeitig ist die Zahl der Strafanzeigen eher unauffällig. Eine Analyse.
Hamm – Abrisspläne für das ehemalige „Jonathan“, ein neuer Club, der am Freitag eröffnet und mit günstigen Getränkepreisen punkten will - und über allem der Ruf nach mehr Sicherheit für die Südstraße und das Umfeld in Hamm. Vom 1. Januar bis 12. September 2023 zählte die Polizei rund 140 Einsätze. Das sind im Schnitt 3,4 pro Wochenende von Freitagabend bis zum frühen Sonntagmorgen.
Ob das alarmierend ist? Polizeisprecher Hendrik Heine will keine Bewertung vornehmen. Er sagt: „Wünschenswert wären natürlich null Einsätze. Aber dort, wo sich viele Menschen aufhalten und Alkohol konsumiert wird, kommt es zu Auseinandersetzungen. Das ist keine Hamm-spezifische Erkenntnis. Wir haben den Bereich sehr genau im Auge und passen Maßnahmen entsprechend an.“
Tatsächlich sind die Anlässe für die Alarmierungen höchst unterschiedlich, und nicht immer entspreche das von Zeugen gemeldete Geschehen bei Eintreffen dem Beamten dem tatsächlichen Hergang. Gefährliche Körperverletzung, Randale, Diebstahl, Raub, sexuelle Übergriffe: Vertreten ist alles, was polizeilich unter dem Oberbegriff „Straßenkriminalität“ gefasst wird. Darunter sind auch die traurigen Höhepunkte vom 10. und 25. Juni, als zwei Menschen lebensgefährlich verletzt wurden.
Polizei-Einsätze auf der Meile: Diebstähle vorweg
Für das erste Halbjahr 2023 verzeichnet die interne Polizeistatistik rund um die Südstraße, den Taxistand und den Santa-Monica-Platz 49 Strafanzeigen aus der Rubrik „Straßenkriminalität“, die aus dem Einsatzgeschehen hervorgegangen sind. Spitzenreiter sind nicht wie möglicherweise erwartet gefährliche Körperverletzungen, sondern Diebstähle mit 30 Fällen.
„Das ist meist der klassische Taschendiebstahl oder das unbeaufsichtigte Liegenlassen von Gegenständen wie Handys, Geldbörsen oder Jacken“, sagt Heine. Elf Fälle von gefährlicher Körperverletzung (dazu zählen zum Beispiel: mehrere Personen gegen ein Opfer, Einsatz von Gegenständen oder Waffen, Tritte gegen den Kopf des Opfers), sieben Sachbeschädigungen und ein Raub gingen ferner in die Statistik ein.
Polizei-Einsätze auf der Meile: nicht sehr auffällig
Besonders auffällig ist die Zahl von 49 Anzeigen in den Vorjahresvergleichen noch nicht. 2019, im Jahr vor Corona, wurde im gesamten Jahr mit 98 exakt die doppelte Zahl von Strafanzeigen gestellt wie bisher in der Halbjahresbilanz. Im Corona-Jahr 2020 waren es 49, im stark eingeschränkten 2021 folgten 63 und 2022 mit 81 wieder steigende Zahlen. Heine: „Da wollten alle wieder feiern.“
Nicht enthalten in der Klassifizierung als „Straßenkriminalität“ ist das Delikt der einfachen Körperverletzung. Dazu zählt beispielsweise die klassische Prügelei mit Fäusten. Zudem wird manche Auseinandersetzung erst gar nicht bei der Polizei gemeldet. Umgekehrt kommt es im Einsatzgeschehen rund um die Südstraße auch zu Widerstand gegen Polizisten: Vor Ort waren es bisher zwei Ereignisse. Nicht enthalten sind Fälle während des Transportes einer Person oder im polizeilichen Gewahrsam.