VonJohanna Werningschließen
Der Kölner Fernsehturm ist mittlerweile seit über 20 Jahren geschlossen. Wie sieht es mittlerweile auf dem Colonius aus? Ein Besuch gibt Einblicke.
Köln – 266 Meter ist der Colonius hoch. Für denjenigen, der hochhoben auf dem Fernsehturm steht, ist Köln ein einziges Wimmelbild. Von hier hat man die perfekte Aussicht auf den Kölner Dom, den Rhein oder das Unicenter. Bis zu 80 Kilometer weit kann man den Blick schweifen lassen. Sogar das Siebengebirge, Bonn, die Eifel und Düsseldorf sind zu sehen. Doch seit 1999 ist der Colonius geschlossen. Seitdem herrscht hier absolute Stille.
Am Eingang des Colonius hängt ein einsamer Zettel. Und drinnen? Die Gänge sind leer. Der Fahrstuhl und die 925 Stufen nach oben verwaist. Abgesehen von Fernsehturm-Manager René Bloy von der Deutschen Funkturm GmbH dürfen lediglich eine Handvoll Leute hoch – und zwar nur mit Ausnahmegenehmigung. Damit ist der Colonius der wohl höchste Lost Place in Deutschland.
Seit über 20 Jahren geschlossen: Wie es heute im Colonius aussieht




Colonius vor 40 Jahren eröffnet: Fernsehturm ermöglicht „Köln ganz anders kennenzulernen“
1981 wurde der Colonius eröffnet. Neben dem Technikraum bildeten die Aussichtsplattform in 169 Meter Höhe und das Restaurant mit spektakulärer Drehplatte das heimliche Herz des Fernsehturms. „Die Besucher hatten die Möglichkeit, in 360-Grad-Blick Köln ganz anders kennenzulernen“, sagt Fernsehturmmanager René Bloy von der Deutschen Funkturm GmbH.
Für Besucherinnen und Besucher damals purer Nervenkitzel – immerhin konnte man von den bodentiefen Fenstern über ganz Köln blicken. Viel unter sich hat man dabei nicht: Lediglich einen Teppich, einen Hohlraum und rund 26 Zentimeter Beton.
Der Colonius in Köln
► Der Colonius wurde ab 1978 gebaut und am 3. Juni 1981 eröffnet.
► Er befindet sich direkt im Inneren Grüngürtel, Innere Kanalstraße 100, 50672 Köln (Stadtbezirk Kölner Innenstadt)
►Hauptaufgabe des Colonius ist es, über Richtfunk Fernsehsignale und Ferngespräche in Deutschland und in das Ausland zu verteilen. Heute laufen über den Colonius unter anderem digitales Fernsehen (DVB-T2), analoges und digitales Radio (UKW und DAB+), Richtfunk, Behördenfunk, das Funknetz der KVB sowie mobiles Internet und Handygespräche.
► Der Name wurde von Kölnerinnen und Kölner bei einem Namenswettbewerb vorgeschlagen.
So sieht der Colonius heute von innen aus: Ehemaliges Restaurant ist leer
Doch vom damaligen glamourösen Restaurant ist heute nicht mehr viel übrig. Nach nur wenige Jahre war Schluss mit dem öffentlich zugänglichen Colonius. Aussichtsplattform und Restaurant wurden geschlossen, weil die Besucherzahlen ausblieben Ein neues Konzept mit wilden Techno-Partys auf der Aussichtsplattform musste ebenfalls eingestellt werden.
Der einstige bronzefarbene Eingang: Heute ein Büro. Der Tunnel zum eigentlichen Fernsehturm: Verriegelt. Zwar werden die Radio- und Fernsehsignale weiterhin in die weite Welt gesendet, doch der Turm erinnert von innen viel eher an eine Baustelle. Die unterirdische Küche im Keller ist leer geräumt – genau wie die Aussichtsplattform und das ehemalige Restaurant. Die Böden teilweise herausgerissen, von der Decke hängen Kabel und die Wandfarbe blättert an vielen Stellen ab.
„Der Grund, warum es hier so kahl aussieht, ist das Thema Brandschutz“, erklärt Benedikt Albers, Unternehmenssprecher der Deutschen Funkturm GmbH. Denn der Brandschutz ist aktuell im Colonius nicht mehr gegeben. Die Gefahren – falls es in dem Fernsehturm zu einem Brand kommt – sind zu hoch.
Colonius in Köln wirkt heute wie ein Lost Place
Alles, was im Falle eines Feuers schnell in Brand geraten könnte, wurde darum auch schon entfernt. Dazu zählen Deckenverkleidungen, Teppiche und auch die eigentliche Einrichtung. Dadurch wirkt der Colonius wie ein geheimnisvoller Lost Place – vielleicht sogar der höchste Lost Place in ganz Deutschland.
Lediglich in den Technikräumen hört man ein Surren, Rauschen und Piepen. Und zwar dann, wenn Fernseh- und Radiosender ihre Signale übermitteln. Während unten unzählige Autos auf der Inneren Kanalstraße fahren und es in Köln ein buntes Treiben gibt, ist es im Restaurant oder in der Etage mit der Aussichtsplattform hoch über der Domstadt komplett ruhig.
Ein ganz besonderes Gefühl, erklärt Fernsehturmmanager Bloy. „Egal, ob es am Abend, in der Nacht, oder am Tag ist. Hier oben kann man immer wieder neue Punkte von Köln erleben.“
| Die zehn höchsten Fernsehtürme in Deutschland: | Für die Öffentlichkeit zugänglich: |
|---|---|
| Berliner Fernsehturm (368 Meter) | Ja |
| Europaturm in Frankfurt am Main (337,5 Meter) | Nein, seit 1999 geschlossen |
| Fernmeldeturm Nürnberg (292,8 Meter) | Nein, seit 1991 geschlossen |
| Olympiaturm in München (291,3 Meter) | Ja (Sanierung ab 2024) |
| Telemax in Hannover (282,2 Meter) | Nein |
| Heinrich-Hertz-Turm in Hamburg (276,5 Meter) | Nein, seit 2001 geschlossen |
| Colonius in Köln (266 Meter) | Nein, seit 1999 geschlossen |
| Fernmeldeturm Koblenz (265,5 Meter) | Nein |
| Fernsehturm Dresden (252 Meter) | Nein, seit 1991 geschlossen |
| Rheinturm in Düsseldorf (240,5 Meter) | Ja |
Colonius seit über 20 Jahren im Dornröschenschlaf: Gibt es eine Zukunft für den Fernsehturm in Köln?
Damit das künftig auch wieder Kölnerinnen und Kölner sowie Touristinnen und Touristen erleben können, soll der Colonius wieder zum Leben erweckt werden und der Öffentlichkeit einen atemberaubenden Blick auf die Stadt bieten. Zumindest, wenn es nach Oberbürgermeisterin Henriette Reker und dem Betreiber des Colonius geht. Dafür wurde der Colonius sogar zum Denkmal ernannt.
Doch bevor die Türen zum Fernsehturm wieder geöffnet werden, muss noch einiges hübsch gemacht werden, sagt Albers. Dabei wäre es mit einmal Putzen und Wischen nicht getan, so der Unternehmenssprecher weiter. Genaue Zahlen nennt er nicht. Es geistern jedoch Beträge wie 40 Millionen Euro durch die Stadt.
Das wirklich Herausfordernde und Komplizierte versteckt sich bei der Colonius-Sanierung vor allem in den Brandschutzauflagen, die bei so hohen Gebäuden schwierig sind, betont Albers. Zum Beispiel müssten neue Löschmittelanlagen installiert und die Aufzüge komplett feuerfest gemacht werden. „Das ist keine einfache Sache.“ (jw)




