- VonJürgen Menkeschließen
[Update] Nach neuerlichen Bränden in Bockum-Hövel meldet die Polizei die Festnahme eines 19-Jährigen. Er sei polizeibekannt, heißt es. Es müsse aber mindestens zwei Täter geben.
Hamm – Die Serie reißt nicht ab: Am Dienstagabend verzeichnete die Polizei Hamm drei weitere mutmaßlich vorsätzlich gelegte Brände in Bockum-Hövel. Es sind die Feuer 15 bis 17 im Stadtbezirk im noch jungen Jahr 2024.
Gegen 18.30 Uhr brannte eine etwa 50 Meter lange Grünfläche am Grabenrand eines Feldes an der Straße Klosterhof. Polizisten, die herbeigeeilt waren, konnten das Feuer mit eigenen Mitteln löschen.
Gegen 20.15 Uhr stand ein größerer Lebensbaum auf einem Wohnareal am Verbindungsweg zwischen der Erlenfeld- und Graf-von-Hövel-Straße in Flammen. Das Feuer konnte von Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Hövel gelöscht werden. Auffällig: Auf dem Privat-Grundstück gleich gegenüber hatte es schon am Sonntagabend gebrannt. Eine 25 Jahre alte Thuja-Hecke wurde auf rund 20 Metern beschädigt.
Um 21.45 Uhr schließlich wurde der Leitstelle von einer Anwohnerin des Hainbuchenwegs ein brennender Müllcontainer auf dem Höveler Friedhof gemeldet. „Gemeinsam mit einem Familienangehörigen versuchte sie, den Brand selbst zu löschen“, teilt die Polizei mit. Die zeitgleich alarmierte Feuerwehr habe den Behälter abschließend löschen können.
Weitere Tat nach Festnahme
Was die Polizei schlussfolgern lässt, dass nicht nur ein Einzeltäter am Werk war? Der Mülleimer brannte erst, nachdem besagter 19-Jähriger an der Erlenfeldstraße aufgegriffen wurde. Das war bereits gegen 20.30 Uhr. Neben dem jungen Mann wurde noch ein 15-Jähriger aus Hamm kontrolliert. Die Polizei spricht von „intensiven Fahndungsmaßnahmen“, die eingeleitet worden seien.
Gegen den 19-Jährigen besteht laut Polizei der Verdacht, für einen Teil der Brände verantwortlich zu sein. Er wurde vorläufig festgenommen und in den Polizeigewahrsam eingeliefert.
Eine neue Qualität
Der 15-Jährige wurde in die Obhut eines Erziehungsberechtigten übergeben. „Es könnte sein, dass er noch als Zeuge befragt wird“, erläutert Polizeisprecher Hendrik Heine. Die Ermittlungen dauerten an.
Dabei soll auch geklärt werden, ob der Tatverdächtige für frühere Brände verantwortlich sein könnte. Das ist aus Sicht der Polizei aktuell nicht auszuschließen. Bekanntlich hat es in den Vorjahren immer wieder gebrannt – oft rund um den Höveler Friedhof oder direkt auf der Begräbnisstätte.
Zumeist gingen Abfallbehälter in Flammen auf. Spätestens mit der Brandstiftung bei Rewe Räker an der Römerstraße Mitte Januar, als ein Feuer auf ein Rolltor des Supermarktes übergriff, bekamen die Taten aber eine neue Qualität.
„Wir haben das selbst nicht bemerkt“
Das gilt auch für die Brandstiftungen auf Privat-Grundstücken. So musste die Familie Wittenbrink am Sonntag fürchten, dass das Feuer auch auf ihr Gebäude übergreift, als besagte Thuja-Hecke meterhoch in Flammen stand. Aufmerksamen Nachbarn, die die Feuerwehr riefen, und den örtlichen Brandschützern selbst ist zu verdanken, dass nicht mehr passierte. „Wir sind ihnen allen sehr, sehr dankbar“, betont Mechthild Wittenbrink drei Tage nach dem Vorfall.
Die 69-Jährige saß zu dem Zeitpunkt mit ihrem Mann Hans (73) und Sohn Hendrik (42) im Wohnzimmer, als es klingelte. Sie sollten rauskommen, die Hecke brennt. „Wir haben das selbst nicht bemerkt, weil die Rollläden schon runter waren. Gehört haben wir auch nichts“, berichtet Hans Wittenbrink.
„Fassungslos“ hätten sie zunächst auf den Brand geblickt, schildert Hendrik Wittenbrink – um sodann den Gartenschlauch zu holen und selbst zu löschen. „Das hat aber kaum etwas bewirkt.“
Die Hecke liegt nahe an der Garage, diese ist direkt ans Wohnhaus angebaut. Erst als die Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen anrückte, konnten die Wittenbrink ein wenig aufatmen. Dennoch: „Ich hatte eine schlaflose Nacht und immer befürchtet, dass das Feuer sich wieder entzünden könnte“, erzählt Mechthild Wittenbrink. Der Schock sitze immer noch tief.
Thuja wächst nicht nach
Mit der Versicherung muss nun geklärt werden, ob der Schaden übernommen wird und wenn ja, in welcher Höhe. „Thuja wächst nicht nach“, weiß Hans Wittenbrink. Die verkohlten Reste der Hecke müssen also in jedem Fall raus.
Laut Polizeisprecher Hendrik Heine sind nach zurückliegenden Bränden mehrmals Jugendliche und junge Erwachsene als Tatverdächtige ermittelt worden. Die Ermittlungsergebnisse seien an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. „Ob es dann zu Anklagen gekommen ist, weiß ich nicht.“
Ob die neuerlichen Ermittlungen dazu führen, dass die Brandserie im Bezirk nun endlich ein Ende findet, bleibt abzuwarten.
Erst 15 und 17 Jahre alt waren die Hauptfiguren einer Auseinandersetzung mit der Polizei am Hammer Bahnhof.
Rubriklistenbild: © Andreas Rother

