VonMaximilian Gangschließen
Die asiatische Hornisse breitet sich rasant in NRW aus. Das birgt Gefahren. Wer eine sieht, sollte daher unbedingt reagieren und sie melden.
Köln – Die asiatische Hornisse breitet sich in Europa aus – und das schnell. In zahlreichen EU-Staaten werden immer mehr Exemplare nachgewiesen. Auch in Deutschland und in NRW ist die Hornisse angekommen. Laut Untersuchungen liegt die durchschnittliche Ausbreitungsgeschwindigkeit bei knapp 80 Kilometern pro Jahr, der französische Imkerverband UNAF geht sogar von bis zu 150 Kilometern pro Jahr aus.
Schon in wenigen Jahren könnte Deutschland also großflächig von den Insektenvölkern besiedelt sein. Für Menschen ohne besondere Allergien ist die Hornisse nicht sehr gefährlich, ihr Stich kann aber durchaus schmerzhaft sein. Problematisch: Für Bienen kann die asiatische Hornisse durchaus sehr gefährlich werden. Denn die asiatische Hornisse jagt ihre kleineren Verwandten. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) richtet sich deshalb mit einem wichtigen Appell an die Bevölkerung.
| Asiatische Hornisse | |
| Art | Vespa veluntina |
| Familie | Faltenwespe |
| Unterfamilie | Echte Wespen |
| Gattung | Hornissen |
| Erstmals in NRW nachgewiesen | 2020 im Kreis Heinsberg |
Asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus: Erster Nachweis gelang 2020 im Kreis Heinsberg
„Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt“, sagte Melanie von Orlow vom deutschen Naturschutzbund (NABU). Erstmalig in Europa aufgetreten ist das Tier bereits 2004. Zehn Jahre später gelang schließlich der erste Nachweis in Deutschland. Doch es dauerte noch einige Jahre, bis auch Exemplare in Nordrhein-Westfalen gefunden wurden. Erst 2020 gab es einen ersten Einzelfund im Kreis Heinsberg. Im Juli 2022 gab es dann gleich mehrere Nachweise im Westen Deutschlands – in folgenden Städten und Landkreisen:
- Kreis Viersen
- Kreis Heinsberg
- Köln
- Düsseldorf
- Duisburg
Asiatische Hornisse in NRW: Klimawandel begünstigt rasante Ausbreitung
Vermutlich sind die asiatischen Hornissen dabei aus dem bereits größeren belgischen Vorkommen nach NRW gewandert. Begünstigt wurde die rasche Ausbreitung vom Klimawandel. Die Winter werden milder, sodass auch exotische Arten stabile Populationen in Europa bilden können. Als Folge wandern immer mehr Tiere in NRW ein. „Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zeigt, dass sie mit dem europäischen Klima gut zurechtkommt und hier nur geringen Druck durch Fressfeinde oder Konkurrenten erfährt“, so der Nabu. Die Einwanderung sei mittlerweile „unumkehrbar“ – und das birgt Gefahren.
Asiatische Hornisse fällt in NRW ein: Stiche für Menschen ungefährlich – doch die Tiere töten Bienen
Beruhigend: Für Menschen, die nicht allergisch sind, sind die Stiche des „Gelbfüßlers“ ungefährlich. Sie sind vergleichbar mit Wespen- oder Bienenstichen. „Die asiatische Hornisse wird allerdings als potenzielle Bedrohung für heimische Bienenvölker gesehen“, wie das Lanuv mitteilte. In der Brutzeit ernährt sich das Tier räuberisch von Insekten. Und: Die heimische Honigbiene kann sich im Gegensatz zu ihrem asiatischen Pendant nicht gegen das Eindringen in den Bienenstock wehren. Die Bienenvölker sind in Lebensgefahr.
Die „schwarzen Jäger“ – wie sie aufgrund ihrer Färbung bezeichnet werden – patrouillieren vor den Bienenstöcken, töten die Nutztiere und haben auch bereits Menschen angegriffen. Besonders im Umkreis ihrer Nester werden die asiatischen Hornissen aggressiv. Die europäischen Bienen haben keine Chance, auch heimische Hornissen haben es schwer: Denn während die europäische Variante Nester für ein paar hundert Tiere errichtet, klebt die asiatische Hornisse riesige Nester für tausende Jäger zusammen. Wie problematisch sich die Situation entwickeln kann, zeigen Erfahrungen aus Frankreich.
Asiatische Hornisse nun auch in NRW: „Der Kampf ist von vorherein verloren“
Dort schlug der damalige Präsident des Imkerverbandes der Gironde (Département im Südwesten Frankreichs), Raymond Saunier, schon vor über einem Jahrzehnt Alarm. Nachdem die asiatische Hornisse sich in Bordeaux breit gemacht hatte, patrouillierten jeden Tag bis zu zehn der tropischen Tiere gleichzeitig vor jedem Bienenstock und tötete Bienen, so Saunier. Das zog Probleme bei der Bestäubung heimischer Pflanzen nach sich.
Dem Franzosen blieb nur die Kapitulation: Er baute alle seine Bienenstöcke in Bordeaux ab und brachte sie 60 Kilometer entfernt in Sicherheit. „Der Kampf ist von vornherein verloren“, sagte auch Denis Thiery vom Agrarforschungsinstitut Inra der Zeitung Le Parisien. Laut Nabu versucht man in Frankreich deshalb, des Problems mit großangelegten Fangaktionen Herr zu werden. Dafür werden beköderte Flaschen verwendet. Das Vorgehen wäre in Deutschland verboten, da auch unzählige heimische und bedrohte Insekten in den Flaschen ums Leben kommen würden.
Asiatische Hornisse vs. Europäische Hornisse: Wie man die Tiere unterscheiden kann
| Europäische Hornisse | Asiatische Hornisse | |
| Länge | Königin: bis vier Zentimeter, Arbeiter: bis 3,5 Zentimeter | Königin: etwa drei Zentimeter, Arbeiter: zwischen 1,7 und 2,4 Zentimeter |
| Farbe des Kopfes | Rötlich bis schwarz | Schwarzer Kopf, orangefarbene Stirn |
| Farbe des Thorax (zwischen Kopf und Hinterleib) | Rotbraun mit schwarzer v-förmigen Zeichnung | schwarz |
| Farbe des Hinterleibs | Vorne: rotbraun und schwarz, hinten: schwarz und gelb | Vorne: schwarz, hinten: orangegelb |
Asiatische Hornisse in NRW: Einschleppung von Tieren kann verheerende Wirkung auf Ökosystem haben
Wie sich die Einwanderung des Neuankömmlings auf die deutsche Fauna auswirkt, ist bislang unklar: „Zwar bringt Vespa velutina [wissenschaftlicher Name für die asiatische Hornisse] aller Voraussicht nach keine essenzielle Bedrohung für die europäische Imkerei, die genauen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind jedoch noch nicht abzusehen“, sagte Melanie von Orlow vom Nabu. Klar ist: So eine Einschleppung von Tieren in fremde Lebensräume kann immense negative Folgen haben. So hatte beispielsweise die Einfuhr der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe nach Neuseeland eine verheerende Wirkung für die dortigen Ökosysteme.
Behörde mit eindringlicher Bitte an Bevölkerung: Sichtungen der Asiatischen Hornisse melden
Um solche Entwicklungen in Deutschland zu verhindern, richtet sich das Lanuv deshalb mit einer wichtigen Bitte an die Bevölkerung: „Wer asiatische Hornissen beobachtet, sollte das bitte nach Möglichkeit mit einem Fotobeleg im Neobiota-Portal melden“. Alternativ ist auch eine Meldung bei der zuständigen Naturschutzbehörde möglich. Von großer Bedeutung sei dabei die genaue Angabe des Standorts und wenn möglich, aus welcher Richtung die Tiere an- oder abfliegen. „Um wirksame und effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung durchzuführen, ist es wichtig, jede Sichtung zu melden“, so der eindringliche Appell des Landesamtes. (mg)
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