VonJohanna Werningschließen
Die Gottesanbeterin ist jetzt auch in NRW zu finden. Trotz ihrer exotischen Herkunft steht sie hier unter besonderem Schutz.
Hamm - Sie liebt die Wärme, kann sich ganz ohne Männchen fortpflanzen – und ist jetzt auch in NRW zu finden: Die Rede ist von der Gottesanbeterin. Das Insekt, das eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause ist, hat es sich nun auch zwischen Rhein und Ruhr gemütlich gemacht.
Vom Mittelmeer bis ins Ruhrgebiet: Gottesanbeterin in ganz NRW zu finden
Bereits seit 2011 „fliegen immer wieder ausgewachsene und voll beflügelte Gottesanbeterinnen nach NRW ein“, heißt es vom NABU NRW. In den vergangenen Jahren konnte die Gottesanbeterin dann im nahezu kompletten Bundesland beobachtet werden. Das bestätigen die Expertinnen und Experten des LWL-Naturkundemuseums in Münster, basierend auf Daten der Beobachtungsplattform Observation.org. Auf dieser Plattform können Bürger ihre Entdeckungen und Beobachtungen bestimmter Tierarten teilen. Auch die Asiatische Hornisse ist mittlerweile in NRW zu finden.
Die Europäische Gottesanbeterin
► Ihren Namen verdankt sie ihren zwei Fangarmen, die in Ruhestellung vor dem Körper gehalten werden und an zum Gebet erhobene Arme erinnern.
► Diese mit Dornen bewehrten Fangarme sind eine effektive Jagdwaffe: Mit blitzschnellen Schlägen können sie damit kleinere Insekten wie Heuschrecken oder Fliegen erbeuten. Der Vorgang des Fangschlags dauert nur 50 bis 60 Millisekunden – das ist etwa sechsmal schneller, als ein Lidschlag des menschlichen Auges.
► Bekannt sind die Insekten auch für ihr Sexualverhalten: So werden die Männchen teilweise nach der Paarung vom Weibchen verspeist. Dieser sogenannte Sexkannibalismus ist unter anderem auch bei verschiedenen Spinnenarten dokumentiert. Die Gottesanbeterin legt dieses Verhalten zwar oft an den Tag, es ist in freier Natur aber nicht die Regel, sodass die Männchen meist glimpflich davonkommen.
► Gottesanbeterinnen bevorzugen trockenwarme Gras- und Buschlandschaften als Lebensraum und benötigen ein ausreichendes Nahrungsangebot.
Quelle: Observation.org und NABU
„Klar ist, dass die bis zu acht Zentimeter langen Tiere mancherorts auch bei uns schon Fuß gefasst haben und sich seit einigen Jahren vermehren“, sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor des LWL-Museums für Naturkunde in Münster. Die Anzahl der von Bürgern in NRW gemeldeten Funde nehme stetig zu. Nach Angaben der Forschergruppe wurden die meisten Gottesanbeterinnen in Deutschland im Südwesten gesichtet. Bisher hat die Art vor allem die Niederrheinische Bucht besiedelt und breitet sich derzeit in Richtung Ruhrgebiet und die Täler des Rheinischen Schiefergebirges aus. Aber was sind die Gründe und ist das gefährlich?
„Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Europa und Afrika bis Ost-Asien. In Deutschland war die Gottesanbeterin lange nur an wenigen Stellen zu finden (z. B. am Kaiserstuhl), konnte sich aber im Zuge des Klimawandels in vielen Gebieten etablieren.“
Gottesanbeterin breitet sich in NRW aus: Darum fühlt sich die Gottesanbeterin hier so wohl
Schuld daran, dass das Tier nun offenbar auch in ganz NRW zu Hause ist, sind die steigenden Durchschnittstemperaturen aufgrund der Klimakrise. Allein im September soll es weiterhin bis zu 30 Grad heiß werden. Ideale Temperaturen für die Gottesanbeterin. Aber auch „verschleppte Tiere“ landen immer mal wieder und ganz unfreiwillig in Hagen, Dortmund oder Gelsenkirchen.
„So könnten die Tiere mit dem Güterverkehr wie etwas per Bahn transportiert werden und örtlich isolierte Vorkommen gründen“, erläutert Kriegs. Dies wird zusätzlich durch die Fähigkeit der Weibchen begünstigt, auch unbefruchtete Eipakete zu legen, aus denen sich dennoch Nachwuchs entwickelt – die sogenannte Jungfernzeugung.
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Für den Menschen ist die Gottesanbeterin „vollkommen ungefährlich“, so der NABU. „Darüber hinaus ist die Gottesanbeterin weder giftig noch schädlich.“ Gefangen oder gehalten werden darf die Gottesanbeterin übrigens nicht. Das Insekt des Jahres 2017 steht nämlich nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) unter einem besonderen Schutz, so die Beobachtungsplattform Observation.org. (Mit dpa-Material)
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