VonEva Burghardtschließen
Die Siedlung Klapheckenhof in Gelsenkirchen ist eine der ältesten Arbeitersiedlungen der Stadt. Viele haben besondere Erinnerungen daran.
Gelsenkirchen – Manche sagen, im Klapheckenhof „schnuppert man Geschichte“. Eine der ältesten Arbeitersiedlungen der Stadt liegt in Gelsenkirchen (NRW) im Ortsteil Heßler, an der Stadtgrenze zu Essen. Für einige Gelsenkirchener ist die einzigartige Siedlung heute noch mit besonderen Erinnerungen verbunden.
Gelsenkirchen: Klapheckenhof ist eine der ältesten Arbeitersiedlungen der Stadt
Wie die Architektenkammer von NRW auf ihrer Seite mitteilt, entstanden die ersten Häuser in der Siedlung Klapheckenhof um das Jahr 1870: Drei Reihen mit jeweils zehn dicht beieinander stehenden Häusern. Gleiche Bauart, gleicher Aufbau. Die Zeche Wilhelmine Victoria, die heute als Veranstaltungshalle dient, war damals etwa zwanzig Jahre alt. Die Arbeiter aus der Zeche lebten in den Häusern, die alle eineinhalb Geschosse und ein Ziegeldach hatten. „Die Siedlung vermittelt sehr gut das Aussehen der frühen Gelsenkirchener Kolonien“, so die Architektenkammer.
In jedem Haus gab es vier Wohnungen: zwei auf der Vorderseite und zwei auf der Rückseite. Jede Wohnung hatte einen eigenen Eingang. Die Miete für die Wohnungen, die damals 65 Quadratmeter groß waren, betrug zu Beginn 12 Reichsmark und ab 1964 64 Deutsche Mark. Mit den Jahren kam ein weiterer Straßenzug hinzu, insgesamt gab es dort 206 Wohnungen. Man kann sich vorstellen, wie eng das Zusammenleben dort war. Die Grundstücke samt Garten liegen dicht beieinander. Eine Durchfahrtsstraße trennt die Häuserreihen. In den ersten Jahren gab es in den Wohnungen keine Toiletten oder fließendes Wasser. Für das große oder kleine Geschäft mussten die Menschen auf eine Toilette im Garten. Geheizt wurde mit Kohle.
Gelsenkirchener über Klapheckenhof: „Da ist die Zeit stehen geblieben“
Erst zu Beginn der 1910er Jahre kam die Modernisierung: 1913 wurden die ersten Wasserhähne eingebaut, 1920 gab es elektrisches Licht statt Petroleomlampen und in den 1980ern wurden die Kohleöfen gegen Gasheizungen getauscht. Ab da begann auch die Privatisierung der Häuser in der Siedlung Klapheckenhof. Die meisten Mieter kauften damals ihre Wohnungen und modernisierten sie nach eigenem Ermessen. Die drei ersten Straßenzüge stehen heute unter Denkmalschutz.
Die Klapheckensiedlung in Gelsenkirchen
► Gebaut ab 1870, zunächst mit drei Straßenzügen – später kommt ein vierter hinzu.
► Vier Wohnungen passen in ein Haus, jeweils zwei zur Vorder- und Rückseite.
► Insgesamt gibt es in der Siedlung 206 Wohnungen.
► In den ersten Jahren gab es kein fließendes Wasser, die Toilette war im Garten.
► Ab den 1980er Jahren wurde die Siedlung privatisiert. Viele Mieter kauften ihre Wohnungen.
► Heute ist die Siedlung Klapheckenhof für viele Gelsenkirchener ein Ort der Nostalgie. Viele besuchen dort Verwandte oder haben selbst in der Siedlung gelebt.
► Im Ruhrgebiet gibt es einige Orte mit historischer Vergangenheit: Alex, das letzte Grubenpferd hat dort ein eigenes Denkmal; und auch die Siedlung Eisenheim in Oberhausen ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Für einige Menschen in Gelsenkirchen ist die Siedlung mit Erinnerungen verbunden. Unter einem Facebook-Beitrag vom Stadtmarketing Gelsenkirchen mit Fotos aus der Siedlung schreibt eine Frau, sie habe dreißig Jahre dort gewohnt. „War eine schöne Zeit.“ Einige Nutzer berichten von Verwandten, Großeltern oder Kindern, die in der Siedlung wohnen. Einer erinnert sich noch an die 1970er, als er im Klapheckenhof Zeitungen ausgetragen hat. Ein anderer schreibt, er sei als Kind öfter dort gewesen. „Da ist die Zeit stehen geblieben.“
Doch nicht nur die Siedlung selbst bekommt viel Lob von den Facebook-Nutzern. Der Stadtteil Heßler an der Grenze zur Stadt Essen mit dem Nordsternpark, der mit seinen ungewöhnlichen Brücken ein beliebtes Ausflugsziel ist, sei „eh der schönste Stadtteil von Gelsenkirchen“. (ebu)
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