Die Inflation stelle viele Haushalte vor riesige Probleme, und vielerorts wenden sich Menschen an die Tafeln, die es vorher nie mussten. Auch in Hamm?
Hamm – 70 Prozent mehr für Mehl, 40 Prozent mehr für Hackfleisch, 45 Prozent mehr für Nudeln: Die Verbraucherzentrale NRW hat genau aufgelistet, wie stark die Lebensmittelpreise zwischen Juni 2021 und Mai 2023 gestiegen sind. Derzeit kommen rund 1400 Bedürftige zur Tafel, erklärt Heinz-Werner Hartfiel, erster Vorsitzende der Hammer Tafel. Sie besteht inzwischen seit 1999 – damals hatte sie nur rund 300 Menschen versorgt, doch die Zahl der Kunden stieg rasch, schon vor Pandemie und Ukraine-Krieg.
Unter den Kunden sind rund 400 bis 500 Ukrainer, weitere Geflüchtete, Familien, häufig mit migrantischer Abstammung, und Rentner. „Wir haben keinen Strukturwandel gemerkt, allerdings sortieren wir auch nicht nach irgendwelchen Merkmalen. Wir fragen nicht nach dem Grund der Bedürftigkeit, sondern achten nur darauf, dass die notwendigen Nachweise vorliegen“, sagt Hartfiel. Diese müsse man kontrollieren.
Er spricht mit einigen Kunden und weiß, dass die Rente zum 1. Juli erhöht wurde. Dies fange die Inflationsrate kaum ab. Die Tafel versucht deshalb, den Kostenbeitrag der Kunden konstant zu halten. In den vergangenen beiden Jahren ist er nicht gestiegen.
Hammer Tafel: „Picnic“ als neuer Sponsor
Der Hammer Tafel geht es noch gut, erklärt Hartfiel. Anders als andere Tafeln habe man nie schließen müssen. Schließlich leisteten die Sponsoren einen ebenso hohen Beitrag zuvor, trotz Inflation. Auch die Zahl der Lebensmittelspenden blieb gleich, es kam mit dem Online-Supermarkt „Picnic“ ein neuer Sponsor dazu.
„Man darf es sich aber nicht wie beim Supermarkt vorstellen. Mal haben wir mehr Ware, mal weniger. Wenn wir mehr haben, bekommen die Kunden auch mehr, und andersherum. So wechselt das Angebot, abhängig davon, was in den Lebensmittelgeschäften abgegeben wird“, erklärte Hartfiel.
Jeden Tag kommt neue Ware an, die ausgeteilt werden muss. Übrig gebliebenes wird an die Mitarbeiter verteilt, damit so wenig wie möglich weggeschmissen wird.
Besonders bei verderblichen Lebensmitteln muss dennoch viel aussortiert werden, Ungenießbares wird entsorgt. Das kommt gerade jetzt im Sommer häufiger vor.
Hammer Tafel: Es geht nicht ums Horten
„Das Ziel der Tafel ist es nicht, Lebensmittel zu horten, sondern diese zu verteilen und bestenfalls nicht zu lange zwischenzulagern. Deshalb sind wir auch in einem stetigen Warenaustausch mit anderen Tafeln, damit es keinen Überschuss gibt, der verdirbt“, erklärte der Vorsitzende.
Insgesamt engagieren sich bei der Hammer Tafel etwa 100 freiwillige Helfer, rund 30 von ihnen sind täglich im Einsatz. Monika Pozdrowicz ist seit März 2005 dabei, mit viel Freude. „Wenn es keinen Spaß machen würde, würde ich auch nicht mehr kommen“, sagt sie.
Von den allgemeinen Preissteigerungen ist natürlich auch die Tafel selbst betroffen. Die Preiserhöhung von Benzin und Diesel sei deutlich zu spüren, schließlich wird viel Ware transportiert. Auch die höheren Energiekosten wirken sich aus. Dennoch ist man bei der Hammer Tafel zuversichtlich – und hofft, dass die Zahl der Kunden nicht zu stark steigt. „Viel mehr als 1500 Kunden könnten wir nicht stemmen“, sagt der Vorsitzende, für mehr reichen die Kapazitäten weder räumlich noch personell.
Die Tafeln in NRW arbeiten am Limit, viele Menschen sind auf ihre Hilfe angewiesen. Die App „Too Good To Go“ könnte eine Konkurrenz darstellen. Sie wächst.